Schleswiger Schmid-Villa : Investor: „Ich verstehe die Projektgegner nicht“

Vor dem Dom: Die leer stehende Schmid-Villa wurde vor gut 15 Jahren gebaut.
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Vor dem Dom: Die leer stehende Schmid-Villa wurde vor gut 15 Jahren gebaut.

Uwe Hahn will die ungenutzte Schmid-Villa an der Schlei abreißen und eine mehrstöckige Wohnanlage hochziehen. Der Investor im Interview.

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30. Januar 2015, 10:32 Uhr

Schleswig | Uwe Hahn, der Busdorfer Investor, wirkt gelassen – und ebenso zuversichtlich. Noch während eine Schleswiger Bürgerinitiative die Säge ansetzt, um mit ihrer Unterschriftenaktion die von ihm geplanten Wohnblocks auf dem Areal der Schmid-Villa zu verhindern, feilt Hahn mit den Verantwortlichen im Rathaus weiterhin an der Gestaltung dieser Anlage in der Plessenstraße 1b. Für die Verwirklichung des Wohnprojekts ist Voraussetzung, dass die Schmid-Villa abgerissen wird – was in Teilen der Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung entfacht hatte. Wie Uwe Hahn mit dem Gegenwind zurecht kommt, und was er als Nächstes vorhat – darüber spricht er in unserem Freitags-Interview mit Redakteurin Frauke Bühmann.

Herr Hahn, wie es scheint, ist die Schleswiger Initiative guten Mutes, genügend Unterschriften zusammen zu bekommen. Damit würde sie ein Bürgerbegehren gegen den Aufstellungsbeschluss der Ratsversammlung erreichen, womit dann also die Zulässigkeit Ihrer geplanten Wohnanlage aufgehoben wäre. Was sagen Sie dazu?
Hahn: Ich wundere mich darüber. Ich verstehe einfach nicht, was die Bürgerinitiative eigentlich will. Ob sie grundsätzlich gegen etwas Neues im Bereich des Stadthafens ist, ob sie gegen die moderne Architektur ist, gegen die Höhe des Gebäudes – ich weiß es einfach nicht. Erst Ende letzter Woche habe ich Mitgliedern der Bürgerinitiative angeboten, dass wir miteinander sprechen und Informationen austauschen – aber offenbar besteht daran kein Interesse. Mein Angebot wurde bisher jedenfalls nicht angenommen. Und ehrlich gesagt: Ich verstehe gar nicht, wie man gegen einen Aufstellungsbeschluss anrennen kann. Erstens kann die Ratsversammlung einen Aufstellungsbeschluss für die Bebauung jederzeit wieder ändern oder erneuern, und zweitens besagt dieser Beschluss doch überhaupt nicht, wie die Bebauung am Ende aussehen soll.

Welche Tipps können Sie denn stattdessen den Gegnern Ihrer geplanten Wohnanlage mit auf den Weg geben, wenn diese das Projekt gern verhindern wollen?
Befürworter wie Gegner haben mehrfach bei so einem Verfahren die Gelegenheit, ihre Bedenken zu äußern oder Verbesserungsvorschläge zu machen oder ihr Veto einzulegen. Und ich finde es gut, dass es dieses demokratische Verfahren gibt. Aber dafür müssen jetzt zuerst einmal architektonische Gestaltungsvorschläge auf den Tisch. Das heißt: Ich als Investor, die Stadt als Planungsbehörde und der Denkmalschützer müssen konsensfähige Baupläne erarbeiten. In diesem Stadium sind wir jetzt. Während der nächsten acht Tage werden Gespräche darüber stattfinden. Anschließend hoffe ich, dass der Politik fertige Pläne zur Abstimmung vorgelegt werden können. Und wenn die Pläne die Ratsversammlung passiert haben, kommt die öffentliche Auslegung, bei der sich dann – wie gesagt – jeder Bürger der Stadt zu Wort melden kann. Selbstverständlich auch die Gegner des Projekts.

Nun gibt es ja einige Bürger, die die seit Langem unbewohnte Schmid-Villa nicht mehr missen möchten im Stadtbild. Zumindest wollen sie nicht, dass sie abgerissen wird. Einige schmieden sogar Pläne für das Haus – etwa dort einen Kindergarten einzurichten oder auch eine Touristenstätte. Wie finden Sie das?Ja, wer Eigentümer der Immobilie ist, kann die Nutzung gern bestimmen. Aber bisher sind, wie die Stadtwerke als derzeitige Besitzerin erklären, Kaufinteressenten stets wieder abgesprungen – weil die Schmid-Villa und deren Unterhalt sowie auch der nötige Umbau ihnen zu teuer geworden wäre. Das Haus ist soweit in Ordnung, aber es war als Tagungsstätte konzipiert und ist daher nicht zum Wohnen oder als Seniorenanlage geeignet. Für diese Art Gebäude ist es eben schwierig und teuer, einen Nutzungszweck zu finden.

Ein Vorentwurf: So oder ähnlich sollen die Appartementblocks aussehen.
Ein Vorentwurf: So oder ähnlich sollen die Appartementblocks aussehen.

Welche Dimensionen muss die geplante Wohnanlage an der Plessenstraße 1b aus Ihrer Sicht als Investor haben, damit es sich rechnet? Also wie viele Wohnungen und wie viele Stockwerke?
Etwa 50 Wohnungen plus einige Dienstleistungseinrichtungen müssten es sein. Übrigens habe ich schon jetzt so viele Nachfragen dafür, auch von Buten-Schleswigern, die gern wieder hierher ziehen würden, dass ich mühelos für alle Wohnungen einen Käufer oder Mieter finden würde. Das Problem ist aber: Wenn sich die Planungsphase jetzt immer weiter hinzieht, dass ein weiteres Jahr ins Land geht, wird es schwierig. Dann muss ich Interessenten vertrösten. Und für mich kostet jedes weitere Jahr etwa eine halbe Million Euro an Baukosten. Denn die gehen weiter in die Höhe.

Apropos Höhe: Wie viele Stockwerke planen Sie? Sowohl der Bürgermeister als auch einige Stadtpolitiker stören sich an dem geplanten 5. Stockwerk, das zur dreiteiligen Wohnanlage gehören soll. Sind Sie da verhandlungsbereit?
Das werden wir in den nächsten Tagen mit der Stadt besprechen. Noch ist alles offen. Aber dazu möchte ich jetzt öffentlich nichts sagen.

Wie leidensfähig ist man eigentlich als Investor? Sind Sie selbst gekränkt, wenn Kritik oder Unterstellungen im Zusammenhang mit dem Projekt auf Sie niederprasseln? Und würden Sie sich ab einem bestimmten Punkt als Investor zurückziehen?
Ich weiß ja, dass ich nicht persönlich angegriffen werde – sondern meine Ideen. Und da bin ich bereit, auch Kompromisse zu machen. Sollte sich allerdings alles zu lange hinauszögern, dass es mir zu teuer wird, dann muss ich es mir überlegen. Ich bin Kaufmann, die Bilanz muss stimmen. Aber ich glaube an das Wohnprojekt neben dem Stadthafen: Es ist ein Gewinn für die Stadt. Schauen Sie doch mal, was Eckernförde alles aus seinem Stadthafen gemacht hat.

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