Kaiser Wilhelm I. schwärmte von ihr

Cäcilie von Brockdorff (1837-1912).
Cäcilie von Brockdorff (1837-1912).

Baronin Cäcilie von Brockdorff machte sich als Malerin und Philanthropin einen Namen / Selbst die New York Times würdigte sie zu ihrem Tode

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23. Februar 2012, 07:10 Uhr

Schleswig | Sie übte "im Stillen eine große Wohltätigkeit, besaß einen hoch entwickelten Kunstsinn, malte selbst sehr hübsch und hat manches junge Talent unterstützt und gefördert". Diese wohlwollende Charakterisierung - formuliert von der Lokalpresse - galt der Baronin Cäcilie von Brockdorff. Sie war eine entfernte Verwandte des Dichterfürsten Wolfgang von Goethe. Die Urenkelin von Goethes Schwester Cornelia heiratete im Alter von knapp 17 Jahren den sehr viel älteren Juristen und Diplomaten Ludwig Ulrich Hans Freiherr von Brockdorff, aus dessen Initiative der Bau des Schlösschens Annettenhöh am Stadtrand von Schleswig zurückgeht. Es wurde ihr neues Zuhause.

Cäcilies Vater war der in Berlin lebende "Particulier" und spätere Rittergutsbesitzer August Kabrun. Durch die Mutter Florentine, geborene Nicolovius, kam die Verbindung zum Hause Goethe zu Stande - sie war die einzige Nichte des Weimarer Dichters und Gelehrten. Geboren wurde Cäcilie am 21.Oktober 1837 in Berlin. Sie wuchs in großbürgerlichen Verhältnissen auf, auch wenn sich ihre Familie weder väterlicher noch mütterlicherseits nicht mit Adelstiteln schmücken konnte. Dennoch gelang es ihr schon als junges Mädchen, im Umfeld des Berliner Hofes Freunde und Verehrer zu finden.

Fast schon 50-jährig, heiratete Freiherr von Brockdorff während seiner Berliner Amtszeit als dänischer Diplomat im auswärtigen Dienst am königlich-preußischen Hof 1854 die kaum 17 Jahre alte Cäcilie. Sie wird als "schöne Frau" beschrieben, sehr beliebt am Berliner Hof. Besonders zugetan war ihr König Wilhelm I., der spätere Kaiser, mit dem sie lange Zeit einen brieflichen Kontakt unterhielt. Sechs Jahre lang übte von Brockdorff seine Tätigkeit als Gesandter in Berlin aus. Zudem war er Mitglied des königlich-dänischen Reichsrates. Zeitweise gehörte er auch der Provinzialständeversammlung des Herzogtums Schleswig an.

1859 wurde Cäcilie und Ludwig Ulrich Hans von Brockdorff ihr Sohn Ulrich Bertram geboren. Sechs Jahre amtierte Freiherr von Brockdorff als Diplomat in der deutschen Reichshauptstadt, als nächste berufliche Stationen folgten Madrid und Lissabon. 1863 schließlich quittierte er seinen Dienst und zog sich - inzwischen im Rang eines bevollmächtigten Ministers - nach Schleswig ins Privatleben zurück. Die kleine Familie wohnte zunächst im Bielkeschen Palais im Friedrichsberg. 1864 ließ von Brockdorff auf dem von seinen Eltern ererbten Anwesen Annettenhöh das gleichnamige Herrenhaus errichten. Ulrich Bertram starb an seinem siebten Geburtstag an den Folgen einer Diphterieerkrankung und Hirnhautentzündung - eine Tragödie für die Eltern, die daraufhin den damals vierjährigen Ulrich Carl Christian Graf Rantzau adoptierten, der später im diplomatischen Dienst des deutschen Reichs eine bemerkenswerte Karriere machte.

Als Wilhelm I. im Herbst 1868 seine neue preußische Provinz Schleswig-Holstein bereiste und sich für mehrere Tage in Schleswig aufhielt, besuchte er auch Annettenhöh und die von ihm hochverehrte Baronin, "deren Anmut und Schönheit sich der 70-jährige König aus der Berliner Zeit der Brockdorffs noch gut erinnerte", wie in einer Chronik der Schleswiger Brockdorffs zu lesen ist. Auch Goethe-Enkel weilten wiederholt auf dem schönen Anwesen in Pulverholz.

1875 starb ihr Mann, und ihr stand eine lange Zeit im Witwenstand bevor. Sie nutzte sie, um zunehmend ihren künstlerischen Neigungen wie dem Malen und Zeichnen nachzugehen. Sie gehörte von 1867 bis 1873 dem Verein der Berliner Künstlerinnen an und beteiligte sich wiederholt an dessen Ausstellungen. Zu sehen waren von ihr hauptsächlich Blumenstilleben. 1901 war sie mit den Bildern "Fürstenstuhl auf Schloß Gottorf" und "Schloß Gottorf" auf einer Ausstellung im Flensburger Museum vertreten.

Motive fand Cäcilie von Brockdorff vor allem in der heimischen Umwelt. Mit feinem Strich brachte sie zum Beispiel ihr geliebtes Zuhause, das Haus Annettenhöh, aufs Papier. Die Federzeichnung, die sie vom historischen Hohen Tor schuf, diente später der Gesellschaft für Schleswiger Stadtgeschichte als Vorlage für die Titelgestaltung der jährlichen Beiträge. Überliefert sind zwei Skizzenbücher namentlich mit Bleistiftzeichnungen von Gebäuden und Landschaften.

1902 trat sie als Herausgeberin an die interessierte Öffentlichkeit. Sie edierte die "Briefe der Frau Rath an ihre lieben kleinen Enkeleins" und legte sie in einer fein gestalteten Broschüre vor. Dabei handelt es sich um Briefe von Goethes Mutter an Cäcilie von Brockdorffs Großmutter.

Als sie am 30. April 1912 in Schleswig starb, schrieben die Schleswiger Nachrichten: "Mit ihr ist eine vornehm denkende Frau und ein edler Charakter dahingegangen." Und selbst die ferne New York Times notierte ihren Tod: "Sie war bekannt wegen ihrer ausgeprägten Menschenliebe."

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