Kampf um das Herz des Barockgartens

So sieht sie aus, eine Buchsbaumpflanze, vom Pilz dahingerafft.
1 von 2
So sieht sie aus, eine Buchsbaumpflanze, vom Pilz dahingerafft.

Ein aggressiver Pilz zerstört weiterhin die Buchsbaumhecken, die das Bild der Parkanlage oberhalb von Schloss Gottorf prägen

Avatar_shz von
26. Juli 2013, 10:17 Uhr

Schleswig | Er verhält sich wie ein "Schläfer" - dieser Begriff aus dem Terrorismusbereich, der Agenten beschreibt, die sich längere Zeit unerkannt und unauffällig in feindlichen Gebieten aufhalten, um irgendwann wieder zuzuschlagen, passt auf den Feind Nr. 1 im Gottorfer Barockgarten: auf den Pilz Cylindrocladium buxicola. Der hat es seit einigen Jahren geschafft, sich in die Ornamente und Hecken aus Buchsbaum einzunisten - mit der Folge, dass die Pflanzen irgendwann nur noch als nacktes Gestrüpp dastehen.

So verhält sich der Pilz wie ein kleiner Garten-Terrorist. Einer, der international agiert. Denn außer dem Gottorfer Barockgarten (und auch vielen Friedhöfe im Lande) leiden unter ihm ebenso die Gärten von Sanssouci in Potsdam bis Schönbrunn in Wien sowie die Gärten in Frankreich und England. Die verantwortlichen Fachleute dieser historischen Gärten befinden sich daher in ständigem Austausch untereinander, sind aber relativ machtlos. Offenbar ist kein Kraut gegen ihn gewachsen.

Letzte Standmeldung also: Der Pilz wütet weiter. Auch im Gottorfer Barockgarten. Jedoch machen dem Buchsbaum-Fresser seit zwei Wochen die hohen Sommertemperaturen zu schaffen. Gärtnermeister Ralf Mahnke: "Ab 29 Grad Celsius kommt er zum Stillstand." Dann geht dem Pilz die Puste aus. Wer jetzt die Buchsbaumpflanzen genauer inspiziert, sieht, dass sich unter den braun gefärbten Blättern wieder neue grüne gebildet haben. Dennoch: Richtige Freude kommt bei Gärtnermeister Mahnke und beim Leiter des Barockgartens, Dr. Ulrich Schneider, nicht auf. "Sobald wieder Feuchtigkeit herrscht, wird der Pilz auch wieder aktiv", erklärt Schneider. Der Cylindrocladium-Pilz führt irgendwann seinen Vernichtungsfeldzug wieder fort, wie ein terroristischer Schläfer eben.

So enttäuschend, ärgerlich und kostenintensiv der Pilzfraß für Gottorf und für den Barockgarten ist: Ulrich Schneider und Ralf Mahnke zeigen die nötige Ruhe und Entschlossenheit, um das Problem einzukreisen und langfristig eine Lösung zu finden. Ständig werden die Buchsbaumhecken und Ornamente beobachtet, vor allem aber Alternativen gesucht - nämlich andere Pilz-resistente Pflanzen, mit denen barocke Strukturen geschaffen werden können. Diese sind jetzt in der Erprobungsphase. Mahnke: "Bis wir sie während harter Wintermonate und trockener oder auch verregneter Sommer wirklich getestet haben, vergehen etwa zwei Jahre." Dafür haben die Gottorfer einen alternativen Bepflanzungsplan entwickelt. An Stelle der kahl gefressenen Buchsbaumpflanzen sind Thymianpflanzen (sehen gut aus und duften im Moment sehr schön) als sogenannte Platzhalter auf die vierte und fünfte Terrasse gesetzt worden - sie bleiben dort solange, bis geeignete neue Pflanzen (im Test sind andere Buchssorten, Eibe, Lebensbaum und Kletter-Spindelstrauch) gefunden sind.

Nur bei den prächtigen Spiegelmonogrammen auf der ersten Terrasse - sie zeigen "CA" für Herzog Christian Albrecht und "FA" für seine Gemahlin Friedrike Amalie - will Schneider keine Kompromisse eingehen: "Das ist der einzige Bereich, in dem man nicht auf Buchs verzichten kann."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen