Bürgerbegehren zur Schmid-Villa : Jetzt werden Unterschriften gesammelt

Katrin Herrmann von der Initiative „Bürgerbegehren Grundstück Schmid-Villa“ hat bereits die ersten 100 Unterstützer-Unterschriften beisammen.
Katrin Herrmann von der Initiative „Bürgerbegehren Grundstück Schmid-Villa“ hat bereits die ersten 100 Unterstützer-Unterschriften beisammen.

Initiative benötigt 1600 Unterstützer, damit es zum Bürgerentscheid gegen die geplanten Appartementhäuser am Stadthafen kommt.

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05. Januar 2015, 07:25 Uhr

Sechs Wochen der Vorbereitung sind vorüber. Seit diesem Wochenende sammelt die Initiative „Bürgerbegehren Grundstück Schmid-Villa“ Unterschriften, um die geplanten Appartementblocks am Stadthafen mit einem Bürgerentscheid zu verhindern. Wie häufig bei Bürgerentscheiden klingt die Frage, die zur Abstimmung steht, kompliziert und bürokratisch, damit sie den Erfordernissen der Gemeindeordnung genügt: „Soll der Aufstellungsbeschluss der Ratsversammlung der Stadt Schleswig hinsichtlich des Grundstückes Plessenstraße 1b über die Zulässigkeit einer Wohnanlage aufgehoben werden?“ Damit es zu einem Bürgerentscheid kommt, zu dem alle Wahlberechtigten zur Abstimmung gerufen werden, müssen 1600 Schleswiger das Bürgerbegehren mit ihrer Unterschrift unterstützen.

Initiativen-Sprecherin Katrin Herrmann ist zuversichtlich, diese Hürde zu nehmen. „Die ersten 100 Unterschriften haben wir schon“, sagte sie gestern. Dabei hat die heiße Phase noch gar nicht begonnen. Das wird erst nach der nächsten öffentlichen Versammlung an diesem Mittwoch, 7. Januar, ab 19 Uhr im Alten Kreisbahnhof geschehen. „Wir hoffen, dass dann wieder so viele Interessierte kommen wie bei unserem ersten Treffen im November“, sagt Herrmann. An einigen Haustüren haben sie und ihre Mitstreiter bereits mit Unterschriftenlisten in der Hand geklingelt. „75 Prozent der Leute reagieren positiv“, sagt sie. „Aber es gibt natürlich auch einige, die das Thema überhaupt nicht interessiert.“

Im Internet ist die Initiative bisher lediglich mit einer 140 Mitglieder starken Facebook-Gruppe präsent („Bürgerbegehren Grundstück Schmid-Villa“). Bis Mittwoch soll auch eine Webseite online gehen, auf der Unterstützer sich die Unterschriftenliste selbst herunterladen können. Auf diesem Dokument ist auch die offizielle Kostenschätzung der Stadt Schleswig nachzulesen, die seit Weihnachten vorliegt. Darin nennt die Stadt einen „Mindererlös“ in Höhe von 850.000 Euro, falls die Stadtwerke das Grundstück nicht wie geplant an den Investor Uwe Hahn verkaufen können, der die frühere Villa des Mobilcom-Gründers Gerhard Schmid abreißen möchte. Hahn plant eine Anlage mit bis zu fünf Stockwerken und 50 seniorengerechten Wohnungen.

Die Bürgerinitiative verzichtet auf die Möglichkeit, die Kostenschätzung um eine eigene abweichende Darstellung zu ergänzen. „Wir kommentieren das nicht“, sagt Herrmann. „Die Kostenschätzung kommentiert sich eigentlich von selbst.“ Weil die Stadt keinerlei Angaben dazu mache, auf welcher Grundlage sie die 850.000 Euro ermittelt habe, könne man sich mit dieser Zahl auch nicht seriös kritisch auseinandersetzen.

Die Stadtwerke hatten das Grundstück vor zwei Jahren im Paket mit dem angrenzenden Ufergrundstück, auf dem die Stadtwerke einen Wohnmobil-Parkplatz einrichteten, von Gerhard Schmids Ex-Frau Sybille Schmid-Sindram erworben – für 2,35 Millionen Euro. In „derselben Größenordnung“, so Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs, solle sich auch der Kaufpreis bewegen, den er von Uwe Hahn erhalten möchte. Das würde bedeuten, dass man im Rathaus und bei den Stadtwerken davon ausgeht, für das Grundstück mitsamt Villa noch rund 1,5 Millionen Euro zu bekommen, wenn die Appartementblocks nicht gebaut werden dürfen. „So kann man es deuten“, bestätigt zumindest der stellvertretende Bürgermeister Stephan Dose (SPD), der die Kostenschätzung unterschrieben hat.

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