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Schleswiger Nachrichten

17. August 2017 | 01:32 Uhr

Schleswig : Kein März ohne Hering

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Beginn der Fangsaison lockt viele Feinschmecker an. Der Holmer Fischer Jörn Ross klagt über zu viele Kormorane an der Schlei.

Es ist verflixt. „Am Montag habe ich noch eine Tonne gefangen, einen Tag später keine 50 Kilogramm. Das habe ich so auch noch nicht erlebt“, wundert sich Jörn Ross. So oder so steht aber fest: Für ihn und die anderen Holmer Fischer ist, pünktlich zum März-Anfang, die Heringssaison in der Schlei losgegangen.

Darauf haben auch viele Schleswiger gewartet. Und so wird es in diesen Tagen voll am Stadthafen, wenn Jörn Ross und seine Frau Sabine dort festmachen und den frischen Fang verkaufen. Seit inzwischen 35 Jahren ist das zum festen Ritual geworden. Und so kommen in erster Linie Stammkunden täglich zwischen 9 und 11 Uhr an die Hafenkante, um sich hier fürs Mittagessen zu Hause einzudecken. „Das ist doch das Beste, was es gibt. Frischer geht’s nicht. Zumal es hier in Schleswig ja keinen richtigen Fischladen mehr gibt“, sagt Andrea Gringmuth, die sich schon seit Wochen auf die Heringssaison gefreut hat. „Ich brate sie mir am liebsten in Roggenmehl. Herrlich“, verrät sie. Ähnlich ins Schwärmen gerät Peter Heide, wenn er über den Schleihering spricht. Und als ehemaliger Besitzer und Koch des „Schaalby Krog“ wisse er schließlich, was gut ist. Egal ob sauer, blank, eingelegt oder gebraten: „Jetzt wo er da ist, isst man Hering. Ganz einfach“, sagt er.

Dass viele seiner Kunden genau so denken, weiß Jörn Ross aus langjähriger Erfahrung. „Erdbeeren schmecken ja auch im Sommer am besten, wenn sie frisch sind. Da können die aus der Dose oder dem Tiefkühlfach nicht mithalten“, sagt er. Deswegen rufen jetzt nicht nur die Chefs der Restaurants aus der Region an, um frischen Hering bei ihm zu bestellen. Auch Ralf Haarig von der Fischräucherei Fedde aus Rendsburg kommt nun regelmäßig mit seinem Transporter an den Stadthafen, um sich mit frischer Ware einzudecken. „Die Leute wollen immer mehr regionale Produkte, das merkt man eindeutig. Und Schleihering gehört auf jeden Fall dazu. Der wird gut nachgefragt“, sagt Haarig, der schon seit 20 Jahren Fisch bei Ross kauft.

Der Fischer hingegen registriert, zumindest bei den Privatkunden, in den letzten Jahren einen Rückgang bei der Nachfrage. Zwar würden immer mehr Segler und Wohnmobilisten bei ihm Fisch kaufen. Insgesamt aber sei der Trend rückläufig. „Die Alten kommen gerne und kaufen den frischen Fisch, um ihn zu Hause selbst zuzubereiten. Die jüngeren Generationen greifen aber offenbar lieber zur viereckigen Variante aus dem Kühlregal“, glaubt er. Dabei ist sein frisches Produkt, das er meist direkt in der inneren Schlei vor den Toren Schleswigs fängt, gar nicht teuer: Geschlachtet kostet das Kilo Hering drei Euro, ungeschlachtet (also als ganzer Fisch) 1,50 Euro.

Ob die Heringssaison 2015 am Ende eine gute sein wird, wisse er derweil natürlich noch nicht genau. Sein Gefühl sage ihm aber, dass es „eher schwierig“ wird, meint Ross. „Dieser unregelmäßige Saisonanlauf ist schon auffällig. In der Ostsee haben meine Kollegen bislang deutlich weniger Schwärme geortet als sonst“, sagt er. Gleichzeitig sieht Ross auch in der weiter hohen Kormoran-Population an der Schlei einen Grund dafür, warum die Netze an manchen Tagen fast leer bleiben. „Zwischen Schleswig und Missunde wandern zurzeit etwa 4500 bis 5000 Kormorane hin und her. Und da wo sie gerade sind, hinterlassen sie halt verbrannt Erde“, sagt Ross, der vorrechnet, dass jeder der Vögel im Schnitt etwa ein Kilogramm Hering pro Tag frisst. „Das übt offenbar Druck aus auf die Fische. Die Heringe kommen heute nur noch rein in die Schlei, laichen ab und verschwinden wieder ganz schnell“, erzählt er.

Bis Ende April dauert in der Regel die Heringssaison in der Schlei. Wenn die Wassertemperatur etwa 13 Grad übersteigt, ziehen sich die Fische in die kältere Ostsee zurück.

 

 

 

 

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erstellt am 11.Mär.2015 | 07:02 Uhr

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