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Schleswig : Juristen sollen Streit um Bahnhof klären

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Investor hat einen Anwalt eingeschaltet – und will jetzt erst einmal ein anderes Projekt in Süddeutschland realisieren.

von
erstellt am 27.Mai.2017 | 07:00 Uhr

„Jetzt ist Sense!“ Zwar möchte der Eigentümer des Schleswiger Bahnhofs noch immer nicht seinen Namen öffentlich nennen. Klartext reden, das will er aber schon. Er habe keine Lust mehr, wöchentlich neue Gemeinheiten vom städtischen Bauamt hinnehmen zu müssen, sagt er. Und dann auch noch auf diese „für Schleswig offenbar typische Gutsherrenart“. Genug sei genug. Es ist also an der Zeit, nach monatelangem Streit zwischen ihm und den Behörden (wir berichteten), andere Geschütze aufzufahren. Deshalb hat der Geschäftsmann aus Süddeutschland jetzt einen Anwalt eingeschaltet. Der solle endgültig klären, wer eigentlich welche Befugnisse am Bahnhof hat. Auch Schadensersatzforderungen sollen dabei geprüft werden. Denn während das Bauprojekt seit Monaten stockt, reden inzwischen alle bei dem Thema mit – und offenbar alle aneinander vorbei: Investor, Stadt, Denkmalschutz, Eisenbahnbundesamt, Polizei.

Das soll nun also ein Ende haben, hofft der Eigentümer der denkmalgeschützten Immobilie, die im April auf Drängen der Stadt für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. Zweifel an der Statik der Bahnhofshalle waren der Grund, ebenso wie die Tatsache, dass der Investor das Gebäude trotz fehlender Baugenehmigung umbaut. Dieser betont derweil weiterhin, dass die Stadt gar nicht die zuständige Behörde sei, „allein das Eisenbahnbundesamt hat die Befugnis“. Zudem seien mehrfach Fristen seitens der Behörden verschlafen worden. Schließlich habe er in den vergangenen Wochen nur Renovierungsarbeiten vornehmen lassen, die nicht genehmigungspflichtig seien.

Auch diese Tätigkeiten hat der Eigentümer jetzt aber einstellen lassen. „Ich habe keine Arbeiter mehr in Schleswig“, sagt er. Stattdessen wolle er erst einmal ein anderes Bauprojekt an einem Bahnhof im Südwesten der Republik, den er ebenfalls gekauft habe, realisieren. „Eigentlich wollte ich erst damit anfangen, wenn ich in Schleswig fertig bin. Aber weil mir hier nur Steine in den Weg gerollt werden, ziehe ich die andere Geschichte jetzt vor.“

Das heißt, der Schleswiger Bahnhof bleibt bis auf weiteres geschlossen. Die Arbeiten ruhen – so lange, bis ein Gericht entschieden hat, wie die verzwickte Situation zu lösen ist. Erst dann geht es weiter. „Ich werde den ,Event-Bahnhof‘ fertig stellen und eröffnen. Bis es soweit ist, kann es aber leider noch dauern“, sagt der Investor. Es könne sein, dass es ein Urteil schon in wenigen Monaten geben wird. „Mit Pech kann es noch Jahre dauern.“

Das jedoch hofft weder er selbst, noch die Vertreter der Stadt. Dennoch begrüßt Bürgermeister Arthur Christiansen, dass sich nun Juristen mit dem Schleswiger Bahnhof beschäftigen. „Dann bekommen wir endlich eine rechtliche Klärung – und damit kommen wir sicher einen wichtigen Schritt weiter“, sagt er auf SN-Nachfrage. Wie auch der Investor betont Christiansen, „dass die Tür noch nicht zu ist“ und man noch immer an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sei. Ebenso sieht er sich und seine Behörde eindeutig im Recht. „Dass es für den Bahnhof eine von Stadt und Eisenbahnbundesamt geteilte Zuständigkeit gibt, macht die Sache nicht einfacher. Aber unabhängig davon muss man sich als Investor an die Spielregeln halten. Und das ist hier nicht der Fall“, betont Christiansen. Dabei verweist er unter anderem auf die fehlende Baugenehmigung. Ob und wann die erteilt werden kann und ob eventuell ein Rückbau veranlasst werden muss, all diese Fragen könne ein Gerichtsurteil am Ende klären.

Fakten geschaffen wurden indes in der Toilettenfrage. Seitdem die Bahnhofhalle gesperrt wurde, gibt es auch keinen Zugang mehr zu den öffentlichen WCs. Jetzt hat die Bahn reagiert: Direkt vor dem Bahnhof wurden zwei Dixi-Klos aufgestellt. Ein unschönes Provisorium, das – so steht zu befürchten – auf Jahre gesehen zur Dauerlösung werden könnte. Bis der Streit um den Bahnhof endlich ein Ende hat.

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