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Holmer Fischer klagen : Jeden Tag Müll in den Netzen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Bereiche rund um den Wikingturm und den Parkplatz auf der Freiheit sind besonders betroffen.

von
erstellt am 13.Nov.2017 | 07:00 Uhr

Das Schlimmste, sagt Jörn Ross, seien die vielen Schietbüdel. „Oder besser gesagt das Ekligste“, korrigiert sich der Ältermann der Holmer Fischer selbst. Fest steht aber so oder so: In den Netzen von ihm und seinen Kollegen landet tagtäglich viel zu viel Müll. Da sind Hundekot-Beutel nur die Spitze des Eisberges.

„Es ist manchmal schon ziemlich heftig, was da im Laufe einer Woche zusammenkommt“, sagt Ross und schaut auf einen Haufen der gesammelten Werke. Ein Autoreifen, Flaschen, Gelbe Säcke, Plastikbecher, ein Teppich und noch viele anderen Dinge, die sicherlich nichts ins Schleiwasser gehören, liegen da zusammen. Zwei Fahrräder, die er ebenfalls vor ein paar Tagen gefischt hat, sind gar nicht dabei. „Einiges habe ich schon entsorgt, dabei war das diesmal insgesamt noch recht wenig. Es gibt Zeiten, da hole ich noch deutlich mehr von dem Zeug an Land.“

Dass auch heutzutage noch so viele Leute so viel Müll einfach in der Natur entsorgen, macht den Fischer sauer – und gleichzeitig ratlos. Beispiel Wikingturm: Dort gebe es Bewohner, die offenbar keine Lust hätten, den Weg zum Mülleimer auf sich zu nehmen und stattdessen Flaschen oder Pizzakartons einfach aus dem Fenster werfen, „und zwar regelmäßig“, wie Ross betont. Zudem sei das Wasser im Hafen rund um Schleswigs größtes Wohnhaus regelmäßig voll von Fahrrädern. „In meinem besten Jahr habe ich 27 Räder aus der Schlei gezogen, die meisten davon am Wikingturm, andere nahe der Schleuse an der Schleistraße“, sagt Ross mit einem leicht ironischen Ton in der Stimme.

Man könnte ein ganzes Buch füllen, wollte man all die Dinge aufzählen, die der Fischer in den vergangenen Jahren aus der Schlei gezogen und somit entsorgt hat: Mehrere Autos waren dabei, aber auch viele Einzelteile wie Reifen oder Batterien. Ebenso stoßen er und seine Kollegen immer wieder auf versenkte Boote, die die Besitzer mit Löchern versehen, um sie kostengünstig auf dem Grund des Meeresarmes zu entsorgen. Auch einzelnes Schiffszubehör finde man in Hülle und Fülle. „Fender, Anker oder Bootshaken habe ich noch nie kaufen müssen. Davon gibt es genug in der Schlei“, sagt Ross. Das gleiche gelte für Mützen und Hüte. Auch etliche Weihnachtsbäume und sogar einen Festtagsbraten habe er schon im Netz gehabt. Und leider immer wieder auch solche Dinge wie die besagten Schietbüdel, Kondome oder Damenbinden.

Unverbesserliche, das weiß auch Ross, gibt es immer wieder. Aber gerade von Bootsbesitzern und Strandgästen erhofft er sich mehr Rücksicht. Denn es sei auffällig, dass gerade rund um die Häfen, viel Müll im Wasser treibe, insbesondere Flaschen, Dosen und Becher. Das gelte auch für die Badestellen und die Orte am Ufer, an denen Partys stattfinden. „Wenn irgendwo abends was los war, ist es sicher, dass wir das am nächsten Tag in unseren Netzen zu spüren bekommen“, sagt er. Der Parkplatz auf der Freiheit sei dabei eines der Haupt-Sorgenkinder. Bierflaschen, Hamburger-Verpackungen oder auch alte Klappstühle finde man dort regelmäßig im Wasser.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass einem immer mal etwas aus dem Boot ins Wasser fallen kann“, sagt Ross. Aber in diesen Massen? „Nein, das muss sicherlich nicht sei“, fügt er an und berichtet von einer Geschichte, die ihm neulich sein Sohn Nils, ebenfalls Fischer, erzählt hat. Der habe beobachtet, wie ein Segler seinen Kopf aus der Kombüse seines Schiffes steckte und dann einen vollen Müllsack einfach ins Wasser warf. „Da fällt einem doch nichts mehr zu ein, oder?“ fragt Ross.

Denn am Ende sei nicht nur die Natur, sondern auch der Fischer der Leidtragende. „Natürlich verstopft all das Zeug unsere Netze, die deshalb weniger Fisch fangen, dafür aber kaputt gehen und von uns aufwändig repariert werden müssen“, sagte er. Außerdem müsse er vieles von dem, was er da so außer Fischen mit nach Hause bringt, in der privaten Mülltonne entsorgen. Die platze deshalb aus allen Nähten. Da nützt es ihm auch nichts, dass er hin und wieder ganze Mülleimer aus der Schlei zieht.

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