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Vor Sondersitzung des Schulausschusses : Kaum Chancen für CDU-Antrag

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Andere Ratsfraktionen sprechen sich gegen Aufweichung der Kapazitätsgrenze an der Domschule aus.

Die Anspannung bei den betroffenen Eltern wächst: Was wird aus ihren Kindern – den 26 Fünftklässlern, die zur Domschule gehen möchten, aber nicht dürfen? Der Schulausschuss stimmt darüber in seiner Sondersitzung am Mittwoch um 16 Uhr im Rathaus ab. Es geht um den CDU-Antrag, der allen an der Domschule angemeldeten Fünftklässlern den Schulbesuch ermöglichen soll. Wie berichtet, hatten sich im März insgesamt 142 Sextaner angemeldet, aber nur 116 dürfen wegen der von der Stadt festgelegten Kapazitätsgrenzen aufgenommen werden, so dass 26 Kinder per Losentscheid quasi aussortiert wurden. Aber schon vor der Ausschusssitzung zeigt sich nun: der CDU-Antrag dürfte kaum Aussicht auf Erfolg haben. Die Signale von SPD, SSW und den Grünen sind eindeutig.

So spricht sich SPD-Vorsitzender Stephan Dose weiterhin kategorisch gegen die Aufweichung der Kapazitätsgrenzen aus. „Die Domschule ist auch wegen ihrer begrenzt zur Verfügung stehenden Fachräume auf Vierzügigkeit ausgelegt, und der CDU-Antrag ist nichts weiter als Populismus“, erklärt er gegenüber den SN. Harry Heide vom SSW sieht es ebenfalls so: „Wir finden, dass es bei der jetzigen Regelung bleiben sollte, da sie ja auch von allen Schleswiger Schulen gemeinsam festgelegt wurde.“ Dorothee Tams von den Grünen sagt auf SN-Nachfrage: „Ich werde ganz klar gegen den CDU-Antrag stimmen, obwohl ich verstehen kann, dass Eltern sich G9 für ihre Kinder wünschen. Aber in Schleswig haben wir alle Angebote. Würde die Vierzügigkeit an der Domschule aufgeweicht werden, ginge dies zu Lasten der Lornsenschule und ebenso der Gemeinschaftsschulen.“

Da der Schulausschuss sich aus drei CDU-, drei SPD-, zwei SSW- und einem Grünen-Vertreter zusammensetzt, lässt sich unschwer ausrechnen, dass der Antrag kaum Chancen hat. CDU- Fraktions-Chef Holger Ley zeigte sich gegenüber den SN am Freitagabend über diese Entwicklung „sehr enttäuscht“. Zumal er im Vorfeld bei Gesprächen mit den anderen Fraktionen den Eindruck gehabt habe, dass sie „durchaus Sympathien für unseren Antrag hatten“. Er vermutet, dass die „Küstenkoalition“ in Kiel auf die Schleswiger Kommunalpolitik Einfluss genommen habe, weil der CDU-Antrag gegen die Prinzipien der Kieler Schulpolitik gerichtet sei, in der G8 den Vorzug haben solle. Nachvollziehbare Gründe gegen den Antrag könne er jedenfalls nicht erkennen. Ziel müsse doch sein, allen Kindern zur gesetzlich garantierten freien Schulwahl zu verhelfen. Auch die von den Antragsgegnern ins Feld geführten Raumprobleme an Dom- und Lornenschule entsprechen nach Leys Darstellung nicht den tatsächlichen Gegebenheiten: „Es sind genug Räume an der Domschule vorhanden, an der Lornsenschule sowieso – und dann gibt es noch die Loz-Räume in der ehemaligen Pestalozzischule, die genauso von der Domschule genutzt werden könnten“. Allerdings hat die Stadt für dieses Gebäude offenbar andere Pläne. Wie Rathaus-Sprecherin Antje Wendt sagt, will man künftig das Loz außerschulisch nutzen. Nähere Informationen dazu sollen im Schulausschuss mitgeteilt werden. Unabhängig davon hat Ley eine Raumaufstellung für beide Gymnasien von der Stadt angefordert.

Nach jetzigem Stand steht die CDU also komplett allein da mit ihrem Ansinnen, den 26 abgewiesenen Fünftklässlern doch noch zur Schule ihrer Wahl zu verhelfen. Auch Bürgermeister Arthur Christiansen ist dagegen. Er bezeichnet den Vorschlag der CDU gegenüber den SN als „nicht konstruktiv und schädlich für Schleswig“. Seine Begründung: „Trotz des politischen Streits auf Landesebene um G8 und G9 ist es in Schleswig dank der gemeinsamen Bildungslenkungsgruppe gelungen, den Schulfrieden zu sichern.“ Damit werde die Gleichwertigkeit aller Bildungseinrichtungen in der Stadt gesichert und ein ruinöser Wettbewerb der Schulen untereinander verhindert.

Da auch betroffene Eltern der abgelehnten Schüler ankündigen, dass sie am Mittwoch ins Rathaus kommen wollen, um ihre Argumente vorzutragen und außerdem noch eine Aussprache vor der Abstimmung stattfinden wird, will Holger Ley die Hoffnung auf eine Lösung nicht gänzlich fallen lassen. „Ich hoffe auf die Einsicht aller Ausschussmitglieder im Interesse der Eltern und Kinder“, sagt er und verweist darauf, dass auch im vergangenen Jahr abgewiesene Domschüler, deren Eltern Widerspruch eingelegt hatten, schließlich doch noch aufgenommen werden konnten. So wollen unter anderem Anja und Dirk Asmussen aus Fahrdorf, die sich gemeinsam mit anderen Eltern dafür einsetzen, dass ihre Kinder doch noch an der Domschule aufgenommen werden, noch nicht klein beigeben. „So wie andere Eltern davon überzeugt sind, dass das Sportprofil oder G8-Modell an der Lornsenschule für ihre Kinder das richtige ist, sind wir davon überzeugt, dass der neunjährige Weg an der Domschule für unsere Tochter richtig ist. Sie hat sich beide Gymnasien angeschaut und ist begeistert von der Domschule, nicht zuletzt von dem Musical- und Theaterangebot dort.“


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erstellt am 11.Apr.2016 | 07:19 Uhr

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