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Schleswiger Nachrichten

21. August 2017 | 10:56 Uhr

Jörl : Kanuverleih ist Knochenarbeit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Teil 5 unserer Serie: Familie Doms betreibt seit 18 Jahren in Jörl eine Kanuvermietung. Der eigene Sommerurlaub findet im Herbst statt.

Eigentlich war Heidi Doms auf der Suche nach einem Halbtagsjob. Mit den zwei kleinen Kindern und ihrem Mann Heino, der als Feuerwehrmann bei der Bundeswehr 24-Stunden-Schichten schob, war ihr Beruf als Zahnarzthelferin nicht zu vereinbaren. Durch Zufall erfuhr sie davon, dass Christian Winkel seinen Kanuverleih abgeben, die Paddel buchstäblich an den Nagel hängen wollte. „Er hatte nicht mehr so richtig Lust dazu und wollte sich mehr der Kolonisten- und Familienforschung widmen“, erzählt Heino Doms, „ich habe gleich gesagt, dass wir das übernehmen möchten.“ Und so geschah es, dass die Heidi und Heino Doms vor 18 Jahren 40 Kanus übernahmen.

Wer heute an den Kanueinstiegstellen der Treene vorbeikommt und wem die Kanutrailer auffallen, die im Binnenland emsig herumfahren, dem ist klar, dass es dabei nicht geblieben ist. Inzwischen nennt der Kanuverleih 100 Boote sein eigen. Dazu kommen noch wasserdichte Tonnen und urige Holzhütten für Übernachtungsgäste bei Bauer Jensen in Hünning (Silberstedt): „Und natürlich haben wir für jeden Sitzplatz eine Schwimmweste – sogar für Babys“, betont der Kanuverleiher.

Sicherheit und Umweltschutz stehen ganz oben auf der Liste. Vor jeder Kanufahrt werden die Gäste eingewiesen und bekommen Verhaltensregeln mit auf den Weg. Sie reichen von der richtigen Handhabung der Paddel über Tipps, wie man sich unter Büschen am besten duckt – ohne zu kentern – und schließen auch wichtige Hinweise zum schonenden Umgang mit der Natur ein: „Wir weisen zum Beispiel auf die ‚Gelbe Welle’ hin. Das sind Hinweisschilder des Deutschen Tourismusverbandes, die den Kanuten Anlegestelle ausweisen, an denen sie herzlich willkommen sind“, erklärt Heino Doms, „einfach irgendwo am Ufer zu rasten, stört Flora und Fauna.“

Im Laufe der Jahre haben die Doms ihr Angebot immer weiter ausgebaut und sich fortgebildet: „Um auch geführte Touren anbieten zu können, habe ich den Kanutouristiker aufgesattelt“, erzählt Heino Doms, „und meine Frau hat den Personenbeförderungsschein gemacht, damit wir unsere Kunden auch wieder zu ihren Fahrzeugen an der Einstiegsstelle bringen können.“ Zudem ist Heidi Doms vor allem die freundliche Stimme am Telefon, die Buchungen entgegennimmt, organisiert und Routen empfiehlt – man kann sich denken, dass aus dem Halbtagsjob nichts geworden ist.

Während die Kanuten stromabwärts die Treene erkunden, die Zivilisation hinter sich lassen, die Ruhe genießen, oder in der großen Gruppen viel Spaß haben, heißt es für Familie Doms anpacken. Die Kanus werden an die gebuchten Einstiegstellen gebracht, später an den Ausstiegen wieder eingesammelt. Nicht immer finden sie die Boote, wie vereinbart, auf den bereitgestellten Trailern vor, sondern müssen sie selbst aufladen. Wer schon mal ein Wanderkanu getragen hat, weiß, wie schwer es ist – Knochenarbeit.

Spätestens um 18 Uhr sollen alle Paddler an ihrem Ziel angekommen sein, damit der Fluss zur Ruhe kommen kann. Für die Kanuverleiher ist der Abend dann noch nicht vorbei. Die Kanus werden eingesammelt, Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen. So geht es den ganzen Sommer: „Bei so einem Wetter wie in diesem Jahr ist es natürlich schön, aber wir hatten auch schon Hochwasser und nichts ging mehr“, erinnert sich Heidi Doms. Wer geht schon bei Schietwetter paddeln? Ob die Kinder Bodil und Malte einmal den Kanuverleih übernehmen? Das steht noch in den Sternen: „Es kommt, wie es kommen soll“, glaubt Bodil Doms. Vorerst ist aber sowieso nicht daran zu denken, denn Heidi und Heino Doms denken noch gar nicht ans Aufhören. Viel zu viel Spaß macht ihnen der Umgang mit den Menschen, über die sie Bücher schreiben könnten: „Wir freuen uns auf jeden Kunden und haben hier schon alles erlebt“, sagt Heidi Doms und schmunzelt, „Hochzeiten, 60ste Geburtstage, Schulklassen, die skurrilsten Typen und es passieren immer wieder die gleichen Missgeschicke. Verlorene Uhren, Brillen und Schlüssel. Dabei sagen wir immer vorher, dass man Brillenbänder verwenden soll und alles, was wichtig ist, in die wasserdichte Tonne gehört.“

Im Oktober neigt sich die Kanusaison ihrem Ende. Das bedeutet allerdings nicht, dass Familie Doms die Hände in den Schoß legt: „Es gibt viel zu tun. Die Boote werden repariert, Schwimmwesten gewaschen und genäht und in Haus und Garten bleibt den Sommer über auch viel liegen, was nun gemacht werden muss“, zählt Heidi Doms auf. Und ihre Tochter ergänzt gleich: „Und wir nehmen uns dann Zeit für die Familie, frühstücken mal wieder sonntags gemeinsam.“ Nach einem langen Kanusommer ohne Sonn- und Feiertage steht im Herbst der nachgeholte Sommerurlaub an und der Spieß wird umgedreht: „Dann sind wir es, die Urlaub machen, wo andere leben!“


>Die Kanuvermietung Doms betreut im Verlauf der Treene verschiedene Ein- und Ausstiege. Je nach Lust und Kondition können verschieden lange Touren gebucht werden, von der Kurzstrecke bis zur Fünf-Tage-Tour. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.kanu-doms.de.


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