zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

23. September 2017 | 02:30 Uhr

Hollingstedt : Jäger erfindet Warnsignal für Rehe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Hochfrequenz-Ton soll Rehe warnen, wenn der Mähdrescher kommt. Die Versuchsphase im vergangenen Jahr war erfolgreich.

In der Erntezeit – wenn Grassilage und Heu eingefahren werden und später bei der Getreideernte – werden trotz großer Sorgfalt der mähenden Landwirte immer wieder getötete Rehkitze gefunden, die den gewaltigen Mähwerken zum Opfer gefallen sind. Selbst wenn sich die landwirtschaftlichen Maschinen nähern, verlassen die Kitze nicht ihren Liegeplatz. Ein Graus für den Hollingstedter Jäger Bruno Krüger, der eine Lösung für das Problem gesucht – und gefunden hat.

Vieles ist schon versucht worden, um die Muttertiere mit ihren Kitzen von den zu mähenden Grasflächen zu vertreiben. Teilweise werden die Felder von innen nach außen gemäht, um die Tiere aus dem Feld herauszutreiben. Bauern befestigen vor dem Mähen Plastikfolien und Luftballons an Stöcken, damit das Wild aufgescheucht wird. Und Jäger suchen vor der Mahd das Feld mit Jagdhunden ab, um Jungtiere von den Flächen zu vertreiben und in Sicherheit zu bringen. Wirklich verlässlich waren die Methoden alle nicht. Allein im Hollingstedter Revier fallen nach Angaben der Jäger jedes Jahr zehn bis zwanzig Rehbabys der Mahd zum Opfer.

Krüger nahm das zum Anlass, sich nach neuen Methoden zu erkundigen, wälzte Fachliteratur und führte viele Gespräche, bis er im vergangenen Jahr fündig wurde. Er erfuhr, dass man die Rehmütter mit ihren Kitzen mit Geräuschen in großer Lautstärke in einer bestimmten Frequenz verlässlich vertreiben kann. Dieses Wissen nutzte er und ertüftelte eine denkbar einfache Vorrichtung, mit der die Felder Kitz-frei werden sollten. Er verwendete dazu einem handelsüblichen Rauchmelder und einen Weidezaunpfahl. Wenn er den Rauchmelder eingeschaltet, nehmen wegen des durchdringenden Tons nicht nur Menschen Reißaus, sondern auch die Rehmütter mit ihrem Nachwuchs.

Für eine Fläche von zirka fünf Hektar werden vier Geräte benötigt, sagt Krüger, das hätten die Versuche im vergangenen Jahr ergeben. Die Geräte müssten mindestens zwölf Stunden vor Beginn des Mähens aufgestellt werden.

Der Erfolg des Testbetriebes im vergangenen Jahr gibt ihm Recht: Auf den Feldern, auf denen er die Technik ausprobierte, fand man keine Kitze mehr. „Entscheidend ist, dass der Landwirt mithilft und rechtzeitig einen Tag vorher sein Mähvorhaben den Jägern meldet“, sagt Krüger, „damit wir die Geräte aufstellen können, um das Leben der Kitze zu retten.“

Wenn die erste Grasernte beginnt, werden die bis zu neun Meter breiten Mähbalken der landwirtschaftlichen Maschinen nicht nur für die Rehe zur Gefahr, auch Feldhasen und zahlreiche Bodenbrüter, wie zum Beispiel Kiebitz, Rebhuhn oder Fasan, sind besonders gefährdet.

Nähere Infos erteilt Bruno Krüger unter Telefon 04627/383. Mähvorhaben bitte rechtzeitig melden bei Truels Hansen, Telefon 0  46  27/12  26, oder Hans-Jürgen Hoffmann, Telefon 04627/ 955.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen