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Schleswig : Kater zehn Tage ohne Wasser und Futter eingesperrt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In einem Friedrichsberger Keller findet der Hausmeister einen hilflosen Kater. „Es ist ein Wunder, dass der Kater überhaupt noch lebte“, sagt Tierschützerin Yvonne Wiegers.

Es war ein Schock für Hausmeister Thomas Rath, als er einen Kellerraum in einem Mehrfamilienhaus im Friedrichsberger Flattenberg betrat: Auf dem Boden lag ein völlig verstörter Kater, der mit letzter Kraft einen Schrei ausstieß, als die Tür sich öffnete. Vorher war nichts zu hören gewesen von ihm. Der Raum war völlig leer. Der Kater hatte weder Wasser noch Futter.

Die Frau, zu deren Wohnung der Kellerraum gehörte, war zehn Tage zuvor ausgezogen. So lange, vermutet Rath, muss der Kater im Keller eingesperrt gewesen sein. Der Hausmeister holte sofort ein Schälchen Wasser und verständigte dann Yvonne Wiegers. Die Vorsitzende des Schleswiger Tierschutzvereins kannte die Adresse schon. Als die Besitzerin des Katers auszog, hatte sie ihren Rottweiler an Bekannte abgegeben, die ihn ins Tierheim brachten und dabei berichteten, dass in der Wohnung auch Katzen lebten. Der Hausmeister hatte daraufhin in der Wohnung nachgesehen, aber kein Tier angetroffen.

„Es ist ein Wunder, dass der Kater überhaupt noch lebte“, sagt Wiegers. „Als ich in den Keller kam, lag er still in einer Ecke, als hätte er sich zum Sterben hingelegt.“ Normalerweise würden Katzen nur vier Tage ohne Nahrung aushalten. Dass der Kater, den die Tierheim-Mitarbeiter inzwischen auf den Namen „Sam“ getauft haben, länger durchgehalten hat, ist für sie ein Zeichen dafür, dass er schon vorher unterernährt war. „Der Körper stellt sich dann darauf ein, mit weniger auszukommen.“

Die Besitzerin – eine Mutter von sechs Kindern – war mit ihren Tieren offenbar völlig überfordert. Die verlassene Wohnung, sagt Rath, habe sich in einem erbärmlichen Zustand befunden – mit Urinresten an den Wänden.

„Sam“ hat sich nach vier Tagen im Tierheim erstaunlich schnell erholt. Wiegers war mit ihm sofort zur Tierärztin gefahren, wo er eine Elektrolyt-Lösung bekam. Danach wurde er stündlich mit ganz kleinen Portionen gefüttert. Er ist noch etwas schreckhaft, ansonsten aber wieder fit. Die Mitarbeiter im Tierheim haben ihn als absolut umgängliches und pflegeleichtes Tier kennengelernt. „Wir können ihn jetzt an einen neuen Besitzer vermitteln“, sagt Tierheim-Leiterin Maylin Teubler. Sie schätzt das Alter des Katers auf sieben Jahre.

Yvonne Wiegers ist immer wieder mit Fällen konfrontiert, in denen Menschen mit ihrem Leben überfordert sind und darunter auch ihre Tiere leiden. Immer wieder kommt es vor, dass sie in Wohnungen gerufen wird, in der sie ein Tier nur noch tot antrifft. Nicht selten leben auch Kinder in diesen Familien; Wiegers verständigt dann das Jugendamt.

Der Fall von „Sam“ hat sie dennoch besonders erschüttert. „Ein Tier einfach einzusperren und verhungern zu lassen, das ist eine Straftat“, sagt sie. Sie ging noch gestern zur Polizei und erstattete Strafanzeige.

Hausmeister Rath treibt unterdessen noch eine andere Sorge um: Er hatte schon in der Vergangenheit regelmäßig eine Katze bei der Frau gesehen, die jetzt aus der Wohnung ausgezogen ist. Aber die war nicht getigert wie „Sam“, sondern schwarz-weiß gescheckt. „Ich weiß nicht, wo diese Katze abgeblieben ist.“ Er hat auch die anderen Kellerräume in dem Wohnblock abgesucht, aber nichts gefunden.

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erstellt am 22.Mär.2016 | 07:10 Uhr

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