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LEsung im OLG : Jan Christophersen und die Geschichte einer tiefen Freundschaft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Ulsnisser Schriftsteller Jan Christophersen las im Plenarsaal des Oberlandesgerichts aus seinem viel beachteten neuen Roman „Echo“.

Bereits bei seinem ersten Buch hatte Konstanze Görres-Ohde prophezeit, dass man von diesem Autor noch einiges zu erwarten hätte. Sein erster Roman „Schneetage“ wurde zu einem kleinen Bestseller, wie die Vorsitzende der Schleswiger Gesellschaft Justiz und Kultur formulierte, und 2009 unter anderem mit dem Debütpreis des Buddenbrockhauses ausgezeichnet. Am Montagabend konnte Görres-Ohde den Autor Jan Christophersen im gut gefüllten Plenarsaal des Oberlandesgerichts zu einer Lesung aus seinem im Frühjahr erschienen, zweiten Roman „Echo“ begrüßen.

„Liebe Gesa, wieder mal unterwegs (...)“, beginnt Jan Christophersens Roman mit einer Postkarte, die Tom an seine Freundin Gesa schreibt. Immer wieder tauchen diese kurzen Nachrichten auf und sind über lange Zeiträume hinweg die einzige Verbindung zwischen den Beiden. Die Geschichte des gebürtigen Flensburgers dreht sich im weitesten Sinn um eine tiefe Freundschaft. Doch diese kurze Beschreibung wird dem, was der Autor dem Publikum mit großem Einfühlungsvermögen vorlas, keinesfalls gerecht. Viel mehr steckt in dieser Freundschaft, die ein bloßes Wort nicht definieren kann. Sie reicht über Jahrzehnte und übersteht die Entwicklung ihrer zwei Protagonisten, die auch der Leser durchlebt – Gesa, der Zuhausebleiberin, und Tom, dem Weggeher.

1989 – Gesa und Tom haben eigentlich keinen guten Start. Gesa soll, davon wenig begeistert, während einer Klassenfahrt nach Polen auf den zweieinhalb Jahre jüngeren Tom aufpassen. Schnell entwickelt sich zwischen ihnen jedoch eine Vertrautheit, die ohne viele Worte auskommt. Während Tom mit seiner Band in die Welt hinauszieht, bleibt Gesa in Flensburg und gründet eine Familie. Seltene Besuche, gemeinsames Musikhören im Gartenhaus, Erwachsenwerden, verpasste Chancen, zerstörerisches Schweigen, Katastrophen – eine Freundschaft, die offenbar nur auf Distanz funktioniert und die doch sehnsüchtig genau das Gegenteil will.

All das verarbeitet Jan Christophersen in seinem Roman. Er lässt seine Zuhörer die Zwiespälte seiner Protagonisten spüren, ihre Gedanken lesen. Er nimmt sie mit nach Flensburg, in die Dünen der polnischen Küste – auch auf eine Reise in seine eigene Vergangenheit, als er selbst mit einer Schulband nach Polen fuhr. Und obwohl er durchaus autobiographische Elemente für seinen Roman nutzte, sind es doch nur Schauplätze und Situationen, in denen er seine Protagonisten platziert.

Jan Christophersen versteht es mit großem Geschick vor den inneren Augen seiner Leser Bilder zu zeichnen und Atmosphäre zu schaffen. Ein Roman, der mitfühlen lässt und auch aufgrund seiner sprachlichen Nähe zum großen Erzähler Siegfried Lenz einfach Spaß macht.

 

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