zur Navigation springen

Heimatverein Angeln : Jahrbuch im Zeichen der NS-Zeit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Heimatverein der Landschaft Angeln stellt sein neues Jahrbuch vor.

Das Titelbild des neuen Jahrbuchs des Heimatvereins der Landschaft Angeln lässt den Themenschwerpunkt erahnen: der Nationalsozialismus in Angeln. Zu sehen ist der Aufmarsch zum 1. Mai 1934 mit Hakenkreuzfahne in Gelting. Das 300 Seiten dicke Buch, das in einer Auflage von 3400 Exemplaren gedruckt wurde, stellte der Schriftleiter des Heimatvereins der Landschaft Angeln, Mathias Jürgensen, in Anwesenheit der Autoren den Vertrauensleuten vor und empfahl es zur allgemeinen Lektüre.

Jürgensen, seit 2015 Schriftleiter, umriss die Zeit des Dritten Reichs und betonte, dass es in der heutigen Zeit, in der vielen Menschen die Demokratie nicht mehr so viel wert zu sein scheine, sich viele nach einem „starken Mann“ sehnen. Deshalb sei es notwendig zu verdeutlichen, welche Auswirkungen und Begleiterscheinungen eine Diktatur mit sich bringen kann. Das nachzulesen ist in einem Bericht von Matthias Schartl, der über die „NS-Agrarpolitik und Reichserbhöfe in Angeln 1933-1945“ informiert.

Auch der 1928 gegründete Heimatverein selbst war von den Auswirkungen des Nationalsozialismus betroffen: 1934 wurde der amtierende Vorstand ab- und durch Parteimitglieder ersetzt. Als der Spuk, so Mathias Jürgensen, vorbei war, setzte der alte Vorstand ab 1946 seine Arbeit fort.

Zum Thema Nationalsozialismus hat der Autor Wolfgang Jonas Berichte über „Die Jahre des Dritten Reiches in Gelting“ beigesteuert, Frenz Peter Wieken schrieb „Kriegs- und Nachkriegszeit unserem Kirchspiel Havetoft“. Enthalten ist auch ein Kapitel aus den „Dorfgeschichten“ von Hannelore Jeske aus Sörup-Mühlenholz. Dieser überwiegend in plattdeutscher Sprache gehaltene Bericht befasst sich unter anderem mit Flucht und Flüchtlingen. Auch ein Bericht über Verfolgungen von Zeugen Jehovas in Süderbrarup und Flensburg ist im Buch enthalten. Bernd Philipsen beschreibt, wie sie gequält und getötet wurden. Zudem informiert das Jahr buch auch darüber, dass sich bei Kriegsende Nazi-Größen in Kollerup versteckten.

Neben diesem Schwerpunkt Nationalsozialismus befasst sich das Buch mit anderen spannenden Themen. Eigens aus Klein-Machnow zur Jahrbuch-Vorstellung angereist war Helga Tödt, die über das Leben des Kaufmanns Caspar Andreas Ziese (geboren 1768) berichtet. Zu den weiteren Themen gehören das „Schwert von Brarupholz“, die Leuchtturmwärter von Falshöft, der Auftritt der Angler Speeldeel in Berlin aus Anlass des Reformations-Jubiläums und die Angeln-Saga. Außerdem geht es um Eiskeller. Und dann beinhaltet das Jahrbuch auch noch „Eine Annäherung an Liedermacher Wolf Biermann“, verfasst von dem Schriftleiter selbst. Biermann und seine Frau Pamela haben Angeln lieben gelernt.

Der Heimatvereinsvorsitzende Eduard Büll bezeichnete das Jahrbuch 2017 bei der Vorstellung als ein schönes Werk und wies darauf hin, neue Bücher gedruckt werden, wenn die Auflage wegen der großen Nachfrage vergriffen sei. Auch aus den Reihen der Mitglieder gab es viel Anerkennung, besonders von Wolfgang Börnsen. Das Jahrbuch sei gekennzeichnet von einer großen Qualität, betonte er und fügte hinzu, dass es das Gedächtnis der Landschaft Angeln sei. Sich derart intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinander zu setzen, sei mutig und richtig.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen