zur Navigation springen

Tierheim : Katzen aus Schaalby und Neuberend dürfen nicht nach Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wer in Neuberend oder Schaalby ein herrenloses Haustier findet, darf es nicht im Schleswiger Tierheim abgeben, sondern nur in Flensburg. Grund ist eine Vereinbarung, die das Amt Südangeln abgeschlossen hat.

von
erstellt am 21.Aug.2014 | 17:15 Uhr

Als Simone Thomsen vor ein paar Tagen zu Hause in Schaalby eine einsame junge Katze fand, war für sie völlig klar, was sie zu tun hatte: Sie nahm das Tier an sich und fuhr ins Tierheim. Bis zum Ratsteich in Schleswig brauchte sie sieben Minuten.

Dann die große Überraschung: Die Mitarbeiterinnen weigerten sich, die Katze anzunehmen. „Sie sagten, für Schaalby sind sie nicht zuständig“, berichtet Simone Thomsen fassungslos. Stattdessen wurde sie nach Flensburg geschickt. 35 Kilometer. Mehr als eine halbe Autostunde entfernt von Schaalby.

„So etwas erleben wir mehrmals pro Woche“, sagt Yvonne Wiegers-von Wegner, die Vorsitzende des Schleswiger Tierschutzvereins, der das Tierheim betreibt. „Wir finden das selber auch grotesk.“ Die Schuld sieht sie aber nicht im Tierheim, sondern im Amt Südangeln, zu dem auch die Gemeinde Schaalby gehört. Das Amt nämlich ist dafür zuständig, Fundtiere unterzubringen. Alle anderen Ämter in der Region haben dazu – ebenso wie die Stadt Schleswig – einen Vertrag mit dem Schleswiger Tierheim geschlossen. Wer in Schuby oder Treia, Fahrdorf, Selk, Kropp oder Börm, Brekendorf oder Owschlag eine Katze findet, ist am Ratsteich an der richtigen Stelle.

Nur das Amt Südangeln macht nicht mit. „Wir haben uns aus Kostengründen für eine Zusammenarbeit mit dem Tierheim in Flensburg entschieden“, bestätigt Amtsdirektor Heiko Albert. Das ist inzwischen schon vier Jahre her. Im Amtsausschuss, in dem Vertreter aller Südangelner Gemeinden sitzen, sei das seinerzeit völlig unstrittig gewesen. Viele Bürger wie Simone Thomsen haben sich daran noch immer nicht gewöhnt, doch Albert ist sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. An das Tierheim in der Flensburger Westerallee überweist das Amt pauschal 90 Euro für jedes aufgenommene Tier aus Südangeln. Das Schleswiger Tierheim sei deutlich teurer, so Albert.

Wiegers-von Wegner möchte zu den Kosten, die ihr Haus berechnet, keine Angaben machen. Im Schleswiger Rathaus jedoch gibt man Auskunft: Die Stadt zahlt pro Tag im Tierheim für jede gefundene Katze sieben Euro, und zwar für höchstens vier Wochen. Von dem Geld werden neben Unterbringung und Futter unter anderem auch die Tierarztkosten bezahlt. Bleibt eine Katze über den gesamten Zeitraum im Heim, berechnet das Schleswiger Tierheim insgesamt 196 Euro, also mehr als doppelt so viel, wie das Amt Südangeln in Flensburg zahlt. Kann das Tierheim jedoch eine Katze schon vor dieser Zeit vermitteln oder kehrt sie zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurück, sind die Kosten für die Stadt entsprechend niedriger. Im vergangenen Jahr zahlte die Stadt für Fundtiere rund 15 000 Euro.

Die Höhe dieser Kosten ist auch in der Schleswiger Kommunalpolitik schon einmal Thema gewesen. Als der Tierschutzverein eine deutliche Erhöhung seiner Pauschalen durchsetzen wollte, lehnte der Finanzausschuss das ab und beauftragte die Verwaltung, sich nach Alternativen umzusehen. Dazu kam es jedoch nicht. Stattdessen einigten sich die Stadt Schleswig und die Ämter Haddeby, Arensharde, Kropp-Stapelholm und Hütten auf die jetzt gültigen Tagessätze.

Nur das Amt Südangeln hat seither einen Vertrag mit dem Flensburger Heim. Obwohl Amtsdirektor Albert von guten Erfahrungen spricht, wollen die anderen Ämter dem Beispiel nicht folgen. „Wir sehen zum Schleswiger Tierheim keine Alternative“, sagt zum Beispiel Ralf Lausen, leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Arensharde. „Flensburg ist viel zu weit weg.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen