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Grossmanöver Jawtex : Jagel: Mission über der Insel Pandora

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Beim Großmanöver Jawtex wird das Zusammenspiel der Luftwaffe mit Heer und Marine sowie anderen Nato-Partnern geübt – gestartet wird in Jagel.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 12:15 Uhr

Jagel | Das Reißverschlusssystem ist sinnreich – nicht nur beim Einfädeln auf die Autobahn: In schneller Folge rollen 18 Jets von beiden Seiten auf die breite Startbahn des Fliegerhorstes Schleswig-Jagel: finnische F-18 vom Süden, ungarische Gripen und griechische F-16 von Norden, Tornados aus Italien wiederum standesgemäß aus Süden und ihre deutschen Gegenstücke aus der anderen Richtung. Minutenlang hallt der Lärm der Nachbrenner über die Heimat des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“, dann herrscht wieder Stille auf der Haupteinsatzbasis für Jawtex 2014. Die Abkürzung steht für Joint Air Warfare Tactical Exercise – Gemeinsame taktische Luftkriegsübung – und ist das größte Manöver der Bundeswehr in diesem Jahr. Im Mittelpunkt steht das Zusammenwirken der Luftwaffe mit Heer und Marine.

„Das ist sozusagen eine ganze Reihe kleinerer Übungen, die wir in einen großen Zusammenhang gebracht haben“, erläutert Oberstleutnant Nils Graß. Der 36-Jährige ist Tornado-Waffensystemoffizier und im Geschwader der stellvertretende Projektoffizier für Jawtex. „Die Flugzeuge, die von hier starten, greifen simuliert Bodenziele an, aber auch Schiffe der Marine; sie eskortieren Transall-Transportflugzeuge aus Hohn mit Fallschirmjägern zum Absetzpunkt und halten im Zielgebiet die Luftabwehr nieder. Dabei müssen sie sich gegen Angreifer wehren, die sie aufhalten wollen – am Boden die Flugabwehrraketen-Stellungen und in der Luft meistens Eurofighter aus Laage oder Wittmund“, beschreibt Graß das Geschehen. Doch auch die in Schleswig stationierten Jagdflugzeuge der Nato und Finnlands beschränken sich nicht nur darauf, ihre Kameraden in den Jagdbombern auf dem Weg zu den Zielen zu schützen, sondern wechseln auch bisweilen von der „blauen“ auf die gegnerische „rote“ Seite. Wie die Fregatte „Hamburg“, die auf die Bekämpfung von Flugzeugen spezialisiert ist und öfters als Angriffsziel dient, aber auch mal die Verteidigung der „blauen“ Streitmacht unterstützt. „Das ist für die Schiffsbesatzung schon eine wertvolle Erfahrung, mit so vielen Flugzeugen üben zu können.“ Und natürlich muss das alles geplant und organisiert werden. Die Übungsleitung befindet sich auf dem Fliegerhorst Holzdorf in Brandenburg, von wo aus auch deutsche, österreichische, Schweizer und slowenische Hubschrauber fliegen. Höchst unterschiedliche Anforderungen also an die 4200 Übungsteilnehmer aus zwölf Nationen, von denen allein 800 Externe aus sieben Ländern im Bereich der „Immelmänner“ untergebracht sind. „300 Wohn- und 150 Büro-Container haben die Soldaten des Husumer Spezialpionierbataillons 164 dafür bei uns aufgebaut.“ Dazu kommen noch 150 Teilnehmer aus dem Geschwader selbst, das zudem die Unterstützung für den Übungsbetrieb mit 43 Flugzeugen stemmen muss.

Auch hier gibt es „Exoten“ wie die Slowenen mit ihren propellergetriebenen PC-9, die vor den Jets gestartet sind, um auf dem Truppenübungsplatz Munster die ihnen zugewiesenen Bodenziele anzugreifen. Und nachdem sie auf dem Weg waren, kehrten holländische F-16, italienische AMX und deutsche Tornados aus Büchel von einer vorhergehenden Mission zurück. „Zwei Runden täglich werden bis zum Ende der Übung am Donnerstag nächster Woche geflogen“, sagt Graß. „Vormittags sind 30 Starts geplant, am Nachmittag 32.“ Danach verlassen die Maschinen schnell den Schleswiger Luftraum, denn das Übungsgebiet verteilt sich auf ganz Norddeutschland sowie die Nordsee: „Wir haben verschiedene Lufträume zur Verfügung, die gegenüber den normalen Übungslufträumen erweitert und durch Korridore verbunden sind“, erläutert der Oberstleutnant.

Das Übungsgebiet stellt eine simulierte Insel namens Pandora dar, die – in fünf Nationen gesplittet – von regionalen grenzübergreifenden Konflikten erschüttert wird. Eines dieser Länder, in der Realität Schleswig-Holstein und Nord-Niedersachsen, ist neutral – und von dort aus versuchen die Nato-Kräfte, die Lage zu stabilisieren. Mit der Krise in der Ukraine hat das Szenario nichts zu tun: „Das ist eher am Zerfall des ehemaligen Jugoslawien orientiert“, sagt Graß. „Die Grundplanung der Übung hat vor zwei Jahren begonnen und die Feinplanung vor einem, da war die aktuelle Lage nicht einmal zu erahnen.“

Alle Operationen finden von einem Container-Dorf auf dem Fliegerhorst Jagel aus statt, wo es gemeinsame Briefing- und Planungsräume gibt, aber auch jede Nation ihren eigenen Platz hat. Etwa die Griechen, die mit ihren F-16 von Souda gekommen sind, einem Flugplatz auf Kreta, der wegen seiner großen Startbahn sogar als möglicher Notlandeplatz für die Space Shuttles der Nasa diente, so lange diese noch flogen. „Durch die besondere Lage haben wir auch häufig alliierte Flugzeuge zu Gast und richten selber viele lokale Übungen aus“, erzählt Hauptmann Emmanuel Papadakis. Dem 31-Jährigen gefällt bei Jawtex besonders, dass er beobachten kann, wie andere Nato-Nationen arbeiten. Und natürlich sei es auch schön, am Wochenende, wo nicht geflogen wird, Land und Leute kennenzulernen: „Die freie Zeit nutzen wir, um die Städte in der Umgebung anzusehen.“ Dabei steht natürlich Hamburg ganz oben auf der Liste – auch schon am vergangenen Wochenende, während des Hafengeburtstags. „Aber der fiel ja ins Wasser“, sagt Oberstleutnant Graß. Wichtiger ist ihm aber, dass das Wetter unter der Woche im Übungsgebiet mitspielt. „Wir haben das Manöver ja nicht umsonst auf den Monat Mai gelegt. Da sollte es eigentlich klappen.“ Und wenn es so klappt wie vorgesehen, wird Jawtex 2014 kein einzelnes Manöver bleiben, sondern – zur Serie ausgebaut – künftig alle zwei Jahre stattfinden. Daher seien diese beiden Übungswochen für die Planer und Projektoffiziere auch eine Lernphase. „Wir sehen uns alles an, und wo etwas nicht perfekt funktioniert, sorgen wir beim nächsten Mal dafür, dass es reibungslos läuft.“

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