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Schleswiger Nachrichten

15. Dezember 2017 | 04:14 Uhr

Schleswig : Kirchenfusion auch ohne Domgemeinde?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In der Domgemeinde bleibt der geplante Zusammenschluss der drei evangelischen Kirchengemeinden in Schleswig umstritten. Jetzt könnten es die Michaelisgemeinde und die Friedrichsberger Gemeinde zu zweit versuchen.

von
erstellt am 27.Apr.2015 | 07:45 Uhr

So kontrovers wie in der Domgemeinde ging es nicht zu. Aber einige kritische Stimmen zum geplanten Zusammenschluss der drei evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt gab es auch auf der Gemeindeversammlung der St.-Michaelis-Gemeinde.

Rund 30 Interessierte waren gestern Mittag nach dem Gottesdienst in der Pauluskirche ins angrenzende Gemeindehaus gekommen. Dort berichtete Pastor Karsten Winter vom Stand der Fusionsverhandlungen.

Die Gespräche zwischen den Verantwortlichen von Domgemeinde, Michaelisgemeinde und der Friedrichsberger Kirchengemeinde laufen schon seit mehr als zwei Jahren. Als Termin für den Zusammenschluss war bisher der Erste Advent 2016 vorgesehen. Nun könnte aber alles sogar noch schneller gehen, berichtete Winter. Damit die 14  000 Schleswiger evangelisch-lutherischen Christen schon bei den Kirchenwahlen im kommenden Jahr einen gemeinsamen Kirchengemeinderat wählen können, könnte die Fusion bereits in diesem Jahr vollzogen werden.

Ob allerdings die Domgemeinde mitmacht, ist nach wie vor offen. „Ich bin zuversichtlich“, sagte Winter. Er weiß aber auch, dass dort viele der aktiven Mitglieder um ihre Identität fürchten. Sorgen gibt es auch in der Michaelisgemeinde. So wollte Winter auf Nachfragen nicht garantieren, dass es weiterhin einmal im Monat einen Gottesdienst in der Auferstehungskirche an der Husumer Straße geben wird. Als jedoch Versammlungsleiter Henning Lüthke die Frage zur Abstimmung stellte, ob die Gemeinde auch eine „kleine Fusion“ nur mit dem Friedrichsberg anstreben sollte, falls die Domgemeinde ausschert, gab es keine Gegenstimmen.

Pastor Winter erhofft sich vom Zusammenschluss vor allem weniger Verwaltungsaufwand. Er selbst ist zur Hälfte in der Michaelisgemeinde und zur anderen Hälfte im Friedrichsberg tätig. „Ich verbringe viel Zeit in Gremiensitzungen von zwei Kirchengemeinden, die mir für meine eigentliche Arbeit fehlt.“

Wenn Winters Kollege Rüdiger Hoffmann in wenigen Jahren in den Ruhestand geht, wird dessen Stelle voraussichtlich nicht neu besetzt. Gut möglich, dass dann ein Pastor aus der Domgemeinde seine Aufgaben teilweise mit übernimmt.

Für Winter gibt es aber noch weitere Gründe für einen Zusammenschluss. Sie alle haben mit der sinkenden Zahl von Kirchenmitgliedern zu tun. Die Michaelisgemeinde hatte 2010 noch 5611 Mitglieder. Heute sind es 5394. „Es gibt inzwischen so wenige Konfirmanden, dass nicht mehr jeder Pastor Konfirmandenunterricht machen muss“, sagte Winter. Und seit die Domschule ihren Anbau eingeweiht hat, braucht sie keine Unterrichtsräume mehr im Gemeindehaus im Stadtweg 88 anzumieten. „Das Haus steht meistens leer“, so der Pastor, verursache aber laufende Kosten in fünfstelliger Höhe. Seit Jahren versuche man, sich mit der Domgemeinde zu einigen, ob die Kirche sich von dieser Immobilie trennen soll oder vom Domgemeindehaus auf dem Michaelisberg am anderen Ende des Stadtwegs. „Wir schaffen es nicht, uns zu einigen.“ In einer gemeinsamen Kirchengemeinde, so seine Hoffnung, werde es einfacher, eine Lösung zu finden.

Unterdessen geht nicht alles nur bergab. Auf der Gemeindeversammlung stellte sich auch die neue Pastorin Antje Hanselmann vor. Sie kündigte an, die Partnerschaft mit einer Kirche in El Salvador fortzusetzen, die ihr Vorgänger Matthias Hertel gepflegt hatte. Sie plant auch neue Impulse: So könnten bald Jugendliche aus El Salvador für einige Monate nach Schleswig kommen und im Weltladen der Gemeinde mitarbeiten.

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