zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

21. August 2017 | 06:49 Uhr

Hüsby : Kindergarten auf dem Bauernhof

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Lernen mit Tieren und in der Natur: Pädagogen wollen ein kreisweit einzigartiges Kita-Konzept in Hüsby realisieren und die Gemeinde mit ins Boot holen.

Aufwachsen zwischen Kühen und Kälbern, im Heu und Stroh und mit dem Krähen des Hahnes. In Hüsby soll dies für 15 Kinder so schnell wie möglich Wirklichkeit werden, wenn es nach Silke Falkowski, pädagogische Mitarbeiterin in einem Waldkindergarten, und Sozialpädagoge Matthias Niemann gehen soll. Die beiden wollen auf dem Erlebnisbauernhof Hüsby, den Falkowski seit 2009 betreibt und der von ihrem Lebensgefährten Dirk Clausen bewirtschaftet wird, 15 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und sechs Jahren betreuen. Die Gründung eines Trägervereins sei in Arbeit, das Finanzamt prüfe gerade den Antrag auf Gemeinnützigkeit. Auch das Bauamt beschäftige sich bereits mit Fragen rund um den Bauernhofkindergarten, sagt die 44-Jährige. Und Interessenten für Plätze gebe es schon jetzt. Das pädagogische Konzept steht sowieso – nur die Frage nach der Finanzierung ist noch nicht geklärt. Falkowski und Niemann hoffen auf Unterstützung von der Gemeinde. Heute ab 19.30 Uhr soll darüber im Landhaus Hüsby beraten werden.

Bundesweit gibt es nach Angabe von Silke Falkowski rund 25 Kindertageseinrichtungen, die dauerhaft auf einem landwirtschaftlichen Betrieb angesiedelt und in der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof organisiert sind. Der erste Bauernhofkindergarten in Schleswig-Holstein wurde im Jahr 2000 in Krummbek (Kreis Plön) ins Leben gerufen. Im Kreis Schleswig-Flensburg mit seinen insgesamt 133 Kindergärten betreten Silke Falkowski, die sich in einem einjährigen Lehrgang der Landwirtschaftskammer zur Bauernhofpädagogin fortbilden ließ, und Matthias Niemann mit ihrem Konzept Neuland. Es wäre der erste Bauernhofkindergarten im Kreis.

Das Konzept für die spezielle Kita ist denkbar einfach und ähnelt dem der Wald- und Naturkindergärten, von denen es immerhin schon acht im Kreis gibt. Es geht nach draußen, am besten immer, sofern es das Wetter zulässt. Ist dies nicht der Fall, biete der Erlebnishof auch genug Unterschlupf für die Kinder, sagt Falkowski. In der Regel aber lernten die Kinder zwischen Kuhstall und Gemüsegarten, zwischen Strohballen und Obstwiese, in Feld und Flur.

Herkömmliches Spielzeug spiele nur eine untergeordnete Rolle. „Es geht darum, die vorhandenen Dinge zu nutzen. Auf einem Baum kann man zum Beispiel auch schaukeln“, sagt Matthias Niemann, der als Schulsozialarbeiter an einer Flensburger Schule tätig ist. „Kinder sind draußen eigentlich sehr schnell glücklich und brauchen dafür kein Spielzeug aus Plastik. Sie finden einen Ast und tauchen sofort in ihre spielerische Phantasiewelt ein“, sagt der 49-Jährige.

In Hüsby kommt hinzu, dass der Erlebnis-Bauernhof ein halber Zoo ist. Neben Hühnern, Enten, Puten, Kaninchen, Meerschweinchen, Kühen, Hunden, Katzen, Truthahn und Ziegen leben dort auch Wollschweine, die vom Aussterben bedroht sind, Pfauen und Schildkröte „Emily“. Falkowski ist überzeugt von der natur- und tiergestützten pädagogischen Arbeit. Sie sei förderlich für das Immunsystem der Kinder, lehre sie in vernünftigem Sozialverhalten und nehme ihnen viele Ängste. „Die Kinder werden immer betüdelt: Pass auf! Das ist zu hoch, zu heiß! Nicht so schnell! – Das sind aber alles Dinge, die sie erleben müssen“, sagt die 44-Jährige. Auf dem Erlebnisbauernhof gehe es, wie es der Name bereits sage, um das Lernen aus dem Erleben. „Im Erleben von Tieren und Natur erfahren die Kinder sich und ihre Umwelt unmittelbar, können ein Bewusstsein für die Abläufe in der Natur entwickeln und lernen Verantwortung“, heißt es in dem Konzeptentwurf, der auch Hüsbys Bürgermeister Wolfgang Laabs vorliegt.

Dieser wird das Ansinnen der beiden Pädagogen heute in der Gemeindevertretersitzung vorstellen, äußert aber auch klare wirtschaftliche Bedenken: So ansprechend das pädagogische Bauernhofkonzept sein möge, „so einfach ist das nicht“, sagt er. „Die Frage ist: Kann sich die Gemeinde noch einen Kindergarten leisten? Denn wir haben ja bereits einen.“ Der koste die Gemeinde 64  000 Euro im Jahr. In der evangelischen Kindertagesstätte Hüsby werden zurzeit 17 Kinder, davon vier unter Dreijährige betreut. Bürgermeister Laabs verweist auf den Kindergartenbedarfsplan des Kreises. Für Hüsby liege die Deckung zurzeit bei 119 Prozent. Und das solle so bleiben. Man müsse also auch darüber nachdenken, ob man den bestehenden Kindergarten und die daran gekoppelten Arbeitsplätze in Gefahr bringe, wenn man eine weitere Einrichtung in unmittelbarer Nachbarschaft unterstütze, gibt er zu bedenken. Letztlich könne eine Entscheidung der Gemeinde aber nur auf konkreten Zahlen basieren, das heißt: Wie viel müsste die Gemeinde wirklich zum Bauernhofkindergarten zuschießen? Diese Zahlen fehlten jedoch bis jetzt. Die Idee sofort ablehnen wolle die Gemeinde nicht, aber eine Entscheidung werde vermutlich heute nicht fallen. Das Thema solle zunächst an den zuständigen Kindergartenauschuss verwiesen werden, so Laabs.

„Mit der Gemeinde im Rücken wäre es tausend Mal schöner als ohne sie“, sagt Silke Falkowski, aber auch ein „Nein sei nicht das Ende der Fahnenstange“.


>Das gesamte Konzept und Details zum Bauernhofkindergarten auf www.kibahue.de

 

zur Startseite

von
erstellt am 09.Feb.2015 | 14:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen