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JAW Schleswig : Junge Afghanen wollen Azubis werden

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jugendaufbauwerk bietet neues Programm für die berufliche Integration von Flüchtlingen an.

Sie haben alle gemeinsam ein Ziel: Eine Ausbildungsstelle zu finden, um in Deutschland bleiben zu dürfen. Deshalb nehmen zehn junge Menschen aus Afghanistan, eine Frau und neun Männer, jetzt an einem Projekt im Jugendaufbauwerk (JAW) teil, das sie fit machen soll für den deutschen Arbeitsmarkt.

„Tobi“, das steht für teilnehmerorientierte berufliche Integration, heißt das Programm, das zu 90 Prozent vom Kieler Bildungsministerium finanziert wird und jetzt an zehn Standorten in ganz Schleswig-Holstein gestartet ist. Landesweit nehmen 152 junge erwachsene Asylbewerber daran teil, zehn davon in Schleswig. „Allein haben sie kaum eine Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Hier wird ihnen dabei geholfen“, betonte Julia Pfannkuch, Leiterin des Fachbereiches Bürgerservice bei der Stadt, gestern bei der Vorstellung des Projektes. Das wird im JAW gleich von mehreren Fachleuten begleitet. Katja Harder ist zuständig für Hilfestellungen bei der Berufswahl, ebenso wie Markus Willig, der zudem als Praktikumsbegleiter fungiert, Haidar Charour übernimmt den Sprachunterricht und Farid Ahmadzai steht als Kulturvermittler und Dolmetscher zur Verfügung.

Bis Ende des Jahres werden die jungen Afghanen, die allesamt schon in ihrer Heimat eine Ausbildung oder gar ein Studium absolviert haben, in jeweils 33 Wochenstunden begleitet und dabei auch individuell unterstützt. Ziel ist es, einen Ausbildungsplatz zu finden – möglichst für alle Teilnehmer. „Auf diesem Wege können wir das Integrationsgesetz des Bundes mit Leben füllen“, sagte JAW-Leiterin Marlies Geers. Denn dies besage, dass jungen Flüchtlingen, die nur eine unsichere Bleibeperspektive haben, für den Zeitraum einer Ausbildung eine Duldung zugesprochen wird. Und wenn diese erfolgreich abgeschlossen wurde und danach eine feste Anstellung folgt, wird ein Aufenthaltsrecht für zwei weitere Jahre erteilt („3+2-Regel“). Genau das ist das Ziel der jungen Afghanen, die zum Teil mit ihren Familien in Schleswig und Umgebung leben. Sie alle dürfen keine sogenannten Integrationskurse besuchen, sprechen dennoch schon gut bis sehr gut Deutsch. Das wiederum ist die Hauptvoraussetzung, um eine Ausbildung machen zu können. „Denn die Berufsschule schafft man nur, wenn man die Sprache kann“, so Haidar Charour.

Dass es alle zehn Teilnehmer schaffen können, ihr Ziel zu erreichen, davon sind der Lehrer und seine Mitstreiter fest überzeugt. „Jetzt warten wir nur noch auf Angebote aus der Wirtschaft“, betonte Katja Harder. Es sollten aber – wegen der Sprachbarrieren – Berufe sein, bei denen der theoretische Anteil nicht zu fachspezifisch ist. Ein junger Afghane hat sogar schon einen festen Ausbildungsplatz bei der Bäckerei Jaich, andere zumindest erste Erfahrungen durch ein Praktikum gesammelt. „Wir alle wollen gerne arbeiten, und das hilft uns, damit wir nicht abgeschoben werden“, sagte Abdul Stanikzai (27) stellvertretend für die Gruppe und fügte an: „Wir sind glücklich, dass uns hier geholfen wird.“

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erstellt am 07.Jun.2017 | 07:52 Uhr

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