Schleswig : Kein Extra-Geld für Bauamts-Leiterinnen

Wirbel um Doppelspitze des Fachbereichs: Ratsversammlung lehnt Aufstockung der Arbeitszeit mit knapper Mehrheit ab.

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15. Juli 2015, 07:11 Uhr

Diese Diskussion hatte es in sich. Denn als die Ratsversammlung am Montagabend darüber entscheiden sollte, ob das Stundenkontingent der beiden Bauamtsleiterinnen Manja Havenstein und Britta Gutknecht aufgestockt werden soll, prallten zwei Welten aufeinander. Eine Erhöhung von 0,2 Stellen bis Ende des Jahres stand im Raum. Insbesondere Bürgermeister Arthur Christiansen hatte sich dafür stark gemacht. Am Ende vergebens. Denn die knappe Mehrheit der Politiker lehnte den von ihm eingereichten Antrag ab.

Bereits im Finanzausschuss Mitte Juni hatte das Thema für Diskussionen gesorgt. Ursprünglich hatte Christiansen damals dafür plädiert, die Stellen der beiden Bauamtsleiterinnen von je 50 auf 60 Prozent zu erhöhen. Als Grund nannte er „zusätzlichen Abstimmungsbedarf“, „hohes Arbeitsaufkommen“ und die „notwendige gleichzeitige Anwesenheit beider Damen bei wichtigen Terminen“. Da dies bei den Ausschussmitgliedern nur auf wenig Verständnis stieß, schlug der Bürgermeister am Ende vor, die Stundenzahl nur einmalig bis Ende dieses Jahres aufzustocken. Ein Kompromiss, auf den sich SPD und Grüne einlassen wollten. Die CDU jedoch erbat sich Bedenkzeit.

Gestern nun stellte deren Ratsfrau Steffanie Hildebrandt, gleichzeitig Finanzausschussvorsitzende, das Ergebnis dieser Beratungen unmissverständlich vor: „Die CDU lehnt den Antrag ab. Uns wurde damals gesagt, dass diese Stelle teilbar ist. Also müssen die Damen ihre Abstimmungsprobleme selber lösen.“

Zum Hintergrund: Anfang des Jahres hatten Politik und Verwaltung gemeinsam beschlossen, im Bauamt eine Doppelspitze zu installieren. Grund dafür war die Rückkehr von Manja Havenstein (37), die das Amt bis Mitte 2012 geleitet hatte, danach aber in Elternzeit ging. Sie wollte nun, mit Blick auf ihr junges Kind, keine volle Stelle besetzen. Also stellte man ihr die 41-jährige Britta Gutknecht, ebenfalls junge Mutter, zur Seite. „Schon damals war uns allen bei dieser Entscheidung nicht wohl. Dass wir jetzt über eine Erhöhung der Stundenzahl für die beiden abstimmen, ist ein Eingeständnis dafür, dass es nicht funktioniert mit dieser Doppelspitze“, sagte nun CDU-Fraktionsvorsitzender Holger Ley – und bekam dabei unerwartete Unterstützung.

Denn SPD-Ratsherr Sönke Büschenfeld schlug sich auf die Seite der Christdemokraten: „Ich bin ein kategorischer Gegner davon, dass Führungspositionen geteilt werden. Das bedeutet immer einen erhöhten Abstimmungsbedarf. Und das kostet Geld.“ Zudem betrachte er eine Erhöhung der Arbeitsstunden, die die Stadt rund 8000 Euro gekostet hätte, als „fatales Signal“ nach außen. „Als ehemaliger Beamter weiß ich, wie etwa bei der Polizei ständig mehr Stellen gestrichen werden.“

Babette Tewes von den Grünen wollte „den beiden Damen etwas Zeit geben, sich besser einzuarbeiten“. Zudem betonte sie – mit Blick auf die beiden jungen Mütter – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, „die doch immer wieder gefordert wird“. Auch Klaus Bosholm von der SPD argumentierte in diese Richtung: „Man muss gut ausgebildeten Frauen die Möglichkeit geben, beides unter einen Hut zu bekommen.“ Bürgermeister Christiansen hingegen versuchte fachliche Argumente für seinen Antrag vorzubringen. 2015 sei ein besonders arbeitsintensives Jahr für das Bauamt, in dem viele Weichen für große Projekte in der Stadt gestellt würden. „Wenn diese Dinge bereits in der Vergangenheit geregelt worden wären, müssten wir gar nicht diskutieren. Jetzt aber muss nun einmal aufgeräumt werden.“ Am Ende konnte er die Mehrheit der Ratsversammlung nicht überzeugen. Christiansens Antrag wurde mit zwölf zu elf Stimmen bei einer Enthaltung (Jürgen Lorenzen; SPD) abgelehnt.

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