zur Navigation springen

Aus dem Schleswiger Amtsgericht : Kein Glück mit gefälschten Edel-Sneakern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein 22-jähriger Schleswiger will in den Handel mit gefälschten „Yeezy Boosts“ von Adidas einsteigen – stellt sich aber nicht sehr geschickt an.

Die beiden jungen Männer erschienen in weißen Turnschuhen mit dem Nike-Logo. Ob diese Schuhe echt waren oder gefälscht, war nicht Gegenstand des Verfahrens. Es ging um Adidas-Sneaker – und zwar um richtig edle Sammlerstücke, die für Preise von mehr als 1000 Euro gehandelt werden. Die beiden 22-jährigen Schleswiger hatten die so genannten „Yeezy Boosts“, als dessen Designer der US-Rapper Kanye West auftritt, im Internet für 60 Euro angeboten. „Bei dem Preis weiß doch jeder 14-Jährige, dass das keine echten Yeezys sein können“, sagte der Hauptangeklagte. Deshalb sei er sich keiner Schuld bewusst gewesen. So operierte er auch nicht gerade vorsichtig. Anfangs behauptete er zwar, er hätte die Schuhe nur unter Freunden und Bekannten abgegeben. Später räumte er aber ein, dass er sie auch in der Facebook-Gruppe „Schwarzmarkt Kiel“ angepriesen hat. („Das ist eine ganz normale Kleinanzeigen-Seite“, sagte er, „die heißt nur Schwarzmarkt, weil der Mann, der die Gruppe gegründet hat, ein Herr Schwarz ist“.)

Der Angeklagte hatten die gefälschten Schuhe auf einem großen Flohmarkt in Gelsenkirchen-Schalke entdeckt, als er bei seiner Schwester zu Besuch war. Er kaufte einige Exemplare für 38 Euro pro Paar. Eine Woche später kehrte er noch einmal ins Ruhrgebiet zurück, um Nachschub zu besorgen. Insgesamt kaufte er 80 Paar Schuhe. In Schleswig gelang es ihm, davon rund 50 Paar weiterzuverkaufen. Etwa zehn verschenkte er an Freunde und Verwandte. 20 Paar lagerten noch in seiner Wohnung, als Wochen später die Polizei vor der Tür stand. Er sei aus allen Wolken gefallen, als er die Beamten sah, sagte der junge Mann. „Ich hatte mir zwar gedacht, dass Adidas von mir Schadenersatz verlangen kann, aber ich wusste nicht, dass so etwas strafbar ist“, erklärte er, schließlich habe ja auch der Flohmarkthändler in Schalke die Schuhe ganz offen angeboten.

Das bekannte Sprichwort „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ gilt aus juristischer Sicht zwar nicht in jedem Fall. Hier aber wäre es für den Angeklagten ohne Weiteres möglich gewesen zu erkennen, dass er etwas Verbotenes tut, meinte die Staatsanwaltschaft. So sah es auch Richter Florian Müller-Gabriel. „Ich habe arge Bedenken, ob Sie sich der Strafbarkeit wirklich nicht bewusst waren“, sagte er in seiner Urteilsbegründung. Wegen Verstoßes gegen das Markengesetz verhängte er eine Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen zu je zehn Euro, also insgesamt 450 Euro. Viel Geld für den Angeklagten, der derzeit von Essensgutscheinen leben muss, weil das Sozialzentrum ihm wegen Pflichtverletzungen das Hartz-IV-Geld gesperrt hat. Mit seinem Versuch, die falschen Adidas-Sneaker zu verkaufen, hatte er auch nicht viel verdient, wie sein Verteidiger Markus Chillcott vorrechnete. Allein die Fahrtkosten nach Gelsenkirchen hätten den erhofften Gewinn schon aufgefressen. Außerdem lief das Geschäft anscheinend nicht so gut wie erhofft. „Es gibt zu viele von den Schuhen“, meinte der Angeklagte. „Inzwischen hat in Schleswig-Holstein jeder Zweite welche.“

Das Verfahren gegen den zweiten Angeklagten wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Apr.2017 | 17:49 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen