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Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 13:25 Uhr

Jagdszenen in leuchtenden Farben

vom

Mit Helm, Schonern, Brustpanzer und Druckluftflasche ausgestattet scheuchen sich Spieler durch die Paintball-Halle in Neuberend

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Neuberend | Über dem Eingang des lang gestreckten grünen Gebäudes in Neuberend weist ein Schild noch auf dessen ursprüngliche Funktion hin: Tennishalle. Doch seit März fliegen dort keine Tennisbälle durch die Luft, sondern kleine Kugeln - gefüllt mit Lebensmittelfarbe. Frank Junge aus dem nordfriesischen Lütjenholm hat die verwaiste Halle zur neuen Heimat für Paintballspieler im Norden gemacht. Paintball ist ein Mannschaftssport, bei dem sich die Spieler mit Farbkugeln aus Druckluftwaffen beschießen.

Junge selbst spielt seit neun Jahren Paintball und hat bereits eine Halle in Bredstedt. Dort spielen 130 Spieler, darunter fünf Frauen. Viele kommen aus Skandinavien, "Schleswig ist wegen der besseren Autobahn-Anbindung der perfekte Standort", erklärt er. Abgesehen von bis heute erhaltenen alten Bodenmarkierungen für die Tennisfelder hat sich in der Halle einiges getan. Im hinteren Bereich ist eine Westernstadt im Entstehen, in der Gruppen zwischen Saloon und Nebelmaschine um Türme kämpfen sollen. "Dabei entsteht ein Kreislauf aus Erobern und Verteidigen, bei dem Punkte gesammelt werden", so Junge.

Der vordere Teil der Halle ist ein rundum mit Netzen versehenes 35 Mal 46 Meter großes Turnierfeld mit auf-blasbaren Hindernissen. Dort robbt gerade ein Spieler der dänischen "Ugly Ducklings" in voller Turnierausrüstung mit Helm, Schonern, Brustpanzer und Druckluftflasche entlang, während seine Mitstreiter versuchen, den Gegner "Pain Fight" aus Schwerin mit ganzen Salven an Farbkugeln in Schach zu halten.

"Beim X-Ball versuchen zwei gegnerische Mannschaften mit je fünf Spielern, den Buzzer des Gegners zu drücken, um so Punkte zu sammeln. Nach dem Buzzern wird das Spiel für zwei Minuten unterbrochen", erkärt Junge das Strategiespiel, das Teil der Deutschen Paintball Liga (DPL) ist. Während der Pause würden die Spieler Anweisungen vom Coach in der "Pitbox" erhalten, wo zudem Ersatzspieler und die Crew stehen. Letztere helfen beim Saubermachen und Auffüllen der Druckflaschen. Nach den zwei Minuten startet das nächste "Spiel im Spiel", bis die zehnminütige Spielzeit abgelaufen ist. Steht es dann unentschieden, gibt es eine Verlängerung. "Dabei werden zwischen 15 000 und 20 000 Farbkugeln pro Team verschossen", so Junge.

Treffen dürfe man den ganzen Körper, auch den Kopf. "Da tut es eigentlich am wenigsten weh, aber man kann einen Schrecken bekommen", meint der Nordfriese. Daher sei das Spiel erst ab 18 Jahren freigegeben. Wurde man getroffen, muss man die Hand auf den Kopf legen und aus dem Spielfeld gehen. Zehn Schiedsrichter sollen verhindern, dass Spieler sich die Farbe heimlich abwischen. "Das macht keiner und trotzdem jeder", sagt der erfahrende Paintballer, der sechs Jahre lang Turniere gespielt hat. "Irgendwann war mein Adrenalinspiegel so hoch, dass meine Hände stark zitterten und seitdem lasse ich die Jungen spielen". Bei diesen sei Teamgeist gefragt: "Ein Einzelspieler kommt nicht weit."

Die zwei eigenen Teams trainieren mittwochs und freitags in der Halle. "Fraggle Army", benannt nach einer englischen Kinderserie, spielt derzeit in der dritten Bundesliga. "Unser Ziel ist der Aufstieg in die zweite Bundesliga, wo derzeit zwölf Teams spielen", sagt Junge. Das zweite Team "Fraggle Rock" besteht aus drei Mannschaften und spielt in der Verbandsliga. Deutschland habe eine der größten Paintball-Ligen weltweit, in der auch Teams aus Nachbarländern antreten, so wie die "Ugly Ducklings". "Letztes Jahr spielte sogar ein griechisches Team in einer deutschen Regionalliga und kam extra für die Spiele eingeflogen." In der größten Liga "Millennium-Series" spielen europaweit 200 Teams vor tausenden Zuschauern.

Für die Neuberender Halle hat Frank Junge noch viel vor: "Auf dem Turnierfeld sollen noch Kameras für einen Livestream installiert werden." Daneben seien "Bumper Ball", Bogenschießen, Axtwerfen und "Laser Tag" geplant, das gerade Minderjährige gerne spielen.

"Wer Paintball ausprobieren möchte, kann als Einzelspieler oder Gruppe eine Ausrüstung leihen und Spaß haben", so Junge. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.paintball-arena-schleswig.de.

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