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Aus dem Schleswiger Amtsgericht : Kein Schnaps in der Krankenhausküche

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf der Suche nach Alkohol bricht ein 49-jähriger Mann in die Helios-Küche ein – vor Gericht erscheint er in Handschellen und bestens gelaunt.

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erstellt am 01.Apr.2016 | 08:13 Uhr

Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einem fröhlichen „Moinsen“ in Richtung von Richterin Anna Gansel – und in Handschellen. Der 49-Jährige mit grauem Zopf und gepiercten Augenbrauen wurde direkt aus dem Gefängnis vorgeführt. Von den letzten 20 Jahren hat er fast die Hälfte hinter Gittern verbracht. Sein Vorstrafenregister umfasst 19 Verurteilungen. Kaum war er wieder auf freiem Fuß, brach er wieder irgendwo in ein Haus ein.

So war es auch im Juni 2014. Damals lebte er in einer Wohneinrichtung im Norden von Schleswig. Er hatte zwei Gramm Heroin geraucht und eine Flasche Wodka geleert. „Es war ein Rückfall“, sagte er nun. Eigentlich sei er zu dem Zeitpunkt losgekommen von den Drogen. Dann aber telefonierte er mit seiner Ex-Frau in Wolfsburg und erfuhr, dass sie für den gemeinsamen Sohn das alleinige Sorgerecht beantragt habe.

Als die Wodkaflasche leer war, wollte er Nachschub besorgen. Es war schon nach Mitternacht. Die Esso-Tankstelle an der St. Jürgener Straße war geschlossen. „Ich lege gern ein Geständnis ab, aber ich kann mich nur sehr verschwommen erinnern“, sagte der Mann vor Gericht. Er überquerte die Straße und ging über das Gelände der Helios-Klinik am Stadtfeld. Das Büro der Krankenhausküche erschien ihm vielversprechend. Er schlug ein Fenster ein und stieg ein. Eine Anwohnerin hörte den Lärm und rief die Polizei. Als die Beamten wenig später eintrafen, ließ der Einbrecher sich widerstandslos festnehmen. In den Schränken und Schubladen der Küche hatte er keinen Alkohol gefunden.

Zunächst kam er wieder auf freien Fuß. Nach seinen eigenen Schilderungen kam er dann – nicht zum ersten Mal – los von seiner Sucht, lernte eine neue Lebensgefährtin kennen, mit der er in eine gemeinsame Wohnung zog, und fand Arbeit bei einer Eventagentur. Dann aber wurde er wegen früherer Einbrüche in Wolfsburg und Plön zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt, die er jetzt absitzt.

Die Schleswiger Richterin verurteilte ihn nun zu vier Monaten Haft – und setzte die Strafe zur Bewährung aus. Den Argumenten von Verteidiger Sönke Husfeld, der in der Tat eine „Lappalie“ sah, zumal ja gar nichts gestohlen worden sei, wollte sie zwar nicht folgen, sah aber dennoch Chancen, dass der Angeklagte sein Leben in den Griff bekommt, wenn er aus dem Gefängnis entlassen wird. Er hat sich bereits um eine stationäre Therapie in Bredstedt bemüht und möchte eine Umschulung zum Koch machen.

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