Schleidampfer : Klarschiff auf der „Wappen von Schleswig“

Kapitän Stefan Nelius packt selbst an, um seine „Wappen“ auf Vordermann zu bringen. Neben ihm Ehefrau Sonja.
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Kapitän Stefan Nelius packt selbst an, um seine „Wappen“ auf Vordermann zu bringen. Neben ihm Ehefrau Sonja.

Kapitän Stefan Nelius und sein Team machen den Schleidampfer fit für die Saison – in diesem Winter ist besonders viel zu tun.

shz.de von
08. Januar 2018, 15:57 Uhr

Was läuft da auf der „Wappen von Schleswig“? Seit Wochen verbirgt die alte Dame ihre Steuerbord-Seite vor dem Betrachter, als hätte der Verhüllungskünstler Christo persönlich Hand angelegt. Dabei dümpelt sie still Tag und Nacht an ihrer Anlegebrücke vor sich hin, graue Plastikplanen hängen an ihr herunter wie ein nasser Sack. Keine Spur mehr von dem Glamour, den sie im Sommer verbreitet.

Liegt sie im Winterschlaf? „Nee“, sagt Kapitän Stefan Nelius (52), im Gegenteil: „Es tut sich ganz viel bei uns an Bord.“ Umfangreicher als sonst sind Renovierungen im Gange, die Nelius seit Ende Oktober gemeinsam mit seinem Co-Kapitän Harry Bräse vornimmt. Und alles eigenhändig. So wurden die Holzfenster auf der Steuerbord-Seite (also rechts) herausgebrochen, mitsamt den hölzernen Fensterrahmen. „Das Holz war komplett verrottet, obwohl wir einige Jahre zuvor extra Lärchenholz verwendet hatten“, berichtet er. Zudem seien die alten Fensterglasscheiben milchig geworden, wogegen auch kein Saubermachen mehr half. „Das sah nicht mehr schön aus, und wir hatten die Faxen dicke“, lacht Ehefrau Sonja. Nun hat Stefan Nelius Edelstahlrahmen für die neuen acht Millimeter starken Fensterscheiben eingesetzt. Insgesamt neun Fenster wurden komplett ersetzt.

Um eine Ahnung von der Wirkung zu bekommen, die die neue Aussicht den kommenden Fahrgästen bieten wird, klettert der Kapitän aufs Oberdeck – und zieht schon mal ein Stück von der Plastikplane vor den Fenstern beiseite. Tatsächlich sieht es nun so aus, als wäre gar keine Scheibe zwischen drinnen und draußen, so klar ist die Sicht. Stefan Nelius greift noch zur Silikon-Spritze und dichtet einige Stellen ab.

Schweißen, Flexen, Anmalen – mit diesen handwerklichen Fähigkeiten machen Nelius und Bräse den alten Dampfer, der im vergangenen Sommer 90 Jahre alt geworden ist, wieder flott. Und nach diesen grundlegenden Renovierungen wird der Frühjahrsputz Anfang März beginnen, erzählt das Ehepaar. Dann werden, wie vor jeder Saison, alle Roststellen beseitigt, der gesamte Farbanstrich angeschliffen und neu lackiert. „Bis dann alles von unten nach oben durchgeputzt ist, vergeht eine Woche“, sagt Sonja Nelius Als nächsten Verschönerungsschritt, der aber erst für den Herbst geplant ist, will man sich den Fußboden im sogenannten Salon vornehmen. „Wir möchten dort ein Schiffsparkett aus Vinyl und in Holzoptik anbringen lassen“, sagt sie. Dabei freut sich Stefan Nelius, dass ihm für besondere Schiffsarbeiten die Werft in Arnis wieder zur Verfügung steht. „Das bedeutet eine große Erleichterung für uns“, meint er.

Der Aufwand, die gute alte „Wappen von Schleswig“ in Schuss zu halten, ist nicht gerade gering. Doch für Familie Nelius eine Art Herzensangelegenheit. „Wenn man nicht vieles selbst renovieren könnte, wäre der Schiffsbetrieb gar nicht machbar.“ Bereits in dritter Generation liegt die „Wappen“-Schleischifffahrt in Händen der Familie. Gründer der Anton Bischoff GmbH war Stefan Nelius’ Großvater.

Eine „große Freude“ sei die Zusammenarbeit mit der gesamten Crew, wie beide hervorheben. „Da ist die Servicemannschaft mit unseren Golden Girls Pia Nottrott, Isabel Klimaszewski, Jasmin Beck und Nadine Maiwald. Ebenso gehört Muthanna Alhammadani, der aus dem Irak geflüchtet ist, dazu.“ Vor allem aber sei man dankbar dafür, dass „Tante Gisela uns so unterstützt“. Gisela Boyer sowie auch Tochter Svea und Sohn Ron helfen neben Studium und Beruf in Dänemark in der Saison tatkräftig mit, sagt Stefan Nelius. Das blieb nicht ohne Folgen: „Die letzte Saison ist prima, gelaufen, trotz des durchwachsenen Sommerwetters.“

Und auch die neue Saison ist nicht mehr weit: Am 1. April, Ostersonntag, wirft Kapitän Stefan Nelius die Motoren seiner 240 PS-starken „Wappen“ an, und los geht es zur ersten Fahrt dieses Frühlings nach Ulsnis. Der reguläre Fahrplan beginnt am 21. April.

Frauke Bühmann

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