JUgendanstalt Schleswig : Kicken für ein Leben nach der Haft

Vollen Einsatz zeigten die Strafgefangenen beim Fußball-Turnier in der Jugendanstalt am Königswiller Weg.
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Vollen Einsatz zeigten die Strafgefangenen beim Fußball-Turnier in der Jugendanstalt am Königswiller Weg.

Die Jugendanstalt verlängert ihren Vertrag für Resozialisierungsprojekt mit der Sepp-Herberger-Stiftung. Ewald Lienen macht Strafgefangenen Mut.

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01. Dezember 2017, 13:04 Uhr

Was die Schalke-Jungs da beim Derby gegen Borussia Dortmund am letzten Sonnabend an Willenskraft und Nervenstärke gezeigt haben, als sie einen 0:4-Rückstand noch in ein 4:4 verwandelten – etwas von dieser Einstellung möchte Ewald Lienen auch den Strafgefangenen in der Schleswiger Jugendanstalt vermitteln. „Damit sie für ihr Leben nach der Haft besser gerüstet sind und nicht gleich bei jeder Niederlage den Kopf in den Sand stecken“, sagte der Technische Direktor des FC St.Pauli gestern in der Sporthalle auf dem Anstaltsgelände, wo er von kickenden Häftlingen begeistert empfangen wurde.

Mit Ewald Lienen war auch DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg gekommen, ebenso wie Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Gemeinsam mit Anstaltsleiterin Anne Damberg verfolgten sie vom Spielfeldrand aus das Fußball-Turnier – nicht ohne hier und da fachmännische Verbesserungsvorschläge in den Raum zu werfen. An dem Turnier nahmen 15 Häftlinge teil sowie deren Betreuer, außerdem Jungs vom BBZ und von TuS Collegia Jübek. Eine weitere Turniermannschaft bestand aus Strafgefangenen aus Neustrelitz, die mit ihrer Entourage angereist waren.

Häftlinge und Fußballspielen: Darum geht es in dem Resozialisierungsprojekt für junge Strafgefangene der Sepp-Herberger-Stiftung des DFB. Das Motto: „Anstoß für ein neues Leben“. Seit drei Jahren werden in der Schleswiger Jugendanstalt im Rahmen dieser Initiative jugendliche Strafgefangene bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung nach ihrer Haftstrafe unterstützt. Kooperationspartner des Projekts sind neben Justizministerium und Schleswig-Holsteinischem Fußballverband auch die Agentur für Arbeit in Flensburg, das Berufsbildungszentrum (BBZ) sowie der Fachbereich Regionale Integration des Kreises Schleswig-Flensburg. Gestern nun wurde im Anschluss an das Turnier der Kooperationsvertrag noch einmal verlängert – bis Ende 2020. Vorerst, wie Sütterlin-Waack gleich anmerkte: „Denn bis dahin werden wir ganz sicher rechtzeitig weiter verlängern.“

Als Pate der Sepp-Herberger-Stiftung war vor drei Jahren Uwe Seeler persönlich in die Jugendanstalt gekommen. Seither ist das Projekt eine „echte Erfolgsgeschichte“, betont Anstaltsleiterin Anne Damberg gegenüber unserer Zeitung. „Fußball ist nun einmal der beliebteste Sport unter den Jugendlichen“, sagte sie, „deshalb tun wir alles, damit hier jeden Freitag mit Trainer Marcus Nahs gespielt werden kann.“

Vom Spirit, der vom Fußballspiel ausgeht, vom Teamgedanken, bis zum Immer-Wiederaufstehen nach einer Niederlage – all das spreche dafür, über diesen Sport fürs Leben zu lernen, meinte DFB-Vizepräsident Eugen Gehlenborg. Er ist Vorsitzender der Sepp-Herberger-Sitftung und hatte glänzende Pokale, T-Shirts mit DFB-Aufschrift und vor allem Fußbälle für jeden Turnierspieler mitgebracht. „Und ich hoffe“, sagte er, „dass ihr alle nach eurer Entlassung beim Sport bleibt.“

Strafgefangener Max (21), Torwart der Anstaltsmannschaft, hat sich genau das fest vorgenommen. „Ich bin zwar Dortmund-Fan und sehr treu, aber ich werde bald bei einem Kieler Fußballclub anheuern“, meint er. Wegen eines bewaffneten Raubüberfalls war er zweieinhalb Jahre inhaftiert, jetzt befindet er sich im offenen Vollzug. „Das ist toll, ich habe wieder ein Handy und freien Ausgang.“ Im Februar steht seine Entlassung an. Durch das regelmäßige Lauftraining in der Haftanstalt habe er sein Übergewicht stark abbauen können, habe Freude an einem gesünderen Lebensstil bekommen und durch das Fußballspielen gelernt, Vertrauen zu seinem Team aufbauen zu können. „Das möchte ich beibehalten – und nie wieder so träge und antriebslos werden wie vor meiner Haft“, sagte er.

Wenn ihm das gelingt, wäre bei Max das Ziel dieses Fußball-Projekts erreicht.

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