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Bundeswehr-Schiessplatz : Kampf gegen den Lärm in der Idylle

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ina Petersen-Nanz wohnt 500 Meter von einer Bundeswehr-Schießlanlage entfernt. Seit dreieinhalb Jahren fühlt sie sich durch den Lärm massiv gestört und fordert Abhilfe. Bisher aber sind alle ihre Beschwerden auf taube Ohren gestoßen.

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erstellt am 22.Feb.2014 | 13:15 Uhr

Es gibt Tage, an denen Ina Petersen-Nanz einfach flüchtet. Dabei hat sie es eigentlich schön zu Hause in Schaalby – gemütlich, mit viel frischer Luft und freiem Blick über die Felder. Wenn nur der Lärm vom Bundeswehr-Schießplatz nicht wäre. Der liegt gut 500 Meter Luftlinie entfernt und macht ihr das Leben schwer. „Die Knallerei ist nicht auszuhalten – vom Vormittag geht es bis zum Abend in einer Tour. Es ist zermürbend“, sagt Ina Petersen-Nanz. „Man muss den Fernseher lauter stellen, um überhaupt etwas zu verstehen, draußen sitzen im Sommer kommt überhaupt nicht mehr in Frage. Ich finde keine Erholung mehr.“ Für die Krankenschwester, die im Schichtdienst arbeitet, eine nicht zu akzeptierende Situation.

Als Ina Petersen-Nanz vor zehn Jahren in das Haus zog, gab es den Schießstand schon lange. „Ich habe damals schon wahrgenommen, dass dort geschossen wird“, erinnert sie sich, „aber es hat mich überhaupt nicht gestört. Es war wesentlich leiser damals“, ist sie überzeugt.

Das änderte sich schlagartig im Jahr 2010. Ina Petersen-Nanz kann sogar den Tag auf Anhieb nennen: Es war der 20. Juli. Wie sie später erfuhr, waren die Schießanlagen der Bundeswehr in Husum und Krummenort bei Rendsburg für eine Sanierung geschlossen worden – und sie hatte den Eindruck, dass plötzlich alle Soldaten auf ihrem Hof übten. „13 Stunden Dauerbeschuss“ nennt sie die Situation. Am nächsten Tag begann für Ina Petersen-Nanz der Kampf gegen den Lärm. Der dauert inzwischen dreieinhalb Jahre, in denen sie mehrfach Unterschriften sammelte, an Ämter, Bürgermeister, Landrat, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Minister und den Petitionsausschuss schrieb.

Immer wieder einmal gab es Grund zur Hoffnung auf Besserung. Zum Beispiel, als die Bundeswehr in ihrem Garten und in der Wohnung Messungen vornehmen ließ. Das Ergebnis allerdings enttäuschte die genervte Frau: Alles im Rahmen des Erlaubten, lautet das Fazit der behördlichen Untersuchungen. Für Ina Petersen-Nanz kein Wunder. Während bei ihr zu Hause die Messgeräte liefen, wurde auf dem Schießstand ein Mann mit einer Waffe von Bahn zu Bahn geschickt, um zu schießen. Pistole, Gewehr, Maschinenpistole, Maschinengewehr. Immer schön nacheinander. „Es mag ja sein, dass es so in den Vorschriften steht“, sagt Ina Petersen-Nanz, „mit der Realität aber hat das überhaupt nichts zu tun. Da knallt es überall gleichzeitig. Und das über Stunden.“

Erstaunlicherweise hat der Lärm nach Einschätzung von Ina Petersen-Nanz auch nach der Sanierung der Nachbar-Schießstände nicht nachgelassen. Ihre Erklärung dafür: Waffen oder Munition müssen lauter geworden sein. Natürlich hat sie nachgefragt. Aber über solche Angelegenheiten schweigt die Bundeswehr.

Es gebe keine neuen Waffen, hieß es auf Nachfrage beim zuständigen Presse- und Informationszentrum der Bundeswehr in Bonn. Und es werde vornehmlich Überschall-Munition verwendet, die zweimal knallt: einmal an der Mündung und einmal beim Durchbrechen der Schallmauer. Weitere Fragen zum konkreten Fall wurden trotz vorheriger Zusagen allerdings nicht beantwortet.

Antworten hat Ina Petersen-Nanz im Laufe der Zeit viele bekommen, geändert hat sich nichts Wesentliches. Und die hartnäckige Beschwerdeführerin hat auch einen Verdacht, woran das liegen könnte: „Wer auch immer in dieser Sache nachfragt, landet bei der Bundeswehr. Und von dort kommt immer die formal korrekte Antwort, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Die kontrollieren sich selbst“, sagt sie.

Ina Petersen-Nanz hat sich am Telefon auch schon anhören müssen, dass es beim Schießtraining schließlich um die Sicherheit der Soldaten gehe. „Ich habe weder etwas gegen die Bundeswehr noch gegen das Schießen“, stellt sie klar, „ich will doch nur, dass etwas für den Lärmschutz getan wird. Es kann doch nicht sein, dass ich von Zuhause wegfahren muss, um Ruhe zu finden.“ In der vergangenen Woche erreichte die Auseinandersetzung eine neue Eskalationsstufe. Ina Petersen-Nanz erstattete bei Anzeige wegen Lärmbelästigung.

Sie ist nicht die einzige, die sich gestört fühlt. Rainer Hartel betreibt in der Nähe des Schießplatzes die Wohnstätte Sophienhöh, eine Einrichtung, in der 40 psychisch kranke Menschen leben. „Der Lärm ist sehr unangenehm. Besonders wenn bei Ostwind mit dem Maschinengewehr geschossen wird, herrscht bei uns viel Unruhe.“ Das führt der Inhaber nicht nur auf den Krach zurück: „Bei einigen unserer älteren Patienten werden dann auch schreckliche Erinnerungen an den Krieg wach.“

Ina Petersen-Nanz lässt trotz aller Rückschläge nicht locker: „Spätestens wenn ich in den Ruhestand gehe, will ich meine Ruhe haben.“ Bis dahin sind es noch sechs Jahre und neun Monate. Zeit genug, um auch die härteste Nuss zu knacken.

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