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Schleswiger Nachrichten

20. September 2017 | 15:06 Uhr

Schleswig : Kein Platz für Angler

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wer einen Berechtigungsschein hat, darf in der Schlei Fische fangen – aber in Schleswig ist es an den meisten Plätzen verboten.

von
erstellt am 02.Apr.2014 | 17:51 Uhr

Schleswig | Würde Peter Schmidt heute seine Angelrute auswerfen, die Heringe würden reihenweise anbeißen. Im Frühjahr schwimmen sie in großen Schwärmen die Schlei hinauf. Doch dass die Saison für Hobby-Angler erst am 1. Mai beginnt, damit hat sich der 61-Jährige längst abgefunden. So lange dauert die Schonzeit, in der nur die Berufsfischer vom Holm ihre Netze auswerfen dürfen. Eine Sache aber wurmte ihn richtig, als er sich jetzt im Rathaus den Schlei-Angelschein abholte. Auf der Seite mit den Vorschriften, die er zu beachten hat, fand er einen Hinweis, der dort in den vergangenen Jahren nicht stand: „Zusätzliches Angelverbot: Stadthafen Schleswig“.

Schmidt ist wegen einer Kinderlähmung auf den Rollstuhl angewiesen. „Andere Leute gehen ins Schilf, das kann ich nicht“, sagt er. Von der Mole aus oder von den Stegen des Stadthafen hatte er dagegen nie ein Problem. „Natürlich nicht im Sommer, wenn die Touristen hier sind, dann ist es ja keine Entspannung mehr.“ Zudem habe er stets darauf geachtet, die Segler nicht zu behindern und andere Boote auch nicht. Ganz am Rand des Hafens, am Ende des Stegs in Richtung Holm, das sei ein schöner Platz gewesen. Manchmal biss ein Barsch an, manchmal ein Brassen. „Viel fängt man hier nicht“, sagt Schmidt. Aber darauf komme es ihm auch gar nicht an. „Wenn es mir um die Menge ginge, wäre es sinnvoller, von den 25 Euro für den Angelschein im Laden Fisch zu kaufen.“

Warum genau er nun nicht mehr am Stadthafen angeln darf, das war nicht ganz leicht herauszufinden. Bei den Stadtwerken, die den Hafen betreiben, erfuhr er, das Verbot sei nichts Neues und es bestehe aus Sicherheitsgründen. Das mag Schmidt nicht glauben. Davon habe bisher nie etwas im Berechtigungsschein gestanden. „Es gab auch noch nie Probleme, und ich war nicht der einzige, der am Hafen geangelt hat.“

Herbert Schwanen, Betreiber eines Angelgeschäftes in der Michaelisstraße, erinnert sich etwas genauer an den Hintergrund des Verbots. Vor zwei Jahren, sagt er auf SN-Nachfrage, sei es verhängt worden. „Es gab Leute, die haben ihre Fänge einfach zurückgelassen.“ So wurden die Möwen angelockt, und das wurde zu einem Problem unter anderem für die Gastronomie am Hafen.

Peter Schmidt sucht nun nach einem neuen Plätzchen für sich und seine Angel. Das ist nicht ganz leicht, denn in seinem Angelschein sind noch eine Reihe weiterer Verbote aufgeführt: die Gegend um den Wikingturm, die Promenade an der Schleistraße und der Bereich der Bootsschuppen am Luisenbad. Von den Königswiesen aus dürfte man theoretisch angeln. Aber dort wächst Schilf. Das ist nicht nur ein Problem für Schmidts Rollstuhl, der Schilfgürtel ist auch aus Gründen des Umweltschutzes für Angler eigentlich tabu.

Östlich vom Hafen kommen eingezäunte Privatgrundstücke. Erst auf der Freiheit ist die Schlei wieder öffentlich zugänglich. Beim Team Vivendi hat er bereits nachgefragt, dort ist er willkommen. Ob das auch für die Promenade am Regattaplatz gilt, ist unklar. Sie gehört der Stadt Schleswig. Rathaus-Pressesprecherin Antje Wendt kann dazu „derzeit noch keine verbindliche Auskunft geben“. Die Verwaltung möchte die Frage Ende Juni im Rahmen der „Schleibereisung“ mit den Holmer Fischern klären.

Peter Schmidt wird jetzt wohl auf die Betonflächen auf der Freiheit fahren, wenn die Saison für Hobbyangler eröffnet ist. Die begehrten Schlei-Heringe sind dann längst weg. Wer sie fangen möchte, muss sich in Arnis einen Angelschein besorgen, denn dort gibt es keine Schonzeit, aber das ist eine andere Geschichte.

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