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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 18:19 Uhr

Schleswig : Klärschlamm macht Abwasser teurer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Stadtwerke müssen mehrere Millionen Euro in Modernisierung des Klärwerks investieren. Das hat Folgen für die Verbraucher.

von
erstellt am 09.Okt.2017 | 16:58 Uhr

Klärschlammverordnung: Dieses typisch deutsche Wortungetüm klingt für Otto Normalverbraucher weder besonders sexy, noch so, als ob man sich damit beschäftigen müsste. Das ist prinzipiell auch so. Allerdings hat der Bundestag besagte Verordnung im Sommer novelliert – mit Auswirkungen auch auf Schleswig und seine Bürger. Denn am Ende werden die neuen Regelungen dazu führen, dass die Abwassergebühren für die Verbraucher steigen.

Hinter den Kulissen beschäftigt das Thema die Stadtwerke schon seit Monaten. In der jüngsten Sitzung des städtischen Werkausschusses wurde nun erstmals auch öffentlich darüber diskutiert. Dazu hatte Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs eigens einen Fachmann eingeladen: Professor Johannes Müller-Schaper aus Hannover. Der Ingenieur und Geschäftsführer der PFI Planungsgemeinschaft ist spezialisiert auf das Thema Klärschlamm und wurde deshalb von den Stadtwerken damit beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, wie das Schleswiger Klärwerk für die Anforderungen der überarbeiteten Verordnung fit gemacht werden kann. „Eines ist dabei jetzt schon klar“, betonte Schoofs, „es wird definitiv nicht billig.“

Rund 5000 Tonnen Klärschlamm fallen in Schleswig pro Jahr an. Dieser wird bislang nur geringfügig getrocknet und dann an Landwirte abgegeben, die ihn als Dünger für ihre Felder nutzen. Damit allerdings soll bald Schluss sein. Eine neue Düngeverordnung hat die Zeiten, in denen die Bauern Gülle ausfahren dürfen, schon jetzt deutlich eingegrenzt. Mit der Folge, dass sie zusehen müssen, erst einmal ihre eigenen Bestände loszuwerden, ehe sie sich bei den Stadtwerken bedienen und deren Schlamm teuer entsorgt werden muss. Die Klärschlammverordnung wiederum besagt nun obendrein, dass in spätestens 15 Jahren komplett Schluss ist mit dem Ausbringen auf Felder. Dann dürfen die Reste nur noch verbrannt werden – mit der Auflage, dass dabei der Phosphor als wertvoller organischer Nährstoff zurückgewonnen wird.

„Das bedeutet unter dem Strich, dass auch Sie in Schleswig versuchen müssen, die Masse zu reduzieren“, betonte Müller-Schaper. Das jedoch gehe nur durch neue Anlagen, denn die alte Kammerfilterpresse, die im Klärwerk für das Entwässern des Schlamms zuständig ist, hat bereits 40 Jahre auf der Uhr und ist entsprechend anfällig und ineffektiv.

Der Fachmann schlägt nun vor, dass die Stadtwerke unter anderem in eine neue Zentrifuge sowie Maschinen zum Eindicken und Trocknen der Masse investieren. Auch ein neuer Lagerplatz müsse geschaffen werden. So könne der mit 90 Prozent sehr hohe Wassergehalt des Klärschlamms auf bis zu zehn Prozent reduziert werden. Mit der Folge, dass dessen Menge von bislang jährlich mehr als 5000 auf etwa 1300 Tonnen reduziert werden kann. Allerdings muss für Umrüstung und Neuanschaffung eine Menge Geld in die Hand genommen werden: Müller-Schaper rechnet mit Investitionen von über sechs Millionen Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten in Höhe von rund einer halben Million Euro. Da sich gleichzeitig aber auch die Kosten für die Entsorgung des Schlamms von bislang 40 Euro pro Tonne auf geschätzt 70 Euro erhöhen, „wird das die Allgemeinheit über höhere Abwassergebühren finanzieren müssen“, betonte Schoofs. In welchem Maße diese konkret steigen werden, das wollte er nicht abschätzten. „Das wäre reine Spekulation.“ Wichtig sei ihm aber schon jetzt, dass die Bevölkerung und auch die Politik für dieses Thema frühzeitig sensibilisiert werden. „Der Gesetzgeber hat die Anforderungen deutlich erhöht, jetzt müssen wir unsere Hausaufgaben machen“, fügte er an. Das sei nicht zu ändern, geschehe aber aus einem plausiblen Grund, so Schoofs. Denn Hintergrund der neuen Klärschlammverordnung ist die Absicht, das Grundwasser auch dauerhaft zu schützen.

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