zur Navigation springen

Wahlkreis Schleswig : Johannes Callsen triumphiert

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der CDU-Kandidat holt das Direktmandat im Wahlkreis 5. Seine SPD-Kontrahentin Birte Pauls zeigt sich enttäuscht vom Abschneiden ihrer Partei.

von
erstellt am 07.Mai.2017 | 22:56 Uhr

Als gestern Abend um Punkt 18 Uhr die Prognose über den Bildschirm flimmert, schlägt Birte Pauls entsetzt die Hände vors Gesicht. Nur etwa 27 Prozent für ihre SPD – ein solch schlechtes Ergebnis hat die Direktkandidatin im Wahlkreis 5 (Schleswig) nicht erwartet. „Das ist sehr, sehr enttäuschend“, sagt die 51-jährige Landtagsabgeordnete bei der SPD-Wahlparty im Hotel „Deutscher Hof“. Ihr CDU-Kontrahent Johannes Callsen (51) jubelt zu diesem Zeitpunkt zu Hause in seiner Heimatgemeinde Mohrkirch. Bei diesem deutlichen Vorsprung auf Landesebene ist dem ehemaligen Landtagsfraktionschef klar, dass er das Direktmandat in seinem Wahlkreis, der vom Amt Geltinger Bucht über Kappeln bis nach Schleswig reicht, abermals direkt gewonnen hat.

Dennoch gibt sich Callsen betont zurückhaltend, als er um kurz nach 19 Uhr gemeinsam mit Freundin Ruth Köhler-Lassen im Kreishaus eintrifft. „Schleswig ist noch nicht ausgezählt. Mal sehen, ob es bei dem Vorsprung bleibt.“ Glückwünsche nimmt er dennoch schon entgegen. Am Ende liegt er mit 38,1 Prozent deutlich vor der Schleswigerin Birte Pauls, die auf 32,9 Prozent der Erststimmen kommt.

Der klare Sieg für die CDU sei auch für ihn überraschend, gesteht Callsen. Aber dass seine Partei vorne liegen würde, das habe sich abgezeichnet. „Die Stimmung ist in den letzten drei Wochen immer weiter gestiegen.“ Das habe er festgemacht an den vielen Menschen, die offensiv an die Infostände der Union herangetreten seien. „Die Wähler haben den Stillstand in unserer Region registriert“, so Callsen mit einem Seitenhieb gegen die noch amtierende Koalition. Und natürlich hat der CDU-Kreisvorsitzende auch reichlich Lob für seine Gefolgsleute parat: „Die Parteibasis hat unwahrscheinlich motiviert gekämpft. Es hat richtig Spaß gemacht.“

Birte Pauls, inzwischen ebenfalls im Kreishaus eingetroffen, sucht derweil nach einer Erklärung für das Debakel der SPD. „Ich habe so viele Haustürbesuche gemacht und viele Gespräche auf der Straße geführt – überall war die Stimmung gut“, sagt sie. Doch das, was die Regierung geleistet habe in den vergangenen fünf Jahren, habe man wohl nicht transportiert bekommen, so Pauls. Und auch das Interview von Ministerpräsident Torsten Albig in der Illustrierten „Bunte“ habe wohl Einfluss genommen auf das Wahlergebnis, räumt Pauls ein. „Das hat uns einige Frauenstimmen gekostet.“ Albig hatte in dem Interview davon gesprochen, dass er mit seiner von ihm inzwischen getrennten Ehefrau zuletzt nicht mehr auf Augenhöhe habe diskutieren können.

Ob Birte Pauls selbst zumindest über die Landesliste (Platz 8) ins Parlament einziehen kann, ist zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss. Vor fünf Jahren hatte sie kurz nach der Wahl als Nachrückerin einen Sitz im Landtag bekommen.

„Mit diesem Absturz der SPD hatte ich nicht gerechnet“, sagt FDP-Direktkandidat Carsten-Peter Brodersen. Auch er glaubt, dass das Albig-Interview eine Rolle gespielt hat. Dieses sei auf der Straße zuletzt ständig Thema gewesen, hat er registriert. Mit dem Abschneiden der Liberalen ist Brodersen indes zufrieden. „Auch wenn ich mein Ziel nicht ganz erreicht habe. Ich hätte mir gewünscht, dass wir allein zusammen mit der CDU eine Regierung bilden.“

Als schlichtweg „schwach“ bezeichnet Anke Schulz vom SSW das Ergebnis für ihre Partei. Sich und ihren Parteifreunden könne sie aber keinen Vorwurf machen. „Wir haben alles gegeben. Und die Stimmung auf der Straße war eigentlich gut“, sagt sie mit einem Anflug von Ratlosigkeit.

Anders ist die Laune bei Peter Wittenhorst, dem Direktkandidaten der Grünen, der 9,1 Prozent der Erststimmen holte. „Wir haben ein ganz passables Ergebnis erreicht“, sagt er mit einem Schmunzeln. Tatsächlich habe er damit gerechnet, dass die Grünen weniger Stimmen bekommen würden, allein schon wegen des Streitthemas Windkraft. „Im Wahlkampf habe ich aber gemerkt, dass die Wähler sehr auf die Personen achten.“ Und da habe man mit den Spitzenleuten Robert Habeck und Monika Heinold gut punkten können.

Und wie geht es jetzt weiter? „Ich kann mir Jamaika vorstellen“, erklärt Wahlsieger Johannes Callsen – also ein Bündnis aus CDU, Grünen und FDP.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen