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Schleswiger Nachrichten

14. Dezember 2017 | 09:50 Uhr

Wahlkreis 1 : Jung, grün, ehrgeizig

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die 28-jährige Flensburgerin Marlene Löhr hat schon viel politische Erfahrung gesammelt – jetzt würde sie gerne in den Bundestag einziehen.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2013 | 11:56 Uhr

Wer wird Nachfolger von Wolfgang Börnsen als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 1 Flensburg/Schleswig? Unsere Zeitung stellt die Kandidaten vor. Heute: Marlene Löhr (Bündnis 90/ Die Grünen).

Sie ist gerade mal 28 Jahre alt und hat seit Anfang des Jahres ihren Hochschulabschluss in der Tasche – deutsch-dänischer Master in European Studies. Marlene Löhr ist zwar in Lüneburg geboren und aufgewachsen. Mit ihrem Doppelstudium in Flensburg und Sonderburg sowie dem Auslandssemester an der Business School in Kopenhagen ist sie dennoch so etwas wie eine Vorzeigeabsolventin der Grenzregion. Kein Wunder, dass man von ihr im Gespräch Sätze wie diesen hört: „In vielen Köpfen muss erst noch begriffen werden, dass wir keine Randregion sind.“

Löhr hat in den vergangenen Jahren nicht nur studiert. Sie ist trotz ihres jungen Alters längst erfahrene Politikerin. Bis vergangenen März war Löhr dreieinhalb Jahre Landesvorsitzende der Grünen und damit jüngste Landeschefin einer Partei in Deutschland überhaupt, war zweieinhalb Jahre Ratsfrau in Flensburg und hat den Koalitionsvertrag der rot-grün-blauen Landesregierung mit ausgehandelt. Politische Wettbewerber geißeln solche Laufbahnen schon mal mit der Formulierung „Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal“ – für die Grünen ist es eine Chance, auch qualifizierte Bewerber unter 30 Jahren in den Bundestag zu schicken – und damit auch Themen, die die Jugend bewegen, in die Parlamente zu bekommen.

Zur Verkehrspolitik einer Marlene Löhr gehört eben auch das grenzüberschreitende Semesterticket für Flensburg und Sonderburg, wenngleich sie am eigenen Leib feststellen musste: „Der grenzüberschreitende ÖPNV ist nicht gerade gut ausgebaut.“ Ohne Auto sei das Studium an mehreren Hochschulstandorten hier bislang gar nicht möglich. Sie hat aber auch die großen Fragen der regionalen Verkehrspolitik im Blick: „Wir brauchen eine Lösung für Schiene und Straße über den Nord-Ostsee-Kanal.“ Ob Tunnel oder Brücke, sei zweitrangig. Wichtig sei, dass es eine Kombination von Schiene und Straße gebe und der nördliche Landesteil die zentrale Nord-Süd-Achse nicht verliere, das Löhr. Seit April ist sie Mitarbeiterin des aktuellen Grünen-Bundestagsabgeordeneten Arfst Wagner, der auf Platz vier der Landesliste unmittelbar vor ihr platziert ist.

Was sie sonst zu den aktuellen Bundesthemen zu sagen hat? Zu höheren Steuern erklärt sie, dass die Grünen 90 Prozent der Steuerzahler entlasten würden durch höhere Grundfreibeträge und eine andere Steuerprogession – und dass Alleinstehende ja erst jenseits von 80 000 Euro ein paar Prozentpunkte stärker belastet würden: „Wir haben in der Bankenkrise vor allem hohe Einkommen und Vermögen geschützt.“

Löhr hat gerade zweimal Tagespraktikum in der Altenpflege gemacht. Sie finde, dass Altenpfleger besser bezahlt werden sollten und ärgere sich über das schlechte Image des Berufs. Ob sie so einen Job denn empfehlen könne? „Wenn man Spaß daran hat, ist es schon ein Beruf, über den man nachdenken sollte“, sagt sie. In der Rentenfrage bewegt sie, dass gerade viele Frauen in die Altersarmut zu rutschen drohen. Ihre Schlussfolgerung: „Man muss allen die Möglichkeit geben, auf dem Arbeitsmarkt präsent zu sein.“ Ausbau der Kinderbetreuung, in der Energiepolitrik zu viele Ausnahmen für energieintensive Betriebe – es gibt viele Themen, mit denen Marlene Löhr für mehr Zweitstimmen kämpft. Allerdings müssten die Grünen in Stimmenregionen der Nach-Fukushima-Zeit vorstoßen, damit sie in den Bundestag kommt. Sie steht auf Platz 5 der Grünen-Landesliste. Montag: Sabine Sütterlin-Waack (CDU)
 

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