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Proteststimmung in Schafflund : „Kampf dem Fracking!“

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Amt Schafflund formiert sich der Widerstand aus den Reihen der CO2-Endlager-Gegner gegen das geplante Fracking. Ein Forderungskatalog soll durch die Gemeinderäte wandern und zugleich auf die Kreisebene gehoben werden.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2013 | 08:00 Uhr

Schafflund | Vereinzelte Protestschilder gegen das einst geplante Kohlendioxid-Endlager hängen noch an den Straßenrändern. Der Widerstand kochte auf der Geest vor allem 2009 – und war letztendlich erfolgreich. Nun wittert man in der Grenzregion eine neue Gefahr: das Fracking. Vieles erinnert an das frühere CO2-Vorhaben. Ein im Prinzip identisches Untersuchungsgebiet und die zum Teil selben auftretenden Firmen und Wissenschaftler haben die Kommunalpolitik aufgeschreckt. „Kampf dem Fracking!“, betonte Schafflunds Amtsvorsteherin Gudrun Carstensen zu Beginn des Haupt- und Finanzausschusses. In der Sitzung kam man überein, dass ein an die Landesregierung gerichteter 13-Punkte-Forderungskatalog durch die Gemeinderäte wandern und zugleich auf die Kreisebene gehoben werden soll.

Das „Hydraulic Fracturing“, kurz Fracking, hat man als große Gefahr ausgemacht. Die Methode, die mit dem Einsatz von Tiefenbohrungen, Wasser, Sand und Chemikalien Erdöl und Erdgas aus dem Untergrund löst, gilt vielen als ökonomisch sinnvoll – als technisch aber noch nicht ausgereift. Unter anderem leichte Erdbeben und auftretende Gebäudeschäden werden von Kritikern befürchtet. Weitere Szenarien: Eine milchige Brühe im Waschbecken, Gas in der Wasserleitung. Die eingesetzten Chemikalien könnten zu einer Verunreinigung des Trinkwassers führen. Eine US-Regierungsbehörde hat vor Kurzem festgestellt, dass in Kentucky durch Fracking ein See mit Säuren und Metallen belastet wurde.
„Der Preis ist zu hoch“, zeigte der Amtsausschuss schon im Dezember einhellig Flagge und schickte eine erste Resolution auf den Weg. Darin wurde das zuständige Landesbergamt aufgefordert, den Erlaubnisantrag zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen – eine vorbereitende Maßnahme für das Fracking – im Plangebiet „Rosenkranz Nord“ abzulehnen. Das genannte Areal reicht von der Westküste bis zur Autobahn 7, von der Grenze bis nach Eiderstedt und zur Bundesstraße 201. Die Eingabe hatte offensichtlich keinen Erfolg: In einer August-Veröffentlichung des Umweltministeriums ist der „Rosenkranz Nord“ als „neue genehmigte Aufsuchung“ gekennzeichnet. Die betroffenen Kommunen waren nicht beteiligt.

Die Landesbehörden beschwichtigen: Bei Aufsuchungs-Erlaubnissen handele es sich lediglich um das Abstecken von Interessen-Gebieten. Für Bohrungen oder Fracking müsse ein Betriebsplanverfahren beantragt werden. Doch auf der Geest fühlt man sich in Stich gelassen. „Das ist eine merkwürdige Haltung der Landesregierung“, sagte jetzt Wallsbülls Bürgermeister Werner Asmus im Schafflunder Haupt- und Finanzausschusses. „Umweltminister Robert Habeck duckt sich weg. Er sagt, es sei eine Bundesangelegenheit und ihm seien die Hände gebunden. Juristen sehen das aber anders.“

Asmus erinnerte im Ausschuss daran, dass man gegen die CO2-Verpressung über den Terminus „öffentliches Interesse“ den Einstieg in eine Landesgesetzgebung gefunden habe. Der Wallsbüller, der schon bei der CO2-Diskussion die regionalen Innteressen vertrat, skizzierte beunruhigende Tendenzen: eine sich nicht genug einbringende Landesregierung, ein Bund, der das Fracking befürworte, und eine aktive Wirtschaft. Werner Asmus berichtete von Untersuchungen im nordfriesischen Rodenäs durch die Firma Max Streicher, „die auf vielen Feldern gemeinsame Sache mit RWE macht“.

In der vergangenen Woche beschäftigte sich der Wasserverband Nord, dessen Gebiet sich von der West- bis zur Ostküste erstreckt, in seiner Verbandsversammlung auf Pellworm mit der neuen Resolution. Sie fordert unter anderem eine Beteiligung der Kommunen und Kreise ein, die Priorität des Wasserschutzes, eine Beweislast-Umkehr bei Schäden an Gebäuden und Wasserverschmutzungen sowie ein Verbot des Fracking, bis es technisch so weit ausgereift ist, dass Gefahren ausgeschlossen sind. Die 60 auf Pellworm anwesenden Bürgermeister nickten das Papier ab. Sie waren sich einig: Der Druck müsse von unten kommen, von Bürgern und Kommunen.

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