„Jäger sind Katastrophenschützer“

Mit viel Interesse und Sachkunde betrachteten die Jäger die Trophäen der Kollegen.
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Mit viel Interesse und Sachkunde betrachteten die Jäger die Trophäen der Kollegen.

Kreisjägertag Schleswig: Landrat Buschmann hofft auf Hilfe bei afrikanischer Schweinepest / Sorge um Niederwild und Fasane

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17. Mai 2018, 11:04 Uhr

Es war ein guter Abend für die Kreisjägerschaft Schleswig. Der Saal im Lürschauer „Ruhekrug“ war mit mehr als 100 der insgesamt 950 Mitglieder prall gefüllt, an den Wänden war eine beeindruckende Auswahl von Trophäen aus dem vergangenen Jahr zu sehen, für die eine ganze Reihe von starkem Rot-, Dam- und Rehwild den Kopf hatte hinhalten müssen – und auch die Mitteilung, dass sich 70 junge Jäger zurzeit in den Prüfungen befinden, sorgte für gute Stimmung. Und als dann auch noch Landrat Wolfgang Buschmann die Jäger in seinem Grußwort als Spezialisten für Tier-, Umwelt- und Naturschutz über den grünen Klee lobte, ging das den Jägern, die sich in der Öffentlichkeit häufig Kritik ausgesetzt sehen, ’runter wie Öl. Und Buschmann ging sogar noch einen Schritt weiter. Vor dem Hintergrund der drohenden afrikanischen Schweinepest bezeichnete er die Jäger als Katastrophenschützer, als schnelle Eingreiftruppe für den Fall, dass die Viren den Kreis Schleswig-Flensburg erreichen sollten. Dann nämlich müssten möglichst alle Wildschweine getötet werden.

Und so kam es auch gut an, dass Buschmann eine Abschussprämie von 50 Euro pro Wildschwein versprach und ankündigte, der Kreis werde künftig die Gebühren für die obligatorische Trichinenschau übernehmen. „Sie sind gefragt“, sagte der Landrat den Jägern, „ich bin froh, dass es Sie gibt.“

Wolfgang Heins, der Präsident des Landesverbandes, betonte, dass die Jäger bereit seien, ihre Verantwortung zu übernehmen. Er drückte allerdings auch seine Sorgen über den Rückgang des Niederwildes aus. „Diese Tiere dürfen nicht unter die Räder kommen, zurzeit sind sie die Verlierer der landwirtschaftlichen Veränderungen.“

Kritisch zeigte sich Kreisjägermeister Hans-Wilhelm Schlüter. „Wir wissen, was zu tun ist, wenn die Schweinepest auf uns zukommt“, sagte er, „da gibt es gute Absprachen.“ Aber wenn das Land in dieser Situation den Jägern zugestehe, Schalldämpfer zu benutzen und Geld für die Instandhaltung der Schießstände gebe, sei das reiner Aktionismus. „Die Politiker tun das der Not gehorchend, um später sagen zu können, die hätten alles zur Eindämmung der Schweinepest getan.“

Bei der Erläuterung der Strecke (siehe Infokasten) der Kreisjägerschaft Schleswig wies Schlüter auf die „niedrige Zahl“ der geschossenen Hasen und Fasane hin. Und auf die Tatsache, dass es enorm viele Marderhunde gebe. Die Zahl der Abschüsse habe sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht. Zu den Zahlen der gestreckten wildernden Hunde und Katzen gab es keine Angaben.

Versammlungsleiter Claus Henning Jensen, der Vorsitzende des Kreisverbandes, sprach rückblickend von einer positiven Jahresbilanz, kritisierte aber, dass der Einfluss des Nordens im Landesverband zu klein sei: „Das empfinde ich als unfair“, sagte er.

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