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Mit dem bauern durchs Jahr : Jetzt gibt’s Dresche

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kaum ein Monat symbolisiert Landwirtschaft so sehr wie der von der Ernte bestimmte August – das gilt auch für den Lorenzenhof.

Schon mal was von Triticale gehört? Wahrscheinlich nicht, denn die Getreideart mit diesem seltsamen Namen, hinter der sich eine Kreuzung aus Weizen und Roggen verbirgt, führt in Deutschland nur ein Schattendasein. Obwohl, und das ist das Erstaunliche, fast nirgendwo auf der Welt so viel davon angebaut wird wie hierzulande. Statistisch gesehen liegt Triticale, das vorwiegend als Futtergetreide genutzt wird, bei den Anbauzahlen bundesweit sogar vor Roggen. Und so ist es auch auf dem Lorenzenhof in Langballig. Da beherrscht in diesen Wochen die Ernte das Geschehen. Rund 19 Hektar Roggen, drei Hektar Weizen, zwei Hektar Gerste und eben vier Hektar Triticale müssen dabei vom Mähdrescher der Lehmanns bearbeitet werden.

Eine Menge Arbeit also für das betagte Gefährt, das auf den Feldern des Lorenzenhofes bereits seit vielen Jahren treue Dienste leistet. Und damit das trotzt eines Alters von deutlich über 30 Jahren auch weiterhin der Fall ist, wird die Maschine jeden Morgen vor dem Einsatz auf Vordermann gebracht. „Damit startet unserer Tag, denn ganz früh fangen wir nicht mit dem Dreschen an, weil dann noch Tau liegt und wir möglichst trockenes Getreide ernten wollen“, erklärt Biolandwirt Matthias Lehmann, der bei der Ernte – wie in jedem Jahr – auf eine ganze Schar von freiwilligen Helfern zählen kann.

Und die braucht es auf dem Lorenzenhof auch, denn hier ist bei den meisten Aufgaben noch Muskelkraft gefragt – insbesondere, wenn es darum geht, die über 4000 Strohballen auf den Feldern zunächst per Forke auf einen Anhänger zu wuchten und sie hinterher auf dem Heuboden über dem Kuhstall zu stapeln. Nicht selten merken also die Bewohner des Hofes, einige Praktikanten sowie Kinder und Jugendliche aus dem Dorf, die einfach Freude daran haben, auf den gold-gelben Feldern mit anzupacken, am Ende des Tages das ein oder andere Ziehen im Rücken oder in den Oberarmen.

Das gilt auch für Nikolai Lehmann (21). Der jüngste Sohn der Familie ist in den Semesterferien von Konstanz extra auf den elterlichen Hof gekommen, um bei der Ernte und beim Stroh-Einholen zu helfen. „Zum Glück, er nimmt uns viel Arbeit ab, packt mit an, organisiert“, lobt Vater Matthias Lehmann, der sich somit nebenbei auch mal um das letzte in diesem Jahr geboren Kälbchen oder den Papierkram, zurzeit also insbesondere den Verkauft des Getreides, konzentrieren kann. Wie viel genau er am Ende an der Ernte 2013 verdienen wird, weiß es zwar noch nicht. Aber es sei ein gutes Jahr, „das kann man wohl sagen“. So sei der Ertrag beim Roggen wohl 20 Prozent höher als im Sommer 2012. „Und da es wirklich guter Brotroggen ist, hoffe ich natürlich auf einen guten Preis“, sagt Lehmann.

Seine Frau Sabine steht derweil vor ganz andere Herausforderungen. Sie muss zurzeit täglich dafür sorgen, dass 18 Menschen satt werden. Denn nicht nur Bewohner und Praktikanten tummeln sich auf dem Lorenzenhof, auch Freunde der Familie verbringen hier gerade ein paar Tage Urlaub. „Aber das passt schon, hier ist einfach immer was los“, sagt sie und erntet ein Kopfnicken von ihrem Mann. „Es gab wirklich noch nie einen Tag, an dem es langweilig wurde. Deshalb ist es für mich auch der schönste Beruf der Welt, den ich habe. Und je älter ich werde, desto mehr weiß ich es zu schätzen.“

Das wiederum sehen offenbar auch andere Menschen so. Kürzlich kam nämlich ein älterer Herr (oder besser „Fan“, wie Sabine Lehmann mit einem Augenzwinkern sagt) am Hof vorbei. Der machte etliche Fotos und Videos vom Treiben auf den Felder und in der Scheune. Und er zeigte sich insbesondere begeistert vom alten Mähdrescher. Erst recht, nachdem er als Beifahrer ein paar Runden mitfahren durfte.

 

 

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erstellt am 31.Aug.2013 | 07:45 Uhr

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