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Schleswiger Nachrichten

19. Oktober 2017 | 15:44 Uhr

Klare Worte lassen aufhorchen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2013 | 00:35 Uhr

Ich mag gerne bügeln. Es beruhigt mich, aus kraus glatt zu machen. Und es ist mir ein Vergnügen, meinen perfekt gebügelten Geschirrtücherstapel in den Schrank zu legen. „Zwanghaft“ sagen die einen, „schrullig“ die anderen – ist mir egal. Wenn ich bügel, denke ich oft an Regine Hildebrand, die zu früh verstorbene SPD-Politikerin. Übers Bügeln hat sie mal gesagt, sie bügele bei Blusen grundsätzlich nur die Vorderseite, die Ärmel und der Rücken seien eh immer unter der Jacke. Doch nicht nur deshalb finde ich sie großartig. Sie hat damals in die oft so verschlüsselte politische Sprache neuen Wind gebracht. Sie wollte niemals Unverbindlichkeiten von sich geben. Sie sagte: „Ich rede auch, wenn ich gar nicht gefragt werde und diplomatisch schweigen könnte. Ich kann nicht immer nur Dinge sagen, die Beifall finden.“ Ihre Art zu reden ließ aufhorchen. Sie wurde eine Ausnahmeerscheinung auf der politischen Bühne. Ihr Leben war christlich begründet, das hat sie offen beschrieben. „Zieh einher für die Wahrheit in Sanftmut und Gerechtigkeit, und deine rechte Hand wird Wunder vollbringen.“ Wozu der Psalmist ermutigt, das hat sie gelebt. Ein Beispiel gegeben, wie jemand öffentlich reden – und auch politisch handeln kann: unverblümt, schnell, weitherzig und herrlich konkret. Wir vergessen so schnell. Es ist kein offizieller Gedenktag heute. Ich mag nur sehr gern an Regine Hildebrand denken. Vielleicht bügel ich deshalb mit Freuden.

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