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Schleswiger Nachrichten

22. Oktober 2017 | 18:32 Uhr

Schleswig : Katerstimmung beim Musikclub

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf der Jubiläumsfeier spricht der Vorstand des Musikclibs von der bevorstehenden Auflösung des Vereins. Der Jazzherbst fällt in diesem Jahr aus.

von
erstellt am 12.Okt.2015 | 16:41 Uhr

Die Gäste rechneten mit einem fröhlichen Vormittag. Der stellvertretende Kreispräsident Holger Groteguth (SPD) hatte eine Rede vorbereitet, in der er betonte, wie unverzichtbar der Schleswiger Musikclub (SMC) sei. Das Duo „Susan feel good“ spielte eingängige Popsongs.

Doch schon nach der ersten Rede auf der Matinee zum 30-jährigen Bestehen des SMC war klar: Dies sollte keine Jubiläumsfeier wie jede andere werden. Die stellvertretende Vereinsvorsitzende Inke Asmussen las vor, was der Gründer und Ehrenvorsitzende Wulf Schady, der sich für die Feier aus gesundheitlichen Gründen entschuldigen ließ, aufgeschrieben hatte. Seine Worte hatten es in sich: „Nach meiner Einschätzung ist der Zeitpunkt nahe, an dem die Auflösung des Vereins ernsthaft erwogen werden muss.“ 22 Jahre lang, bis 2007, hatte der frühere Leiter der Dannewerk-Grundschule den Verein geführt. Schwierigkeiten hätten sich schon während der Endphase seiner eigenen Tätigkeit gezeigt, hieß es in Schadys Rede, die er bereits am Donnerstag im kleinen Kreis vorgetragen hatte. „Frühere Sponsoren wenden sich leider größeren Veranstaltungen zu.“ Schady deutete an, was Insidern längst bekannt war, nämlich dass er nicht mit allen Entscheidungen seines Nachfolgers Carsten Arndt einverstanden gewesen ist.

Die Zukunft des Musikclubs aber, die sehen Schady und Arndt offenbar sehr ähnlich. „Der Jazzherbst 2014 endete desaströs“, sagte Arndt in seiner Festansprache. „Wir hatten so wenige Besucher, dass wir ernsthaft überlegen müssen, wie es weitergeht.“ Was dieser Satz bedeutet, das sprach der Vorsitzende nicht offen aus, es war lediglich am Rande der Veranstaltung zu erfahren: Den Jazzherbst – über viele Jahre der Höhepunkt im Jahresprogramm des Musikclubs, wird es nicht mehr geben. Nicht in diesem Jahr und wohl auch nicht im nächsten. „Ich bin kein Mensch, der irgendwo hingeht und sagt: Gib mir Tausende von Euros für eine Veranstaltung, die keiner will“, sagte Arndt, der im Hauptberuf zusammen mit seiner Frau Tanja die Musikschule in der Alten Post betreibt. Dort hatte er bereits vor einigen Monaten die Konzertreihe auf der „Kulturbühne Alte Post“ wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Dennoch werde es im kommenden Jahr wieder drei Riverboat-Shuffles auf der „Wappen von Schleswig“ geben. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob der Verein das Jahr 2017 erleben wird.“ Arndts Vorgänger Peter Dernehl, SMC-Chef von 2009 bis 2014, erinnerte daran, dass der Verein bereits existenzbedrohende Krisen überstanden habe. Kurzfristig mussten er und Vorstandskollege Christoph Gosch privat vierstellige Beträge vorschießen, um eine Pleite abzuwenden. „Zum Glück haben wir das Geld zurückbekommen.“

Nicht nur Holger Groteguth, auch Stadtrat Otmar Petersen (SSW) sowie der Kreis-Kulturausschuss-Vorsitzende Karsten Stühmer (SPD) sprachen dem Verein Mut zu und betonten seine große Bedeutung für das kulturelle Leben in Stadt und Land. Wulf Schady indes hatte in seiner Rede hoffnungsvolle Töne angeschlagen. Er glaube, dass es auch in Zukunft Musikveranstaltungen geben werde. Nur der SMC als Veranstalter habe sich womöglich überlebt.

 

 

 

 

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