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Nachwuchs-Talent aus Silberstedt : Kart-Fahrer Daniel Pauls: Immer die Pole-Position im Blick

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Daniel Pauls (8) sitzt seit fünf Jahren im Kart und ist schon zweifacher Deutscher Vizemeister.

Silberstedt | „Der Junge ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt David Pauls stolz über seinen Sohn Daniel. Der Achtjährige aus Silberstedt hat ein besonderes Talent: Seit seinem dritten Lebensjahr saust er mit seinem Kart über die Rennstrecken und genießt es, enge Kurven und mit hoher Geschwindigkeit über 100 Stundenkilometer zu fahren – mit dem Gespür eines Formel-1-Piloten. Sein taktischer Fahrstil ist seinen Eltern Wanda und David schon früh aufgefallen, als er im zarten Alter von zwei Jahren auf einem Indoor-Spielplatz mit einem Elektroauto jedes Hindernis umfahren hat, während die anderen Kleinkinder stets kollidierten. Und sie wollten das Talent ihres Sohnes fördern. „Zum dritten Geburtstag haben wir ihm einen eigenen Kart geschenkt“, erinnert sich David Pauls. Denn Daniel war fasziniert von den schnellen Fahrzeugen. Der Bambini-Kart musste jedoch erst umgebaut werden, denn Daniel war dafür noch zu klein.

David Pauls war beeindruckt von der Entwicklung des kleinen Rennpiloten, der Bestzeiten fuhr. „Er hat sich viel von anderen Fahrern abgeguckt und versucht, das umzusetzen“, erzählt der Silberstedter, der regelmäßig mit seinem Sohn in Dänemark trainiert. „Am Anfang waren wir auf der Kartbahn in Schleswig, aber da muss man immer sehr lange warten, bis man fahren kann“, sagt er. Doch nur beim Training sollte es nicht bleiben, denn der Grundschüler wollte auch an Rennen teilnehmen. Vor zwei Jahren ist die Familie mit Daniel und seinen Brüdern Michael (13) und Benjamin (7) deshalb in den Sommerferien mit dem Wohnmobil zu den bekanntesten Rennstrecken in Deutschland, Italien und Belgien gefahren, damit Daniel dort schon einmal üben konnte. „Im Norden gibt es nicht viele Strecken, die meisten sind in den südlichen Bundesländern.“

In diesem Jahr wurde es dann ernst: Daniel nahm an 15 Rennen teil, die in ganz Deutschland ausgetragen wurden. Dafür verbrachten Vater und Sohn viel Zeit auf der Autobahn. Die kürzeste Strecke zu einem Wettkampf war 400 Kilometer lang, oft saßen die beiden aber auch 950 Kilometer im Auto. So ging es zur WAKC (Westdeutscher ADAC Kart-Cup) und zum ADAC Kart-Cup – einer Vier-Regionalserien-Meisterschaft. Die Silberstedter haben unter allen Teilnehmern immer die längste Strecke zurückgelegt und sind ohne Training angekommen. Manchmal musste Daniel, der auf die Grundschule in Treia geht, im Unterricht fehlen. Dann hat er den Stoff vorgearbeitet. „Wir sind immer am Freitag angereist, denn am Sonnabend begann die Vorbereitung“, erklärt David Pauls.

Am Renntag ging es mit dem Qualifying los, bevor ein bis drei Wettkämpfe ausgetragen wurden. Daniel sei oft nervös gewesen, so der Vater. Doch er habe sich immer sehr gut geschlagen und die Konkurrenz oft hinter sich gelassen. Bei drei Meisterschaften sei er zweimal Vizemeister geworden und habe einmal den dritten Platz belegt. „Das ist der Wahnsinn“, sagt David Pauls beeindruckt und strahlt. Er kann es immer noch nicht glauben, was Daniel in seinem Alter leistet.

Die Frage, ob er ein Vorbild hat, beantwortet Daniel schnell: „Nico Rosberg“. Der sei immer freundlich in Interviews, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Das habe ihm bei Sebastian Vettel, seinem früheren Idol, nicht gefallen. Sein Vater habe ihm stets eingeprägt, dass man auch zu schlechten Ergebnissen stehen müsse.

Daniels Traum ist es, in der Formel 4 zu starten. Doch David Pauls weiß nicht, ob er seinem Sprössling den Wunsch erfüllen kann. Der Kartsport ist sehr kostspielig. „Für den aktuellen Kart und die Ausrüstung habe ich 10  000 Euro bezahlt“, erklärt David Pauls. Allein der Helm koste schon 2000 Euro. Hinzu kommen die Ausgaben für die Rennen. Um Daniel zu unterstützen, hat die Familie ihr Wohnmobil verkauft. Auch Michael und Benjamin müssen zurückstehen, damit ihr Bruder seinen Sport ausüben kann. „Wir haben das mit ihnen besprochen und sie haben Verständnis dafür“, erzählt David Pauls. Neidisch sind sie nicht. Benjamin habe vor einem Rennen zu seinem älteren Bruder gesagt: „Wenn du keinen Pokal mitbringst, lassen wir dich nicht rein.“

Im nächsten Jahr möchte David Pauls mit seinem Sohn 19 Rennen fahren. Dafür habe er nochmal alles „Geld zusammengekratzt“. Was 2018 passiert, weiß er nicht. Sicher ist aber: „Wenn ich keinen Sponsoren finde, wird es schwer, Daniel weiter starten zu lassen.“ Da Kartfahren kein Breitensport ist, sei es schwer, Sponsoren zu begeistern. An der Leistung seines Sohnes kann es jedenfalls nicht liegen. Der ehrgeizige Achtjährige möchte auch im nächsten Jahr wieder vorne mitfahren.

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erstellt am 17.Dez.2016 | 12:00 Uhr

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