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Kommunalpolitik : Jüngster Bürgermeister kommt aus Erfde

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Thomas Klömmer (31) stieg mit 14 Jahren in die Politik ein und hat inzwischen zahlreiche Ehrenämter übernommen. Der Erfder ist wohl der jüngste Bürgermeister im Lande.

Er ist im Kreis Schleswig-Flensburg ein Unikat, mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch in ganz Schleswig-Holstein. Und zwar nicht, weil er mehr als zehn verschiedene Posten bekleidet, zwischen Kiel, Hamburg und Erfde hin und her pendelt, via Facebook die nächste Gemeinderatssitzung ankündigt oder dort nach einer fehlenden Schraube für ein Babybett sucht. Thomas Klömmer ist mit seinen 31 Jahren kreis- und landesweit der jüngste Bürgermeister.

Als er am 27. Juni mit 7:6 Stimmen in Erfde gewählt wurde, war er noch 30, löste Jürgen Swazinna ab, dessen Stellvertreter er zuvor war. „Das war knapp“, sagt Klömmer, wenn er an jenen Abend zurückdenkt. Nun liegt die Zukunft einer ganzen Gemeinde in seinen Händen – jedenfalls zum Teil. Er weist nämlich darauf hin: „Die Bürger wählen den ganzen Gemeinderat, es gibt ja nicht nur mich.“ Dass er so jung sei, bringe frischen Wind in die Kommunalpolitik, auch in die 13-köpfigen Gemeindevertretung von Erfde, aber er betont: „Ich bin dort der Jüngste, die Älteren haben aber eindeutig mehr Lebenserfahrung, das wird immer so sein.“

Eine Herausforderung sei das Bürgermeisteramt zweifelsohne. „Man kann es mit einem kleinen Betrieb vergleichen: Erfde hat einen Haushalt von zwei Millionen Euro und 29 Mitarbeiter – da ist einiges zu bedenken und zu regeln.“ Und neben dem Bürgermeister-Dasein gibt es eben noch viele andere Dinge, um die er sich kümmern muss: Sein Geld verdient der 31-Jährige als Landesgeschäftsführer der CDU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) von Schleswig-Holstein und Hamburg, und viele weitere Posten reihen sich aneinander: Mitglied Amtsausschuss Kropp-Stapelholm, Beisitzer CDU-Kreisverband, Kreistagsabgeordneter Wahlkreis 23, Mitglied Wireg-Aufsichtsrat, ehrenamtlicher Richter am Oberverwaltungsgericht, Vorsitzender CDU-Bezirksverband Stapelholm, Mitglied Verbandsversammlung der Nospa, Schulverband Stapelholm und weitere.

Eine Familie hat er auch noch: Klömmer, der in Norderstapel aufwuchs, lebt seit 2010 mit seiner Frau Dorothe im neu gebauten Haus in Erfde, und erst vor knapp vier Wochen wurde Tochter Carina geboren. Wie schafft man das alles? Klömmer sieht ziemlich fröhlich aus, wenn er in seinem Bürgermeistersessel im Gemeindehaus sitzt, obwohl sich meist ein Termin an den nächsten reiht. Er strahlt Gelassenheit aus und Begeisterung für das, was er tut. Er sagt, dass vor allem seine langjährigen Erfahrungen in der Kommunalpolitik Grundlage für seine Tätigkeiten seien.

Mit gerade einmal 14 Jahren wurde er Vorsitzender des Jugendbeirates von Norder- und Süderstapel. „Familiär vorbelastet“ sei er, was die Politik anbelangt, aber nicht. „Es kam einfach die richtige Frage zur richtigen Zeit, so bin ich da reingeraten.“ Mit 16 Jahren reaktivierte er die Junge Union Stapelholm mit zwei Freunden, mit 18 wurde er Vorsitzender der Jungen Union Schleswig-Flensburg und der CDU Norderstapel. „Ich war damals der jüngste CDU-Ortsvorsitzende in Deutschland“, berichtet er, schiebt aber gleich hinterher: „Das war alles eigentlich nie so geplant.“

Tatsächlich war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er beruflich mit einem Trecker über die Felder braust. „Als ich meine Ausbildung zum Beamten im mittleren Dienst beim Kreis Schleswig-Flensburg mit 19 beendet hatte, wollte ich ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen auf Eiderstedt übernehmen“, verrät er. „Ich war hobbymäßig mein Leben lang in der Landwirtschaft tätig, seit ich laufen konnte, war ich immer bei den Bauern nebenan, es ist bis heute meine Leidenschaft.“ 2002 aber kam das Angebot, als Landesgeschäftsführer der MIT nach Kiel zu gehen. Er sagte zu. 2006 folgte der Bereich Hamburg. „Jetzt reicht es aber auch erstmal“, sagt er zu der Masse an Ämtern. Er empfinde seine Arbeit als „positiven Stress“, schaffen könne er das aber nur, „weil meine Frau voll hinter mir steht“.

Als Bürgermeister will Klömmer Erfde gut in die Zukunft führen. Schlecht stehe es um die Gemeinde nicht, rosig sei die Lage aber auch nicht. Vor allem junge Familien müssten her, und neues Gewerbe. Das Kita-Angebot müsse ausgebaut, die Stapelholm-Schule erhalten werden. „Wir müssen für junge Familien einfach attraktiv sein.“ Er habe Lust, etwas zu verändern – und nah an den Bürgern dran sein will er auch. Laptop, iPhone und iPad hat er immer dabei, ist in sozialen Netzwerken aktiv. „Man erreicht dadurch viele Menschen leichter. Ich will Probleme offen kommunizieren.“ Das Telefon im Gemeindebüro ist permanent auf sein Handy umgeleitet, wenn er nicht dort ist. „Damit ich immer ansprechbar bin. Das kann man, finde ich, erwarten.“

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erstellt am 21.Sep.2013 | 00:00 Uhr

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