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Schleswiger Nachrichten

26. September 2017 | 11:26 Uhr

Jübek Open Air : Kampf um das Traditions-Festival

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vor einem Jahr meldeten die Veranstalter des Festivals Insolvenz an. Dennoch laufen zurzeit Verhandlungen mit Bands.

von
erstellt am 04.Jun.2015 | 12:57 Uhr

Wenn es nach Martin Purwin und Marco Sohr geht, wird es noch in diesem Jahr ein Jübek Open Air geben – und das, obwohl die Veranstaltergesellschaft schon vor einem Jahr Insolvenz angemeldet hat. Die Homepage des traditionsreichen Rockfestivals im ehemaligen Sandbahnstadion ist veraltet. Der letzte Eintrag datiert vom 17. August 2014. Gut eine Woche, nachdem das Jübek Open Air wegen Sturms aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste, begründen die Veranstalter ihren Schritt und erklären, dass ihre GmbH Insolvenz angemeldet hat.

Seitdem kämpfen Martin Purwin und Marco Sohr, die beiden letzten Mitglieder der GmbH, um das Überleben des Festivals – und um ihr Geld. „Der Abbruch der Veranstaltung im vergangenen Jahr hat uns 150  000 Euro privates Geld gekostet , ich selbst bin mit 130  000 dabei“, sagt Purwin. Gegen ein erzwungenes Ende der Veranstaltung hatte sich die GmbH damals nicht versichert – die rund 30  000 Euro Prämie habe man damals nicht aufbringen wollen und können“, sagte Purwin nach dem Desaster. Schon gezahlte Gagen für die Künstler und viele andere Ausgaben standen plötzlich den fehlenden Eintrittsgeldern gegenüber – bei der Jübek Open Air GmbH ging nichts mehr.

Viel weiter sind Martin Purwin und Marco Sohr immer noch nicht. In dem Verfahren der Plan-Insolvenz dürfen sie zwar über die Zukunft ihrer Gesellschaft mitbestimmen – das letzte Wort aber hat immer der Insolvenzverwalter, in diesem Fall eine Anwaltskanzlei aus Kiel. Die soll im besten Fall dafür sorgen, dass die Gesellschaft überlebt und die Gläubiger ihr Geld zurückbekommen. Allerdings: Risikogeschäfte darf sie von Rechts wegen nicht zulassen. „Und jedes Festival ist nun mal ein Risiko“, sagt Purwin.

Purwin und Sohr haben lange darüber nachgedacht, wie sie aus diesem Dilemma herauskommen. Klar war für sie allerdings, dass das Jübek Open Air weitergeführt werden muss. „Da steckt eine tolle Tradition dahinter, eine große Marke mit immer noch ganz viel Potenzial“, sagt Purwin, „und schließlich haben wir auch in den letzten sechs Jahren ständig steigende Qualität geboten.“

Den beiden Veranstaltern geht es jetzt darum, wieder ein Festival auf die Beine zu stellen, um die Schulden zu zahlen. Auftakt war ein Osterfeuer mit „Illegal 2001“: Die Band spielte kostenlos vor 3000 Zuhörern, der Eintritt war frei – und der Erlös aus dem Verkauf von Bratwurst und Getränken, floss in die Kasse der insolventen GmbH.

Um aber realistische Chancen zu haben, die Gläubiger bedienen zu können, da sind sich zumindest Purwin und Sohr einig, muss wieder ein Festival her. Und Purwin ist sich sicher, dass daraus etwas wird. „Es wird in diesem Jahr noch ein Jübek Open Air geben“, verspricht er optimistisch. Wann das allerdings sein wird, mit welchen Band und über wie viele Tage – das steht in den Sternen.

Der Plan sieht vor, dass als Veranstalter die Lübecker Konzertagentur von Martin Purwin auftritt, die von der Insolvenz nicht betroffen ist. Sollte die Veranstaltung profitabel sein, und darauf setzen die Organisatoren, soll der Überschuss der notleidenden Gesellschaft zugute kommen.

Dass die Aufgabe nicht leicht wird, daran lässt Purwin keinen Zweifel – zumal er auf das noch in der GmbH vorhandene Geld keinen Zugriff hat. Dennoch führt er bereits Gespräche mit Bands, die mithelfen sollen, das Jübek Open Air zu retten. Und da sich die Veranstaltung wirtschaftlich zumindest selbst tragen muss, ist sie auf Partner und Sponsoren angewiesen. „Die dürfen sich gern bei mir melden“, so Purwin.

Ob die anfangs ruhmreiche Geschichte des Jübek Open Air mit Top-Musikern wie Bob Geldof, Carlos Santana, Jethro Tull, Bryan Adams, Joe Cocker und vielen anderen eine Zukunft hat, wird sich spätestens in den nächsten Monaten zeigen.

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