zur Navigation springen

Vier Tage Programm auf vier Bühnen : Keine Angst vor fremden Dialekten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ab Himmelfahrt richtet die Schleswiger Speeldeel das Volkstheater-Festival „Wurzelwerk“ aus.

von
erstellt am 23.Mai.2017 | 12:00 Uhr

Langsam kommt Lutz Schnoor zur Ruhe. Seit gestern hat der Vorsitzende der Schleswiger Speeldeel Urlaub und kann sich ganz auf die große Aufgabe konzentrieren, vor der er und sein Verein stehen: Ab übermorgen ist Schleswig für vier Tage das Zentrum der deutschsprachigen Volkstheaterszene. Laienspielgruppen aus dem Rheinland und dem Saarland, aus Bayern und aus Südtirol kommen an die Schlei und präsentieren ihre aktuellen Stücke. Es ist die zweite Auflage des Volkstheater-Festivals „Wurzelwerk“, das vor zwei Jahren im Saarland seine Premiere hatte.

Die meisten organisatorischen Dinge haben Schnoor und seine Mitstreiter inzwischen erledigt – auch mit Unterstützung aus Berlin , wo der Veranstalter seinen Sitz hat, der Bund deutscher Amateurtheater. Programmhefte und Werbeaufsteller sind eingetroffen. Die Hotelzimmer für die Teilnehmer im Hohenzollern, in Ruhekrug und im Jübeker Hotel Goos sind ohnehin längst reserviert. Heute wird auf dem Hof vor „Uns lütt Theoter“ in der Friedrichstraße ein Zelt aufgebaut. Es wird für die rund 100 Beteiligten der Mittelpunkt des Festivalgeschehens sein – vom Frühstück bis zur After-Show-Party.

Das Einzige, was Lutz Schnoor jetzt noch ernsthaft Sorgen macht, ist der Kartenvorverkauf. „Das hätte besser laufen können“, gibt er zu. Tickets an der Abendkasse zu erhalten, dürfte an keinem Tag schwierig werden. Aus Gesprächen weiß Schnoor, dass viele potenzielle Besucher offenbar befürchten, sie würden den Theaterstücken nicht folgen können, wenn die Darsteller Bairisch oder Rheinisch reden. Dabei sei das gar nicht so schwierig. Schnoor selbst stand vor zwei Jahren im Saarland mit der plattdeutschen Speeldeel-Inszenierung „Bagger“ auf der Bühne. „Die Leute dort haben uns ganz gut verstanden. Man hört ja nicht nur die gesprochene Sprache, sondern man sieht auch, was gespielt wird – das hilft ungemein.“

Besonders schwierige Vokabeln sind zudem im Programmheft abgedruckt. Dort erfährt man, dass ein Franke, wenn er vom „Hollermöff“ spricht, einen grobschlächtigen Menschen meint und dass man zur Badewanne im Rheinland „Bütt“ sagt. Auch die wichtigsten plattdeutschen Begriffe aus der Speeldeel-Inszenierung „Hans Brüggemann“ (am Sonnabend im Dom) sind abgedruckt – von „damminomoll“ (alle Achtung) bis „Süßel“ (Arbeit).

Aber längst nicht alle Schauspieler werden Dialekt reden. Zum Beispiel nicht die syrischen Flüchtlinge, die in der saarländischen Theatergruppe „Morgen wird anders“ mitwirken und in ihrem Stück „Spuren“ erzählen, wie es sich anfühlt, in einer völlig fremden Welt anzukommen.

Alle beteiligten Ensembles sind vom Bund deutscher Amateurtheater gezielt eingeladen worden. An der Auswahl war Schnoor selbst beteiligt. „Wir wollen die ganze Vielfalt der Theaterszene zeigen“, sagt er. „Man sieht, dass das Mundarttheater viel mehr zu bieten hat als Schenkelklopfer-Komödien.“

Ministerpräsident Torsten Albig hat die Schirmherrschaft für das Festival übernommen. Er wird es jedoch nicht persönlich besuchen. Das habe aber nichts mit seiner Wahlniederlage zu tun, sondern habe von Anfang an festgestanden, versichert Schnoor.

Himmelfahrt, 25. Mai  20 Uhr: „Passion“, TIK Theater in der Kneipe (Oberfranken), Hotel Hohenzollern, Moltkestraße 41.

Freitag, 26. Mai  15 Uhr: „Spuren“, Theatergruppe „Morgen wird schöner“ (Saarland), Uns lütt Theoter, Friedrichstraße 60.

 20 Uhr: „Die drei Eisbären“, Neuburger Volkstheater (Bayern), Slesvighus, Lollfuß 89

Sonnabend, 27. Mai   9.30 Uhr: Jugendtheater „Junge Lüüd Löwenstedt (Nordfriesland) und „Kleene Schnute“ (Nordrhein-Westfalen), Uns lütt Theoter, Friedrichstraße 60

 15 Uhr: „Herr, ich hab die nicht verraten“, Peppe Mairginter (Südtirol), Uns lütt Theoter, Friedrichstraße 60

 19.30 Uhr: „Hans Brüggemann“, Schleswiger Speeldeel, St.-Petri-Dom.

Sonntag, 28. Mai 10 Uhr: Podiumsdiskussion „Was bedeutet Volkstheater heute?“, Uns lütt Theoter, Friedrichstraße 60

Der Eintritt zu den Vorstellungen kostet 10 Euro (Jugendtheater 8 Euro). Vorverkauf unter Tel. 04621/9775576 oder  E-Mail an karten@schleswiger-speeldeel.de. Der Eintritt zur Podiumsdiskussion ist frei.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen