Boot gekentert : Kinder auf der Schlei in Seenot

Die „Walter Merz“ zieht die Jollen bis nach Haddeby.
Die „Walter Merz“ zieht die Jollen bis nach Haddeby.

Rettungsboot aus Schleswig nimmt auf der großen Breite sechs Jollen in Schlepp. Tücken des Reviers werden oft unterschätzt.

von
30. Juli 2015, 12:14 Uhr

Eine Hamburger Kindergruppe verdankt den glücklichen Ausgang ihrer Segelreise den freiwilligen Seenotrettern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) aus Schleswig. Der Segelverband aus 17 Kindern, drei Erwachsenen und sechs Jollen ist am Dienstag auf der Schlei bei zum Teil starkem Wind und hohen Wellen in Not geraten. Die Besatzung des Seenotrettungsbootes „Walter Merz“ brachte die Kindergruppe und ihre Boote sicher ans Ziel.

Zunächst sah es für die Seenotretter nach einem Routineeinsatz aus: Eine etwa fünf Meter lange Jolle war gegen 12.30 Uhr auf der Schlei zwischen Missunde und Borgwedel gekentert und konnte von den Kindern nicht wieder aufgerichtet werden. Sie waren mit ihrer Gruppe in sechs Booten von Schleimünde nach Haddeby unterwegs. Eines der übrigen Boote hatte die dreiköpfige Besatzung des Havaristen an Bord genommen und wartete am Unglücksort auf das Eintreffen der alarmierten Seenotretter. Währenddessen segelten die anderen Boote weiter Schlei aufwärts nach Borgwedel.

Als die „Walter Merz“ bei den Kindern eintraf, übernahmen die Seenotretter zunächst die drei Kinder und versorgten sie medizinisch. Anschließend richteten sie das gekenterte Boot auf und schleppten die beiden Jollen nach Borgwedel. Aufgrund der kabbeligen See und des starken westlichen Windes entschieden sich die Seenotretter, auch die 17 übrigen Segler an Bord zu nehmen und alle sechs Jollen nach Haddeby zu schleppen. „Die Kinder waren zum Teil sehr erschöpft“, teilt DGzRS-Sprecher Ralf Bauer mit.

„Die Schlei hat es in sich, die darf man keinesfalls unterschätzen“, sagt Paul Cugier, Vormann der in Schleswig stationierten „Walter Merz“. Vor allem die große Breite sei gerade für kleine Jollen tückisch, weil sich durch die Enge bei Schleimünde eine erhebliche Strömung entwickeln könne. Zum Unglückszeitpunkt hatte es aus westlicher Richtung mit Stärke fünf bis sechs gepustet. „Bei diesen ungünstigen Verhältnissen würde ich mich selbst nicht auf die Schlei begeben“, so der erfahrene Seenotretter.

Bei der Jugendgruppe handelt es sich um 11- bis 13-Jährige, die an einer Ferienfreizeit auf den Spuren der Wikinger von Maasholm bis Tönning unterwegs sind. Begleitet werden sie von erfahrenen Betreuern, sagte ein Sprecher des Veranstalters, des Freizeitheims und Segelzentrums Warwisch bei Hamburg. Nach dem Start in Borgwedel sei es auf der Großen Breite zum Kentern gekommen, als die Boote aus der Landabdeckung heraus gesegelt seien. Das Aufrichten des Bootes aus eigener Kraft wäre kritisch gewesen, weil man dann einen großen Teil der Ausrüstung, die unter dem Boot schwamm, hätte verlieren können. Daher habe man die DGzRS um Hilfe gebeten, betonte er. Eine Gefahr habe nicht bestanden, auch sei niemand zu Schaden gekommen. Daher habe die Gruppe noch gestern Abend ihre Tour mit den selbst entwickelten Jollen fortgesetzt.

Sie interessieren sich für die Arbeit der Seenotretter? Dann ist vielleicht auch unserer Multimedia-Reportage über die DGzRS auf Helgoland etwas für Sie. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen