Jagel wehrt sich gegen Einbrecher

Jagels Gemeindevertretung rund um Bürgermeister Jörg Meier (4. von links) setzt im Kampf gegen die Täter auf eine wachsame Nachbarschaft.
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Jagels Gemeindevertretung rund um Bürgermeister Jörg Meier (4. von links) setzt im Kampf gegen die Täter auf eine wachsame Nachbarschaft.

Immer wieder werden Häuser in der Gemeinde an Autobahn und B 77 heimgesucht – eine aufmerksame Nachbarschaft soll Abhilfe schaffen

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23. Juni 2014, 11:31 Uhr

Schnell und lautlos erreichen sie ihr Ziel – und ebenso schnell sind die Diebe wieder weg: Derzeit überrollt die Gemeinde Jagel eine Reihe von Einbruchdiebstählen. Offenbar ist die verkehrsgünstige Lage des Ortes am der Bundesstraße 77 den Tätern dabei von Vorteil – die nahe Autobahn und das Wegenetz bietet ihnen viele Möglichkeiten, schnell in die unterschiedlichsten Richtungen zu verschwinden.

Die letzte Einbruchserie erlebten die Jageler über die Pfingstfeiertage. Unter den Opfern war auch die Familie S., – bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Seitdem liegen die Nerven blank. Auf der Suche nach Wertgegenständen hatten die Täter das ganze Einfamilienhaus der Familie durchwühlt – und damit das Grundvertrauen in die Sicherheit des Familienlebens zerstört. „So ein Einbruch bringt eine so starke psychische Belastung mit sich. Das wünscht man niemanden“, so der Familienvater.

Für Jagels Bürgermeister Jörg Meier war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Ich bin selbst schon zweimal Opfer von Einbrüchen geworden. Das ist zwar schon einige Jahre her, aber ich weiß noch sehr genau wie sich das anfühlt – und welche Auswirkungen es für eine Familie hat, wenn die Privatsphäre so zerstört wird.“

Es entstand die Idee der aufmerksamen Nachbarschaft. „Wir müssen die Bürger sensibilisieren, um mögliche Gefahren einzudämmen. Wachsamkeit kann durchaus ein Einbruchschutz sein“, sagt Meier. Von einer Bürgerwehr kann in Jagel keine Rede sein. Die Gemeindevertreter wollen lediglich erreiche, dass Nachbarn Augen und Ohren offen halten – und einfach die Polizei anrufen, wenn sie etwas Verdächtiges beobachten. „Es geht darum, dass wir alle ein wenig aufmerksamer werden und auch einmal schauen, was in unserer Umgebung los ist“, sagt Meier. „Wenn dadurch auch nur ein Einbruch verhindert wird, hat sich die Sache auf jeden Fall schon gelohnt.“

Ab Herbst sollen an den Ortseingängen und im Dorf entsprechenden Schilder aufgestellt werden, die die Einheimischen sensibilisieren und die Täter abschrecken sollen. „Der Zeitpunkt liegt nahe, weil dann wieder die dunkle Jahreszeit beginnt und die Zahl der Einbrüche erfahrungsgemäß steigt“, erklärt der Bürgermeister.

Die Polizei begrüßt Nachbarschaftshilfe und hat zu diesem Thema auch ein informatives Faltblatt veröffentlicht. Dabei gehe es nicht um Schnüffeln oder Spionieren, sondern um die Mitverantwortung für das Wohl der Nachbarn. Autos mit auswärtigen Kennzeichen, die mehrmals langsam durchs Wohngebiet fahren, Fremde die im Haus bei mehreren Wohnungen läuten oder auf dem Nachbargrundstück umherstreichen – all dies sind nach Auffassung der Polizei Gründe, die 110 anzurufen und der Polizei von dem Verdacht zu berichten. „Haben Sie keine Scheu, diese Nummer zu wählen“, lautet die Botschaft.

Die Polizei listet in der InformationsBroschüre zudem weitere Indizien auf, die auf ungebetene Gäste bei den Nachbarn hinweisen könnten: Flackerndes, abgeschirmtes Licht scheint im Dunkeln aus dem Nachbarhaus oder Ladengeschäft nebenan, Fenster sind ungewohnt verhängt – vielleicht sind gerade
Einbrecher am Werk. Unbekannte warten scheinbar grundlos auf der Straße, im Hausflur oder im geparkten Auto – vielleicht steht jemand bei einer Straftat Schmiere. Eine oder mehrere Personen halten sich auffällig lange vor einer Haus- oder Garagenwand auf – vielleicht suchen Sprayer ein geeignetes Objekt für Sachbeschädigung oder Vandalismus. In all diesen Fällen gilt: 110 anrufen.

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