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Schleswig : Kauft die Stadt das „Heimat“-Konzept?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mario Hoff soll sein Varietéprogramm auf der Freiheit als Chef einer städtischen Veranstaltungs-Gesellschaft fortsetzen.

von
erstellt am 08.Mär.2016 | 07:56 Uhr

Kurz vor Weihnachten war das Geschäft besiegelt: Die Stadt Schleswig – beziehungsweise ihre Kommunalbetriebe – kaufen das Gebäude der „Heimat“ auf der Freiheit. Kostenpunkt: eine Million Euro. Alle Ratsfraktionen stimmten zu. Mario Hoff, der Varieté-Veranstalter in der „Heimat“, hatte sich diese Lösung ohnehin dringend gewünscht, seitdem klar war, dass der bisherige Eigentümer Team Vivendi, der ihm die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, das Haus nicht mehr länger würde halten können. Generalintendant Peter Grisebach bliebt zwar skeptisch, ob sich das frühere Bundeswehr-Mannschaftsheim als Spielstätte für sein Landestheater eignet, war aber letztlich froh, dass die Stadt nach jahrelangem Ringen endlich eine Entscheidung getroffen hatte.

Dennoch bleiben viele Fragen offen. In dieser Woche trifft sich zum ersten Mal ein „Lenkungskreis“ im Rathaus. In dieser Runde besprechen die Vorsitzenden der Ratsfraktionen, die Ausschussvorsitzenden, Bürgermeister Arthur Christiansen, sein Fachbereichsleiter Bernd Sachau und Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoofs das weitere Vorgehen. Es soll schon um die ersten Aufträge für die Bauarbeiten gehen, die erforderlich sind, um das Gebäude für die Anforderungen des Landestheaters herzurichten. Aber es geht auch um die Organisationsstruktur.

Wahrscheinlich wird eine neue GmbH unter dem Dach des Stadtwerke-Verbunds gegründet, die den Betrieb in dem Veranstaltungshaus organisiert. Vorstellbar wäre, dass Mario Hoff und das Landestheater das Gebäude beide als Mieter nutzen. Im Rathaus favorisiert man aber offenbar ein anderes Modell: Hoff soll als Geschäftsführer der neuen GmbH angestellt werden, wäre also der Hausherr und das Landestheater sein Mieter.

Zusätzlich zu Geschäftsführer-Gehalt und Erfolgsprovision soll er nach SN-Informationen von der Stadt (beziehungsweise den Kommunalbetrieben) 150  000 Euro erhalten – für sein „Konzept“. Hoff selbst möchte sich dazu nicht äußern. Er verweist auf die laufenden Vertragsverhandlungen. Mit allen Beteiligten sei „konstruktive Vertraulichkeit vereinbart“. Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs möchte die in Rede stehende Summe ebenfalls nicht bestätigen. Er sagt aber: „Mario Hoff hat in den vergangenen Jahren ein Konzept entwickelt, und dieses Konzept hat einen gewissen Wert.“

Hoff hatte 2013 angefangen, Comedy- und Musikveranstaltungen in dem alten Mannschaftsheim zu veranstalten. Er gab dem Haus den Namen „Heimat“ und setzte auf ein deutlich massentauglicheres Programm als der Verein „Cultura Vivendi“, der das Gebäude bis dahin bespielt hatte. Hoff knüpfte mit seinem Programm mit Gästen wie Fips Asmussen oder Mary Roos an das Konzept an, das er zuvor als Leiter des städtischen Jugendzentrums entwickelt und auch zur Landesgartenschau umgesetzt hatte. Schon bis 2009 hatte er zahlreiche bekannte Comedians ins Jugendzentrum geholt. Als die Stadtverwaltung im Jugendzentrum andere Schwerpunkte setzen wollte, wechselte Hoff als Leiter in den städtischen Kindergarten am Moorkatenweg. Seine Aktivitäten als Comedy-Veranstalter setzte er privat fort – zunächst unter dem Titel „Hofnarr“ im Hotel Hohenzollern und nun seit drei Jahren auf der Freiheit. Als Kindergartenleiter ist er seither freigestellt.

Ob und zu welchem Preis die Stadt ihrem beurlaubten Mitarbeiter das Konzept nun abkauft, ist noch offen. Einige Kommunalpolitiker und auch Bürgermeister Arthur Christiansen wollten sich zu dem Thema auf Nachfrage gestern gar nicht äußern. Der Hauptausschuss-Vorsitzende und CDU-Fraktionschef Holger Ley wollte zwar über den Preis nicht reden, machte aber deutlich, dass auch er es für sinnvoll hält, für das Konzept zu bezahlen, um die „Heimat“ in Schleswig zu halten. Schließlich habe Hoff in der Vergangenheit auch mit dem Gedanken gespielt, sein Konzept in eine andere Stadt zu verkaufen. In diesem Jahr läuft das Programm auf jeden Fall wie geplant weiter, und auch für 2017 hat Hoff schon Termine gebucht.

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