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Melf Ketelsen : Jübeks neuer Motorsport-Champion

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf den Spuren von Egon Müller: Melf Ketelsen ist Deutscher Meister im Speedway – und feierte am Dienstag seinen neunten Geburtstag .

Melf drängelt. Er will fahren, fahren, fahren – auf der Sandbahn, auf seinem neuen Motorrad. Er ist acht Jahre alt. Am vergangenem Wochenende sammelte Melf Ketelsen (Foto) seinen nächsten Titel der zu Ende gehenden Saison. Er wurde Clubmeister des MC Mecklenburgring Parchim. Der junge Jübeker fuhr in der Altersklasse neun bis 16 Jahre auf seinem neuen Motorrad mit 80 Kubikzentimeter auf den ersten Rang. „Er war mit Abstand der jüngste Teilnehmer“, berichtete der stolze Vater Mario Ketelsen. Ende August heimste Melf seinen bisher größten Titel ein. In Bad Zwischenahn wurde er als Achtjähriger Deutscher Jugend-Bahnsportmeister. Er setzte sich unter den sechs bis elfjährigen Teilnehmern in der Klasse 50 cm³ erfolgreich an die Spitze. Bahnsport ist im Jugendbereich die Bezeichnung des Speedway – wie es im Seniorenbereich bekannt ist.

Die Jübeker Familie Ketelsen ist derzeit in zwei Vereinen Mitglied. In Schleswig-Holstein beim MSC Brokstedt in Kellinghusen, wo allerdings im Jahr nur ein Jugendrennen gefahren wird. Der MC Mecklenburgring Parchim ist der zweite Club der Ketelsens.

Im Heimatort löste sich der MSC Jübek vor mehr als zehn Jahren auf. Das Jübeker Sandbahn-Oval war praktisch als Speedway-Mekka über Jahrzehnte in Schleswig-Holstein ein Begriff. Egon Müller infizierte damals Melfs Vater Mario mit dem Motorrad-Gen. Vor etwa fünf Jahren schaffte es zwar der dänische Sportsmotorklubben Gandrup (SMG) örtlich bekannte Geräusche ins Jübeker Sandbahnstadion zurückzuholen, als dort wieder Meisterschaften ausgetragen wurden. „Aber vor gut zwei Jahren haben die Dänen den Laden dicht gemacht“, erzählt Mario Ketelsen ein wenig wehmütig in Gedanken an seine dort verbrachte Kindheit. Sein Sohn trainiert jedoch öfter auf der noch existierenden Kurzbahn der MSJ-Jübek, wo früher schon die Talente der Motorsport-Jugend ausgebildet wurden. Immer wieder übt er Start und Kurvenfahren. Zum Bremsen muss er das Gas wegnehmen und das Motorrad querstellen. Denn: Es gibt keine Bremse.

Aber um unter Wettkampfbedingungen üben zu können, muss die Familie nach Dänemark reisen. Dort hat Melf Ketelsen in der vergangenen Saison an acht Rennen teilgenommen. Er fährt in der dritten Division. Sein Vater vergleicht die dortige Einteilung mit dem Fußball. Es fahren zehn bis zwölf Mannschaften pro Liga. Als einziger Deutscher fuhr Melf in der Klasse 80 cm³ vor zwei Wochen zwei Tagesrennen im dänischen Silkeborg und heimste dort insgesamt 16 Punkte ein. „Im A-Semifinale der besten Acht fuhr er auf Finalkurs, wurde allerdings noch überholt und nur Dritter“, erwähnt sein Vater trotzdem voller Stolz ob der Leistung seines Sohnes. Denn es ist trotzdem ein tolles Ergebnis für Melf Ketelsen und lässt auf das nächste Jahr hoffen. „In dem ich mich zu hundert Prozent auf die 80er konzentrieren möchte“, fügte der frisch gebackene Deutsche Meister hinzu. Zwei bis drei Rennen wird er dann zudem noch beim MC Mecklenburgring Parchim absolvieren. Denn erst durch die gute Nachwuchsarbeit hat sich der Erfolg eingestellt. Zuletzt wurde Melf beim Sommer-Trainingslager der „Driftkids“ mit internationaler Beteiligung auf der Parchimer Speedwaybahn, unter Leitung seines Trainers Christian Seliger, in Form gebracht.

Möglich ist dieses teuere Hobby allein dadurch, dass die Eltern Martina und Mario Geld und Zeit investieren. „Wir haben nur ein Kind“, wiegelt der kühl wirkende, aber trotzdem besorgte Vater ab. Sie sind schon etwa 30 000 Kilometer gefahren, um Melf die Rennen zu ermöglichen. Zwischen fünf- und sechstausend Euro kostete sein neues Motorrad. „Und fünf- bis sechshundert Euro gehen noch für Sprit und Verschleiß drauf“, rechnet der Vater auf. Aber das Fahren auf der Straße sei gefährlicher, ist Mario Ketelsen aus schmerzhafter Erfahrung bekannt.

Auch Melf hat schon zwei Unfälle hinter sich, aber keine Angst. Seine Mutter Martina filmt die Rennen lieber, dann kommt ihr die Geschwindigkeit langsamer vor. Was der Vater bestätigt, wenn er sich Aufnahmen der dritten Division in Dänemark anschaut. Dort wird Melf 2014 für den Holsted Speedway Klub ins Rennen geschickt. „Vielleicht steigt er ja in die zweite Division auf“, gibt der Vater die Richtung vor.

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erstellt am 24.Okt.2013 | 11:45 Uhr

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