Schleswig : Kein Ferienspaß für Behinderte?

Kinder mit und ohne Behinderung: Kein Ferienspaß in Schleswig?
Kinder mit und ohne Behinderung: Kein Ferienspaß in Schleswig?

Nur 13 von 69 Angeboten im Programmheft ohne Teilnahme-Beschränkung. Stadt kündigt an, Angaben im nächsten Jahr zu überarbeiten.

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11. Juli 2015, 12:00 Uhr

„Ich schnappe noch immer nach Luft“, sagt Bea von Falkenhausen aus Langstedt. Sie war zutiefst schockiert, als sie das Ferienspaß-Programmheft der Stadt Schleswig durchblätterte. Gleich auf den ersten Seiten stieß sie auf den Überblick über alle Angebote – vom Kegeln übers Luftyoga bis zum steinzeitlichen Bogenschießen. Über der rechten Spalte der Tabelle las sie: „Geeignet für Behinderte“.

Das allein empfand die 51-Jährige, die selbst beruflich mit Sehbehinderten arbeitet, als diskriminierend. Dann zählte sie durch und stellte fest: Nur hinter 13 der 69 Veranstaltungen steht in dieser Spalte ein „ja“. Alle anderen Angebote sind laut Programmheft für behinderte Kinder nicht oder nur bedingt geeignet.

„Ein Schlag ins Gesicht eines jeden Kindes, das von einer Behinderung betroffen ist“, findet Bea von Falkenhausen und fragt, warum Kinder, die im Rollstuhl sitzen, eine Hör- oder Sehbehinderung oder Diabetes haben, grundsätzlich von der Mehrzahl der Veranstaltungen ausgeschlossen sind.

So weit gefasst möchte man den Begriff „Behinderte“ im Rathaus indes gar nicht verstehen. „Behinderung ist ein weites Feld“, sagt Stadt-Sprecherin Antje Wendt, die selbst an der Gestaltung des Programms beteiligt war. „Primär wurde hauptsächlich an Rollstuhlfahrer gedacht“, erklärt sie. In diesem Sinne frage die Stadtverwaltung bei allen Veranstaltern nach, ob ihre Angebote für Kinder mit schweren körperlichen Behinderungen geeignet sind. Bisher habe es noch nie Beschwerden deswegen gegeben. Sie rät den Betroffenen, sich von dem Hinweis, eine Veranstaltung sei nicht oder nur bedingt geeignet, nicht sofort abschrecken zu lassen, sondern im Zweifelsfall Kontakt mit dem Veranstalter aufzunehmen und sich nach den Möglichkeiten zu erkundigen.

Bea von Falkenhausen wünscht sich mehr Sensibilität und empfiehlt der Stadt eine Formulierung, die sich im Ferienspaß-Programm der Gemeinde Tarp gefunden hat: „Kein Kind sollte von der Teilnahme ausgeschlossen werden. Eltern, deren Kinder auf Hilfsmittel angewiesen sind, werden gebeten, vor Anmeldung mit dem Anbieter Verbindung aufzunehmen. Kinder und Jugendliche mit Handicap können mit einer Begleitperson an den Aktivitäten teilnehmen.“

Einen solchen Hinweis findet Antje Wendt „ausgezeichnet“. Sie kündigt an, ihn für das Schleswiger Ferienspaß-Programm 2016 zu übernehmen. Indes bleibt es die Aufgabe der Vereine und Institutionen, die die einzelnen Angebote vorbereiten, darüber nachzudenken, ob sie ihre Aktionen behindertengerecht gestalten können. Bisher gehen die Anbieter damit sehr unterschiedlich um. So sind zum Beispiel die Reittage auf dem Fahrdorfer Hof Alt-Bremland für Behinderte geeignet, der Hunde-Führerschein im Jugendzentrum ist es nicht.

- Hier das komplette Ferienspaß-Programm der Stadt Schleswig


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