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Gemeinden in den Miesen : Investieren oder verlieren

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nur 27 Gemeinden im Kreis Schleswig-Flensburg haben keine Schulden. Besonders arg gebeutelt scheint neben Glücksburg Süderbrarup zu sein.

von
erstellt am 07.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Das Statistische Landesamt (www.statistik-nord.de) hat genau hingeschaut und die finanziellen Verhältnisse der Kommunen in Schleswig-Holstein aufgelistet – Einwohnerzahlen, Gesamtschulden, Schulden pro Kopf und andere Daten geben Aufschluss über die Kassenlage in Dörfern und Städten. Und die ist sehr unterschiedlich – ebenso wie die Gründe für Schulden.

 

So eine Schuldenliste ist eine gute Grundlage zum Stöbern („Wie hoch steht eigentlich mein Heimatort in der Kreide?“), zum Vergleichen („Guck mal, die sind noch schlechter dran als wir.“) und zum Lästern („Ich wusste schon immer, dass die nicht mit Geld umgehen können.“) In der Tat sind die Zahlen interessant: So sind 27 der 128 Gemeinden im Kreisgebiet komplett schuldenfrei. Gut gewirtschaftet? Oder nur nicht investiert? Eine Gemeinde mit einer Million Euro Schulden muss nicht zwangsläufig am Rande des Abgrunds stehen. Wenn sie ihre laufenden Kosten einigermaßen decken kann, aber 400 000 für die Sanierung ihrer Straßen, 200 000 für die Erschließung eines Baugebiets und 400 000 Euro in Schulen und Kindergärten investiert – dann ist sie allemal besser für die Zukunft gerüstet, als wenn die roten Zahlen sich aus dem laufenden Betrieb erheben (strukturelles Defizit).

Auf den ersten Blick sind die Zahlen aus Süderbrarup erschreckend: Gut 4000 Einwohner, 4,777 Millionen Schulden – das sind 1167 pro Einwohner. Nur die Therme-geplagten Glücksburger sind schlechter dran. Wesentlich schlechter. Aber in Süderbrarup hat man gewusst investiert, wie der stellvertretende Bürgermeister Hans-Walter Niendorf betont. „Unser laufender Haushalt ist eng gestrickt, aber wir können unsere jährlichen Kosten einigermaßen tragen. Aber wir haben uns auch entschlossen, zu investieren.“ In eine lange herausgeschobene Straßensanierung beispielsweise. Die Straße selbst hat das Land bezahlt – aber dann waren da ja noch die Abwasserkanäle, elektrische Leitungen und die Beleuchtung. Und die Kreditzinsen sind derzeit äußerst günstig.

Oder Neubaugebiete: Einen Teil lässt Süderbrarup durch Investoren erschließend und vermarkten. „Aber wir legen Wert darauf, einen Teil auch selbst in der Hand zu behalten, um auch Familien mit Kindern die Möglichkeit zu geben, in Süderbrarup zu bleiben oder sich hier anzusiedeln“, sagt Hans-Walter Niendorf. Das koste zwar, trage aber zur Lebensqualität bei und zahle sich in der Zukunft aus. Ähnliches gilt für Investitionen in Schulen und Kindergärten. Und für das Freibad. Das produziert jährlich ein Defizit von bis zu 100 000 Euro. Das nehmen die Süderbraruper bewusst in Kauf. „Das ist ein Stück Lebensqualität, das wir uns leisten“, sagt Niendorf und verweist darauf, dass in dem Bad auch die Kinder schwimmen lernen.

Einsparmöglichkeiten gibt es wenige. „Wenn“, so Niendorf, „müssten wir die Zuschüsse für Vereine und Verbände kürzen. Das wollen wir aber nicht, weil diese Gruppierungen unsere Gemeinschaft beleben.“ Eine Möglichkeit, die Einnahmen zu erhöhen, wären die Standgebühren bei Brarupmarkt. „Dann hätten wir einmal mehr Geld, in nächsten Jahren würden weniger Beschicker kommen und langfristig verliert unser einzigartiges Fest an Qualität. Das wollen wird nicht.“

In Süderbrarup ist man der Meinung, dass sich Investitionen in die Zukunft auszahlen. Durch die Liste und die verhältnismäßig hohen Schulden lässt sich dort niemand bange machen.

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