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Nach Anschlägen auf ihren AfD-Mann : Kerstin Hansen tritt als SPD-Kreissprecherin zurück

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Für die politisch ungewöhnliche Familie aus Langballig ist das Maß des Erträglichen erreicht. Unbekannte hatten das Auto beschädigt - mutmaßlich aus Wut über die rechtspopulistische Partei.

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erstellt am 09.Sep.2017 | 10:00 Uhr

Langballig | Auf den AfD-Kreisvorsitzenden Frank Hansen ist zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ein Farbanschlag verübt worden. Unbekannte beschmierten in der Nacht zu Freitag sein Haus in Langballig und den davor abgestellten Familienwagen. Diesmal wurden Wände und Autoscheiben nicht nur mit Farbpatronen beschossen, sondern teilweise auch mit Teer bespritzt, wie Hansens Ehefrau Kerstin den Schleswiger Nachrichten berichtete. Frank Hansen kandidiert für die AfD als Direktkandidat zur Bundestagswahl. Ende August hatten unbekannte Täter in Flensburg bereits die Scheiben des Ford Galaxy zertrümmert, als der Politiker gerade dabei war, Wahlplakate aufzuhängen.

Mehrere Scheiben des Ford Galaxy wurden zertrümmert. Der Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf 3000 Euro.
Mehrere Scheiben des Ford Galaxy wurden zertrümmert. Der Sachschaden beläuft sich nach ersten Schätzungen auf 3000 Euro. Foto: ksö
 

Für Kerstin Hansen ist das Maß des Erträglichen jetzt erreicht. „So geht Wahlkampf nicht“, sagt sie und zieht Konsequenzen für die eigene politische Arbeit. Sie habe mit sofortiger Wirkung ihr Amt als Pressesprecherin des SPD-Kreisverbandes niedergelegt. In dieser Funktion war sie zugleich Beisitzerin im Kreisvorstand. Die 45-Jährige beklagt fehlenden Rückhalt in der eigenen Partei, in der einige Genossen die ungewöhnliche politische Konstellation des Ehepaares Hansen von Anfang skeptisch gesehen haben.

Vor allem die Reaktionen der Parteifreunde auf die wiederholten Anschläge hätten sie enttäuscht, sagt Kerstin Hansen. „Ich hätte mir schon ein klares Statement von Birte Pauls oder Clemens Teschendorf gewünscht. Aber da kam nichts.“ Schließlich sei der beschädigte Van sogar auf ihren Namen zugelassen. Stattdessen höre sie aus den Reihen der SPD Sätze wie „Du hast doch selber Schuld“ oder „Lass dich endlich scheiden“.

Vom eigenen SPD-Ortsverband Langballig sei sie gebeten worden, als Vorsitzende weiterzumachen, sagte die gebürtige Bayerin. Aber darüber sei sie sich noch nicht im Klaren. Denkbar sei auch, dass sie der SPD ganz den Rücken kehre. Stattdessen könne sie sich vorstellen, sich zum Beispiel bei den Freien Wählern politisch einzubringen.

Die Landtagsabgeordnete und stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende Birte Pauls reagierte mit Unverständnis auf Kerstin Hansens Vorwürfe. „Ich verurteile jegliche Form von Gewalt. Aber dafür bin ich nicht verantwortlich“, erklärte sie. Grundsätzlich sei ihre Parteifreundin mit ihrer Rolle überfordert gewesen, findet Pauls. „Kerstin konnte nicht trennen zwischen Privatem und Ehrenamt.“

Die Polizeidirektion Flensburg erklärte auf Nachfrage, dass das für Staatsschutz zuständige Kommissariat 5 wegen der Farbanschläge auf Familie Hansen ermittelt. Die Täter vermute man in der linksautonomen Szene, sagte ein Sprecher.

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