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Schleswiger Nachrichten

16. Dezember 2017 | 19:59 Uhr

Grundschule Treia : Kinder suchen verlorene Worte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Theaterproduktion schärft das Empfinden für den Umgang mit Sprache.

„Kommt und kauft euch ein Wort, es ist Markt hier im Ort“, ruft die Händlerin der Worte. Sie hat ihren Marktstand in der Turnhalle der Treianer Grundschule aufgebaut und verkauft nun Worte aller Art. Sie hat süße Worte, Fremdworte, geläufige und komplizierte Worte und sogar Worte, die einem auf der Zunge liegen, im Angebot. Anfangs hören die 93 Schulkinder, die es sich auf Turnmatten und Bänken bequem gemacht haben, nur aufmerksam zu, aber schnell werden sie in die Geschichte um die Händlerin der Worte mit einbezogen. Sie fragt nach den Lieblingsworten der Schüler und bekommt prompt Antworten wie: Skorpion, Pferd und Schildkröte.

In der Treianer Grundschule hat das Theater seit langem eine große Bedeutung. Hier wird nicht nur Theater gespielt, ein Theaterbesuch gehört auch traditionell zur Vorweihnachtszeit. „Wir möchten unseren Kindern diese Kunstform gerne näher bringen“, erzählt Schulleiterin Antje Harmsen. „Aber in diesem Jahr lassen wir das Theater mal zu uns kommen.“

Das ursprüngliche Stück „La marchande de mots“ von Claude Theil wurde 2005 von Thomas Lange als „Händlerin der Worte“ für deutschsprachige Grundschulen adaptiert und tourt seitdem mit der Nimmerland-Theaterproduktion durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und durch deutschsprachige Schulen in Frankreich, Dänemark und Norditalien. Mehr als 230  000 Kinder hat das von Duden unterstütze Stück bereits begeistert und auch die kleinen Treianer konnten sich kaum auf ihren Turnmatten halten.

Gerade noch erklärte die Händlerin, dass man mit höflichen Worten viel leichter sein Ziel erreicht, als wenn man bockig wird, da bemerkt sie, dass ihr alle Worte, die zum guten Zusammenleben der Menschen nötig sind, gestohlen wurden. Natürlich ist die Verzweiflung groß. Was soll sie nur tun? Sie versucht die Worte zu beschreiben, die so wichtig sind, aber es gelingt ihr nicht. Schließlich hat sie eine Idee: Sie bittet die Kinder, nach diesen wichtigen Worten zu suchen und sie ihr dann in einem Briefumschlag zu schicken.

Hinter dem Theaterstück steckt weit mehr als eine schön erzählte Geschichte. Kinder erfahren auf eine sehr anschauliche Art und Weise, was Worte können. Dass sie freundlich sein können, aber auch verletzend, und dass man sie, sind sie erst einmal gesagt, nur schwer wieder zurücknehmen kann. Schauspielerin Stefanie Adam gelingt das auf eine im wahrsten Sinne des Wortes spielerische Weise. Sie nimmt die Kinder mit und begeistert mit ihren eingängigen Liedern.

„Worte sind unser Thema. Der Umgang mit ihnen, ihre Bedeutung“, erklärt Antje Harmsen vor der Vorstellung, „wir sind gespannt, wie die Kinder auf das Theaterstück regieren“. Denn dort, wo das Theater endet, beginnt die Arbeit der Pädagogen, die nun die Aufgabe haben, tiefer in die umfangreiche Thematik rund um Worte einzutauchen.

Die Kinder sind sicher mit viel Spaß dabei und können der Händlerin hoffentlich einen prall gefüllten Umschlag mit gefundenen Worten für ein gutes Zusammenleben schicken – wie schade, dass man sie nicht tatsächlich kaufen kann.

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