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Amtsgericht Schleswig : Kappelner verführt 13-Jährigen im Netz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Kappelner schickte einem Jungen ein Sexvideo und Bilder auf Facebook: Der 23-Jährige erhält eine Bewährungsstrafe und muss sich psychologisch behandeln lassen.

shz.de von
erstellt am 13.Aug.2014 | 00:00 Uhr

Es ist ein Horrorszenario, vor dem alle Eltern Angst haben: Ein Erwachsener nimmt übers Internet heimlich Kontakt zu einem Kind auf – allein aus dem Grund, sich sexuell zu befriedigen. Ein 23-jähriger Kappelner musste sich deshalb nun vor dem Schleswiger Amtsgericht verantworten. Ergebnis: drei Monate und zwei Wochen Haftstrafe auf Bewährung, 1000 Euro Geldstrafe zugunsten des Hamburger Vereins Dunkelziffer, der sich um sexuell missbrauchte Kinder kümmert, sowie die Auflage, sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen.

Es war im Juni 2013, als der damals noch 22-jährige Fleischergeselle in einem Schwulen-Forum im sozialen Internet-Netzwerk Facebook, wie er vor Gericht erklärte, auf den Teenager aufmerksam wurde. Daraufhin habe er ihn angeschrieben, wohl wissend, dass es sich um einen 13-Jährigen handelte. „Ich habe in dem Moment nicht weiter nachgedacht. Dann kam eines zum anderen, einfach aus der Laune heraus. Irgendwann war der Verstand ganz ausgeschaltet. Aber ich wollte dem Jungen nicht schaden“, sagte der Angeklagte, der im Verlauf der Verhandlung ein detailliertes Geständnis abgab.

Laut Chat-Protokoll, das Richter Morten Alpes vorlas, waren die beiden bereits kurz nach der Kontaktaufnahme auf sexuelle Themen zu sprechen gekommen. Im Anschluss tauschten sie Fotos von ihren Penissen aus, am Ende machte der 22-Jährige ein Video davon, wie er sich selbst befriedigte, und schickte es dem Jungen zu. „Schade, dass du so weit weg wohnst“, schrieb der Angeklagte schließlich an den Teenager, der im südlichen Nordrhein-Westfalen zu Hause ist, mit Blick auf ein mögliches Treffen.

Das jedoch blieb aus, ebenso wie weiterer Kontakt zwischen den beiden. „Das war eine einmalige Sache. Ich war neugierig, wie weit er mitgeht“, beschrieb der Kappelner, der laut eigener Aussage bisexuell ist, seine Motivation. Eigentlich würde er „gar nicht auf Jüngere stehen“, fügte er an. Um aber für die Zukunft ähnliche Aktionen auszuschließen, befürworte er – auch aus freien Stücken – eine Therapie bei einem Sexualpsychologen. „Ich will Klarheit, will wissen, wie ich dagegen angehen kann, sollte es noch einmal zu so einer Situation kommen. Es tut mir leid, was ich gemacht habe“, sagte er.

Richter Alpes belehrte den jungen Mann, der in Kappeln bei seiner Mutter lebt und bislang nicht vorbestraft war, dass sich das 13-jährige Opfer „in einer Lebensphase befindet, in der man sexuell noch längst nicht ausgereift ist“. Bilder, wie die, die ihm der Angeklagte zugeschickt hatte, bekomme man in dem Alter sicher nur schwer aus dem Kopf. Entsprechend sei der Junge, dessen Mutter einen sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich abgelehnt hatte, weiterhin in psychologischer Behandlung.

 

 

 

 

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