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Aus der SN-Jugendredaktion : Keine Angst vor Rollstuhlfahrern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Unser Redaktions-Mitglied Tyll Reinisch war zu Besuch im Hamburger Volksparkstadion – und wundert sich über lasche Sicherheitskontrollen.

shz.de von
erstellt am 29.Jan.2016 | 07:51 Uhr

Das Hamburger Volksparkstadion ist ohne Zweifel eines der schönsten Stadien der Bundesliga. Entsprechend groß war auch die Vorfreude, als eben nicht nur diese wieder losging, sondern ich auch Karten für das Eröffnungsspiel der Hamburger gegen meinen Verein – den FC Bayern – hatte. Nach einer längeren Autofahrt und einer komplizierten Parkplatz-Suche kamen wir endlich zum Stadion. Doch um erst einmal hinein zu gelangen, muss man die Sicherheitskontrollen passieren und seine gültige Karte vorzeigen.

Doch leider ist der Begriff der Sicherheitskontrolle beim HSV etwas locker ausgelegt. Hatten wir noch am Vortag die Mail bekommen, doch wegen des in der Nebenhalle stattfindenden Eishockey-Spieles, der Witterungsbedingungen und zuletzt auch wegen der weiterhin andauernden, verschärften Sicherheitsmaßnahmen bitte etwas früher am Stadion zu sein, so wurden wir doch überrascht. Bereits in der Vergangenheit ist mir aufgefallen, dass insbesondere die Rollstuhlfahrer – für die ich hier auch nur sprechen kann – und deren Begleitpersonen meist nur grob abgetastet werden, die Rollstuhlfahrer selber meist gar nicht.

Als ich den HSV schriftlich auf diese Sicherheitslücke aufmerksam machte, versprach man mir, sich der Sache anzunehmen und in Zukunft auch dort strengere Kontrollen durchzuführen. Umso mehr verwunderte es mich also, als wir an diesem Freitagabend von fünf positionierten Mitarbeitern am Rollstuhlzugang ohne jegliche Kontrollen durchgewunken wurden. Immerhin bot man uns Decken an, die wir bei minus drei Grad auch gut gebrauchen konnten.

Aber trotzdem finde ich diese Sonderbehandlung nicht in Ordnung. Sollte man Menschen wegen eines „anderen Aussehens“ nicht kriminalisieren, so sollte man Menschen mit einer „anderen Fortbewegung“ doch nicht pauschal anti-kriminalisieren. Es kann doch genauso gut ein Rollstuhlfahrer oder dessen Begleitung ein Gewaltverbrecher oder ein Terrorist sein oder Pyrotechnik hineinschmuggeln.

Im Stadion angelangt, war es dann Vincent, meine Begleitperson, der auf das nächste Problem stieß. In Hamburg gibt es nämlich, anders wie in fast allen anderen Bundesligastadien, keine Sitzmöglichkeiten für Begleitpersonen. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt mehrere Stunden ohne Sitzmöglichkeit auszuharren, kann schon sehr hart sein, glaube ich. Denn ich konnte ja sitzen. Im Rollstuhl. Aber dann auch wieder nicht alles sehen. Die Rollstuhlplätze sind im Volksparkstadion nämlich nur leicht angehoben. Wenn aber der Block vor einem aufspringt, dann sieht man im Strafraum vor seiner eigenen Nase auf einmal nichts mehr. Und die Leute springen oft auf! Wegen Fangesängen, wegen Toren, wegen Zeitspiels, wegen Ecken, wegen gefährlicher Situationen, wegen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen… . Kurz gesagt: Immer dann, wenn es spannend ist, dann sieht man nichts. Schlussendlich gewann der FC Bayern mit 2:1. Erwartet, aber auch unspektakulär. Viel Rauch also um ein durchwachsenes Spiel!

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