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Kreis-Synode Schleswig-Flensburg : Kirche will Pfarrstellen einsparen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Synode des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg diskutiert über eine neue Struktur mit größeren „Handlungsräumen“. Für Gebäude gibt es einen Investitionsstopp.

Die Geldverteilung für 2015 und die künftige Struktur in „kirchengemeindlichen Handlungsräumen“ – über diese zwei brisanten Themen verhandelten die Synodenmitglieder des Kirchenkreises Schleswig-Flensburg am Sonnabend bei ihrer mehr als fünfstündigen Tagung im Gemeindehaus der Flensburger Kirchengemeinde St. Jürgen. Das Dilemma: Trotz guter Konjunktur und damit Kirchensteuerzuweisungen in Rekordhöhe – 2015 ist mit zirka 18,5 Millionen Euro zu rechnen – haben sowohl der Kirchenkreis als auch die meisten Kirchengemeinden höhere Ausgaben als Einnahmen. Der Kirchenkreis muss 550  000 Euro und die Gemeinden müssen 660  000 Euro aus den Rücklagen entnehmen – Tendenz insbesondere wegen tariflicher Personalkostenerhöhungen steigend.

Beim Haushalt 2015 waren sich die Kirchenparlamentarier schnell einig, nicht ohne damit auch Weichen für die Zukunft zu stellen: So werden sowohl das Diakonische Werk als auch das Regionalzentrum ab sofort budgetiert, so dass beide Einrichtungen mittelfristig mit weniger Geld auskommen müssen. Die Aufgabe für die Zukunft sei es, so die beiden Leiter der Einrichtungen, Pastor Thomas Nolte und Pastor Ingo Gutzmann, trotz Umstrukturierungen weiter vor Ort präsent zu sein, qualitativ hochwertige Beratung bei seelischen und wirtschaftlichen Nöten anzubieten und das Gemeinwesen vor Ort mitzugestalten.

Ein weiterer Beschluss sieht einen Investitionsstopp bei Gebäuden vor. So sollen keine neue Baumaßnahmen mehr bezuschusst werden, bis nicht alle laufenden abgeschlossen und abgerechnet sind. Allein 2014 seien bei Bauprojekten unvorhersehbare Mehrkosten von 550  000 Euro entstanden, berichtete Pastor Thomas Nolte als Vorsitzender des Finanzausschusses. Er sprach von „einer horrenden Summe“, „einer Wundertüte der alten Baumaßnahmen“ und „Sanierungsmaßnahmen als unendlich drängendem Thema“. Nolte sagte: „Wir müssen nicht nur mit unserer Investitionsrücklage gut wirtschaften – auch und besonders müssen wir uns von Gebäuden trennen. Nur so kommen wir weiter.“

Indirekt spielte das Thema Gebäude auch eine Rolle bei dem Tagesordnungspunkt der „gemeindlichen Handlungsräume“, den das Kirchenparlament fast drei Stunden intensiv diskutierte. Bereits auf der Synodentagung im November war das Modell, das eine neue Struktur der kirchengemeindlichen Arbeit vorsieht, vorgestellt und auf einer Sitzung der Kirchengemeinderäte Ende Januar in Havetoft diskutiert worden. Es sieht vor, „gemeindliche Handlungsräume“ mit mindestens 5000 Gemeindemitgliedern zu bilden, denen zwei Pastoren, hauptamtliche Kirchenmusik und Gemeindepädagogik, Küsterdienst, Reinigungskräfte und Sekretariat zur Verfügung stehen. Ziel der neuen Struktur sei es, den Kirchenkreis zukunftsfähig zu gestalten, erklärte Pröpstin Johanna Lenz-Aude. „Unser Modell der kleinteiligen Ortsgemeinden trägt nicht mehr, es überfordert uns finanziell.“ Um zu gestalten, gelte es, in größeren Einheiten und überhaupt neu zu denken, um die Menschen in Stadt und Land zu erreichen, um Menschen in ihrem Leben zu begleiten, um das Gemeinwesen mit zu gestalten, so Lenz-Aude.

Im Zentrum der Diskussion standen die so genannten Gemeinschaftsausgaben, die es zu senken gelte, um mittelfristig Kirchengemeinden und Kirchenkreis mehr Geld zuteilen zu können. Ganz konkret im Blick: die Ausgaben für die Pfarrbesoldung mit zirka sechs Millionen Euro als größtem Posten. Dabei gelte es, die Zukunft der Ortsgemeinden so zu gestalten, dass sie den veränderten Bedingungen bei weiterhin qualitativ hohem Niveau angepasst würden, erklärte Propst Helgo Jacobs.

Pastor Hanno Jöhnk aus Gundelsby-Maasholm forderte dazu auf, bei einem Neukonzept auf die Unterschiede zwischen Stadt und Land zu achten und zu prüfen, ab welcher Größe ein Handlungsraum nicht mehr sinnvoll sei. Propst Jacobs erklärte dazu, dass jeweils individuell vor Ort geprüft werden müsse, welche Partner für einen Handlungsraum gefunden werden können und was für jeden dieser Handlungsräume inhaltlich sinnvoll sei und stark mache.

Eine zentrale Anforderung an die Reduzierung von Gemeindepfarrstellen formulierten unter anderen Hans-Jürgen Klinzing aus Gundelsby-Maasholm und Gernot Nicolai aus Flensburg. Sie betonten, dass die Identifikation mit dem Pastor als Seelsorger vor Ort nicht verloren gehen dürfe und für Einsparungen nicht nur die Kosten für die Gemeindepastoren, sondern alle Haushaltsposten auf den Prüfstand müssten. Kirchenmusiker Thomas Euler hielt dagegen, dass Sparmaßnahmen bereits beschlossen seien, beispielsweise die Betriebskostenanteile bei den Kitas zu reduzieren und das Regionalzentrum sowie das Diakonische Werk zu budgetieren. Bei Pastorenstellen seien Einsparungen dagegen wegen des Beamtenrechts nur langfristig möglich. „Wenn wir hier nicht handeln, strangulieren wir uns selbst“, sagte er und forderte die Synodalen auf, mutig zu sein und sich jetzt auf den Weg zu machen, um gestalten zu können.

Als konkretes Signal verabschiedete das Kirchenparlament nach eingehender Diskussion, den bestehenden Pfarrstellenplan vorübergehend auszusetzen. Ab sofort werden der Kirchenkreisrat und die Kirchengemeinderäten bei freiwerdenden Pfarrstellen beraten, ob bei dieser Gelegenheit Schritte in Richtung eines „kirchengemeindlichen Handlungsraumes“ getan werden könnten. Um das Gesamt-Modell weiter diskutieren und entwickeln zu können, wird der Kirchenkreisrat auf der nächsten Sitzung der Kirchengemeinderäte am 20. April in Havetoft Vorschläge für Handlungsräume mit einem Pfarrstellenplan vorstellen.

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erstellt am 09.Feb.2015 | 07:32 Uhr

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