Landestheater : Jonas und seine Angst vor der Liebe zu Aynur

Im ständigen Rollenwechsel: Michael Kientzle (Jonas) und Wiebke Wackermann (Luiza) Foto: Landestheater
Im ständigen Rollenwechsel: Michael Kientzle (Jonas) und Wiebke Wackermann (Luiza) Foto: Landestheater

"Türkisch Gold": Jugendstück-Premiere im Landestheater-Foyer

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21. Februar 2012, 11:30 Uhr

Schleswig | Was ist, wenn sich eine Türkin und ein Deutscher ineinander verlieben? Kann das gut gehen? Und wie reagieren Freunde und Familie? Diese Fragen stellt sich das Jugendstück "Türkisch Gold" von Tina Müller am Sonntagabend im Schleswiger Foyer des Landestheaters, das vor etwa 60 Besuchern Premiere feierte.

Das Stück dreht sich um Jonas, der sich im Türkeiurlaub in Aynur verliebt hat, die in Deutschland auf dieselbe Schule geht wie Luiza, Jonas’ beste Freundin. Er erzählt Luiza begeistert von seiner neuen Freundin, die aber hält die Beziehung für problematisch.

Die beiden Schauspieler Wiebke Wackermann und Michael Kientzle wechseln laufend die Rollen und nehmen die Zuschauer mit in eine Welt voller Vermutungen: Was würde etwa Jonas’ Vater Thomas über die neue Freundin seines Sohnes sagen? Wie würde Aynurs Zwillingsbruder Kerim reagieren? Was hielten deutsche und türkische Freunde davon? Jonas und Luiza schlüpfen in all diese Rollen, testen die unterschiedlichen Reaktionen auf eine Liebesgeschichte und lassen dabei kein Vorurteil aus.

Nebenbei überzeichnen sie leichtfüßig einige Stereotypen: Kerim lästert über die schwächlichen deutschen Jungen, ein jugendlicher Neonazi fordert die sofortige Ausreise der Türken, und Jonas’ Vater Thomas lässt sich als Klischee-Deutscher lauthals darüber aus, dass alle Türken nach Deutschland einreisen und sofort heiraten wollten - diese Figur sorgte mit Abstand für die meisten Lacher im Publikum.

Die Kulisse ist schlicht gehalten und besteht aus mehreren bunt bemalten Kisten, auch Requisiten gibt es nur wenige. Sie helfen vor allem dabei, die verschiedenen Personen voneinander unterscheiden zu können.

Eine Besonderheit ist die Loopmaschine, mit der Geräusche aufgenommen und immer wieder abgespielt werden. So schafft Regisseur Markus Röhling beispielsweise eine Strandatmosphäre mit Wellenrauschen oder Echos aus hasserfüllten Beschimpfungen.

Wiebke Wackermann und Michael Kientzle spielen beide überzeugend, natürlich und vor allem miteinander. Auch der Wechsel zwischen den verschiedenen Rollen und Akzenten scheint ihnen keine Mühe zu bereiten. Diese Wechsel sind allerdings teilweise so abrupt, dass nicht immer ganz klar wird, wer gerade welche Rolle spielt und ob die Szene nur in Jonas’ und Luizas Vorstellung geschieht oder wirklich passiert.

Zwar wartet man in dem Stück vergebens auf neue Aspekte in dem deutsch-türkischen Kulturkonflikt, doch wird er in "Türkisch Gold" humorvoll und insgesamt gelungen auf den Punkt gebracht. Die nächste Vorstellung in Schleswig findet am Sonntag, 26. Februar, um 19 Uhr statt. Karten an der Theaterkasse im Lollfuß (Tel. 2 59 89) oder im shz-Ticketcenter der Schleswiger Nachrichten im Stadtweg 54.

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